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Pastor Dr. Frank Mertin (v.l.) und Bürgermeisterin Ulrike Walter mit den Geehrten Walter Berger, Helga Fehrentz und Friedrich-Wilhelm Pröhl. Zu den Gratulanten gehörte auch MdB Eckhard Pols (r.). Foto: kre
Pastor Dr. Frank Mertin (v.l.) und Bürgermeisterin Ulrike Walter mit den Geehrten Walter Berger, Helga Fehrentz und Friedrich-Wilhelm Pröhl. Zu den Gratulanten gehörte auch MdB Eckhard Pols (r.). Foto: kre

Neujahrsempfang von politischer und kirchlicher Gemeinde in Deutsch Evern

kre Deutsch Evern. Ist die Welt verrückt geworden? Oder — wie Pastor Dr. Frank Mertin es jetzt etwas zurückhaltender ausdrückte: „Die Welt scheint nicht ganz ganz bei Trost zu sein!“ Angesichts der Terroranschläge, der Luftschläge mit ebenfalls vielen Toten und Verletzten und nicht zuletzt den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht zweifellos eine durchaus berechtigte Schlussfolgerung. Aber: „Kriegslogik darf nicht zur Normalität werden“ mahnte Pastor Dr. Mertin, der die gestrige Predigt unter die Jahreslosung von Jesaja gestellt hatte, „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“

Glaube, Vertrauen vor allem Nächstenliebe — das sind Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Oder, um es wieder mit des Pastors Worten zu sagen: „Wir dürfen nicht nur vom christlichen Abendland reden, sondern wir müssen die Worte Christi an der Basis auch leben und umsetzen.“

Sonntag war ein besonderer Tag für die Deutsch Everner. Denn nach dem Gottesdienst fand im Gemeindehaus der Martinuskirche der traditionelle Neujahrsempfang der politischen Gemeinde Deutsch Evern statt. Eine gute Gelegenheit für die Kommune, verdiente Bürger zu ehren, ein Resümee des vergangenen Jahres zu ziehen und einen Ausblick auf das Jahr 2016 zu geben.

Und das wird — wen wunderts — auch in Deutsch Evern von der aktuellen Asylproblematik geprägt: „Zurzeit sind es 17 Flüchtlinge, die in unserer Gemeinde leben“, berichtete Ulrike Walter (CDU), sie ist seit Oktober vergangenen Jahres Bürgermeisterin. Die Quote sei damit aber nicht erfüllt. Bis Ende Februar, so Walter, werde die Zahl der Asylsuchenden in Deutsch Evern auf 40 ansteigen.

Dass der anhaltende Flüchtlingstrom, „die Nachrichten über Terrorwarnungen und -anschläge und nicht zuletzt die Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht“ manchen Deutsch Everner auch Angst und Sorgen bereiten, verhehlte Walter nicht. „Umso wichtiger ist es daher, dass es uns hier im Dorf gelingt, unsere ehrenamtliche Unterstützung in der Flüchtlingsarbeit auf viele Füße zu stellen, Begegnungsängste abzubauen und viele verschiedene Angebote und Hilfen aufzubauen, zu pflegen und miteinander zu koordinieren.“

Lobenswerte Beispiele gebe es zuhauf: „Viele Ehrenamtliche haben Hilfe und Sachspenden angeboten, setzen sich aktiv für Integration ein, Sprachunterricht findet im Gemeindesaal statt, zudem finde im Gemeindesaal alle 14 Tage eine offene Teestunde statt, damit Deutsche und Asylbewerber sich in ungezwungener Atmosphäre kennenlernen können“.

Solche Angebote findet auch der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (CDU) gut, der als diesjähriger Gastredner zum gemeinsamen Neujahrsempfang von Gemeinde und Kirche eingeladen war. „Eigentlich soll ich ein unpolitisches Grußwort halten“, berichtete er schmunzelnd. Doch er sei nun einmal ein Vollblut-Politiker, da falle ihm diese Bitte naturgemäß schwer. Und vorne zu stehen und nur zu „singen und zu tanzen“, das wolle er den Zuhörern dann auch nicht antun.

Also ging auch Pols in seiner Rede kurz auf die Flüchtlingsdebatte ein, die durch die massenhaften sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht noch weiter befeuert wird. „Wer so etwas macht, muss mit aller Härte des des Gesetzes bestraft werden“, sagte Pols, der aber auch davon überzeugt ist, „dass die große Mehrheit der Flüchtlinge diese Taten ebenso verurteilt wie wir.“

Der überwiegende Teil der Menschen, die nach Detuschland gekommen sind, suchten Schutz vor Bomben und Terror — „und es ist unsere christliche Pflicht, ihnen zu helfen“, ist Pols überzeugt.

Weitere Themen, die Bürgermeisterin Walter anriss, betrafen die Kinderbetreuungsangebote in der Gemeinde, die Ausweisung des neuen Baugebietes, die gelungene Sanierung des Friedhofes und den Bahntrassenbau mit der umstrittenen Alpha-Variante E. Zumindest letztere werde die Kommune noch lange beschäftigten“, prophezeite die Bürgermeisterin und erinnerte daran, dass die Kommune bereits einen Anwalt beauftragt habe, um die Interessen der Kommune zu vertreten. Dass die Deutsch Everner deshalb bereits spöttisch als „kleines gallisches Dorf“ bezeichnet werden, empfindet Ulrike Walter da fast schon als Lob.

Stiller Einsatz für die Allgemeinheit
Drei Deutsch Everner wurden beim gemeinsamen Neujahrsempfang für ihr Engagement geehrt: Helga Fehrentz für ihren Einsatz für Asylsuchende. Seit März 2015 gibt sie Deutschunterricht, engagiert sich im Kampf gegen Vorurteile und auch beim „dinner together“ — Kochen in Martins Mantel mit Flüchtlingen — ist sie aktiv. Außerdem ist die Deutsch Evernerin seit mehr als zehn Jahren als Leiterin des Frauengesprächskreises in der Martinuskirche aktiv.

Friedrich-Wilhelm Pröhl dagegen ist aus der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken, hat seit 1960 an fast allen Einsätzen und Übungen teilgenommen, Führungsverantwortung getragen, außerdem hat er im ehemaligen Spielmanszug der Feuerwehr Deutsch Evern viele Jahre mitgewirkt. Darüber hinaus war er politisch aktiv. In der Gemeinde als Ratsherr und Bürgermeister und in auch der Samtgemeinde und im Kreistag vertrat er die Interessen der Gemeinde.

Walter Berger dagegen kümmert sich seit Jahren um Gnadenbrotpferde. Pferde, die sonst beim Schlachter gelandet wären, bereitet der Deutsch Everner lebenswerte letzte Jahre. Und das, obwohl Berger inzwischen selbst 87 Jahre alt ist und aufgrund eines Unfalls gesundheitliche Einschränkungen beim Gehen hat. Dieser Einsatz verdiene Respekt, betonte Walter. kre