Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Missbrauchs-Prozess

Missbrauchs-Prozess: Warten auf Aufklärung

ca Lüneburg. Der Missbrauchs-Prozess endete für Zuhörer und Journalisten am Morgen mit einer Pause: Verteidiger Thorsten Heß beantragte, die Öffentlichkeit auszuschließen. Das lehnten die Richter nach einer Beratung ab, sodass das Verfahren gegen 13 Uhr am Landgericht fortgesetzt wurde. Damit war der Anwalt mit einem zweiten Antrag gescheitert, zuvor wollte er die drei Berufsrichter wegen Befangenheit ablehnen.

Am Ende waren die Bänke geleert, nur drei Journalisten und eine Hospitantin saßen im Zuhörerbereich. Nun wollte Heß eine Erklärung seines Mandanten verlesen. Er beantragte, dass die schriftliche Erklärung zu Protokoll genommen werde. Da hatten Staatsanwalt und Nebenklagevertreter juristische Bedenken. Die Kammer folgte ihren Einwänden – nicht zu Protokoll.

Nach viereinhalb Stunden grundsätzlicher rechtlicher Fragen warteten die Reporter auf die angekündigte mehrseitige Aussage, in der der Angeklagte zu den Taten Auskunft geben will. Die Erklärung könne er unter diesen Umständen nicht abgeben, sagte Heß. Er wolle sich mit seinem Mandanten über die neue Lage beraten. Die Richterin, offenbar mit Geduld gesegnet, blieb ruhig. Sie werde die Verhandlung bis kommenden Montag unterbrechen. Doch sie wolle planen, so wie auch die anderen Beteiligten, sodass an den nächsten Tagen des Prozesses ein „Programm“ für den weitere Ablauf vereinbart werden solle. Klare Worte. Zustimmung bei Anwalt Heß.
Ob der Angeklagte, der sich zum zweiten Mal verantworten muss, da das erste Verfahren im vergangenen Sommer platzte, die Erklärung am Montag verlesen lassen wird, bleibt offen. Auf Nachfrage sagte Heß, das müsse er erst klären.

Wie berichtet, muss sich ein ehemaliger Trainer eines Lüneburger Sportvereins verantworten. Der Staatsanwalt legt dem 27-Jährigen sexuelle Übergriffe in 71 Fällen zur Last. Die Opfer seien zwei Kinder und ein Jugendlicher, eines der Opfer soll autistisch sein. Der Prozess war im vergangenen Sommer abgebrochen worden: Der Angeklagte hatte ein Geständis angekündigt, das aber nicht so umfassend ausfiel wie von der Kammer erwartet. Es wären daher mehr Verhandlungstage als geplant nötig gewesen. Die konnte die Kammer aber nicht gewährleisten, weil einer der Richter aus persönlichen Gründen für Monate nicht zur Verfügung stand. Nun ist der Prozess von vorne gestartet.

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