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Auf einem Teil des Michaelis-Friedhofs könnten künftig auch Baumgräber entstehen. Die Stadt arbeitet an einem entsprechenden Konzept. Foto: t&w
Auf einem Teil des Michaelis-Friedhofs könnten künftig auch Baumgräber entstehen. Die Stadt arbeitet an einem entsprechenden Konzept. Foto: t&w

Tod und Bestattung: Imagearbeit für Lüneburger Friedhöfe

us Lüneburg. Ob Familiengrab, Rasenpartnergrab, Urnenwahlgrab oder Kinderreihengrab – bis zu neun verschiedene Grabstättenarten bietet die Stadt Lüneburg auf ihren sieben Friedhöfen an, um den Wünschen ihrer Bürger für die letzte Ruhestätte gerecht zu werden. Doch nicht alle sind mit dem klassischen kommunalen Angebot zufrieden, immer mehr haben sich in den vergangenen Jahren für einen Platz in einem Bestattungswald entschieden. Während es unter den Bäumen fast schon eng wird, sind auf den klassischen Friedhöfen oft immer mehr Flächen unbelegt. Jetzt will die Stadt mit einem eigenen Konzept nachziehen.

„Auch wir in der Stadt möchten auf den fahrenden Zug aufspringen“, erklärt Ulla Hesebeck. Sie ist Leiterin des Bereichs Straßen- und Grünplanung der Stadt Lüneburg. Schon seit längerer Zeit drückt sie die Sorge, ihre Friedhöfe nicht auslasten zu können. Waren es vor 25 Jahren noch rund 800 Bestattungen pro Jahr, sind es heute nur noch rund 450 bis 500.

Aber auch der Wunsch nach einer anderen Bestattungsform hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. So konnte der von der Friedwald GmbH im Jahr 2011 eingerichtete Bestattungswald bei Barendorf einen starken Zuwachs verzeichnen, mehr als 650 Beisetzungen wurden dort bis heute vollzogen. Darüber hinaus sind dort aktuell knapp 1400 Nutzungsrechte auf ein künftiges Baumgrab erworben worden, wie Friedwald-Mitarbeiterin Jana Gieß erklärt. Zwar sei das Wachstum aktuell nicht mehr so stark wie in den ersten Jahren, „der Zuspruch aber ist gleichbleibend“.

Längst haben auch andere Kommunen verstanden, dass es mit den Baumgräbern eine Nachfrage gibt, die auch von ihnen selbst gedeckt werden könnte. So hat die Samtgemeinde Gellersen beschlossen, einen Bestattungswald im Hambörn bei Südergellersen einzurichten, alternative Flächen sind in Reppenstedt und in Heiligenthal im Gespräch. Auch die Samtgemeinde Amelinghausen prüft derzeit, einen Bestattungswald bei Diersbüttel in Angriff zu nehmen.

Doch einen eigenen Bestattungswald einzurichten, so weit will die Stadt Lüneburg dann doch nicht gehen. „Baumgräber sind nur ein Angebot von vielen“, sagt Hans-Georg Grzenia. Lüneburgs Friedhofsverwalter setzt vielmehr darauf, die Attraktivität der vorhandenen Friedhöfe zu steigern, unter anderem mit Baumgräbern. So könnten Flächen, die auf den Friedhöfen ursprünglich für klassische Erdbestattungen freigehalten wurden, hierfür genutzt werden. Konkret hat die Stadt eine Fläche auf dem nördlichen Teil des Michaelis-Friedhofs in den Blick genommen. Dort will sie gegebenenfalls sogar Bäume auch noch nachpflanzen, um dem Charakter eines Bestattungswalds gerecht zu werden.

Weitere Ideen, wie die Friedhöfe der Zukunft aussehen könnten, entwickelt eine Arbeitsgruppe, der neben der Stadt auch der Freundeskreis Hospiz sowie der Lüneburger Grabstein-Unternehmer Rainer Mencke angehören. Erst kürzlich war die Gruppe nach Flensburg gefahren, hatte sich dort Ideen und Anregungen geholt. Sein Fazit: „Wir brauchen pflegeleichte Gräber und müssen Ritualmöglichkeiten bieten“, sagt Mencke.

Gerade Letzteres sei in den Bestattungswäldern nicht gegeben, da dort noch nicht einmal Blumen abgelegt werden könnten. „Viele Menschen stellen erst im Nachhinein fest, wie wichtig dieser Faktor ist“, sagt der Unternehmer. Zudem böten Friedhöfe eine Infrastruktur mit begehbaren Wegen, Friedhofskapellen, Toiletten und einer Anbindung an der öffentlichen Personennahverkehr, auf die gerade die älteren Menschen häufig angewiesen seien. „Alle Vorteile liegen bei den Friedhöfen, sie müssen nur besser beworben werden“, ist Mencke überzeugt.

Auch Hans-Georg Grzenia weiß, dass die Stadt mehr tun muss: „Wir müssen Friedhöfe von dem Image befreien: ‚Damit will ich nichts zu tun haben‘.“ Wie das Image aufpoliert werden kann, will die Projektgruppe im Frühjahr kommenden Jahres vorstellen.

One comment

  1. wenn ich den mist lese, schwillt mir der kamm. es geht auch hier nur um das geld. geschäftemacherei mit toten. abartig ist das ganze. ich werde in meinem garten beerdigt, da können die marktstrategen vom bestattungskult manipulieren wie sie wollen. ob kommune oder gmbh, alle denken nur an ihren eigenen vorteil. der letzt wille wird mit füßen getreten.