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Fast 150 Singschwäne (Foto), dazu rund 600 Tundrasaatgänse sind seit Tagen zu Gast in Reppenstedt, finden offensichtlich genügend Futter auf einem Stoppelacker. Foto: t&w
Fast 150 Singschwäne (Foto), dazu rund 600 Tundrasaatgänse sind seit Tagen zu Gast in Reppenstedt, finden offensichtlich genügend Futter auf einem Stoppelacker. Foto: t&w

Zugvögel rasten in Reppenstedt

pet Reppenstedt. Es ist ein beeindruckendes Bild, das sich seit einigen Tagen in Reppenstedt, nördlich des Adlerswegs, bietet. Hunderte von Gänsen und Schwänen machen Rast auf den Flächen zwischen Reppenstedt und Vögelsen, suchen auf dem Maisstoppelacker nach Futter. LZ-Leser Gerhard Schalow beobachtet das rege Treiben genau, meldete sich bei der Landeszeitung.

Singschwäne und Tundrasaatgänse sind es, die tagsüber auf dem Acker fressen. „Am Abend sind sie dann wieder weg“, so Schalow. Vogelkundler Heinz-Georg Düllberg aus Lüneburg machte sich gestern ein Bild von dem Naturschauspiel: „Gezählt habe ich 149 Singschwäne und gut 600 Tundrasaatgänse.“

Flächen links und rechts der Elbe sind eigentlich die Stammgebiete der Vögel, wenn sie in der kalten Jahreszeit aus Nordosteuropa in wärmere Gefilde fliegen. Dass die Singschwäne und Tundrasaatgänse jetzt in so großer Zahl bei Reppenstedt Rast machen, sei eher ungewöhnlich, so Düllberg.

Zwei der Singschwäne weckten gestern seine besondere Aufmerksamkeit: „Es sind zwei farbberingte Singschwäne dabei“, berichtete Düllberg. „Kein Pärchen, aber möglicherweise Geschwister.“

Mit Hilfe der Halsbänder, die eine Zahlen-/Buchstabenkombination tragen, ist es Vogelkundlern möglich, den Weg der Tiere nachzuvollziehen. „Singschwan 6E49“ etwa, ein männliches Tier, wurde am 31. Juli 2013 im lettischen Rimzati beringt. Gesichtet wurde der Schwan dann am 2. Januar 2014 in Radbruch, später in Sangenstedt. Dann ging es wieder in Richtung Osten: Am 31. Oktober 2014 tauchte „Singschwan 6E49“ in Peanse (Estland) auf.

Über Ludwigslust ging es dann wieder in den Raum Winsen, ehe die Reise nach Polen führte, wo „Singschwan 6E49“ am 24. März 2015 in Kamien Pomorski gesichtet wurde. Im vergangenen Herbst wurde der stolze Vogel wieder zwischen Neuhaus und Winsen beobachtet, jetzt hält er sich also in Reppenstedt auf.

Durchaus möglich, so Vogelkenner Düllberg, dass es in den nächsten Tagen, wenn es kalt bleibt oder noch kälter wird, noch weiter nach Westen, in Richtung Niederlande geht.

Ringe für den Artenschutz

Seit 1899, damals durch den Dänen H. D. Mortensen, werden Vögel aus wissenschaftlichen Gründen in größerem Umfang beringt. Mortensen versah Stare mit Metallfußringen, die neben einer Nummer auch eine Rücksendeadresse aufwiesen. Die Vogelberingung entwickelte sich danach zu einer weltweit angewandten Standardmethode zur Erforschung des Vogellebens.

Als wissenschaftliche Markierungsmethode ist sie nach wie vor für die Vogelzugforschung, für die Erforschung populationsbiologischer Zusammenhänge, für ökologische Untersuchungen oder für Verhaltensstudien und damit für den Arten- und Naturschutz ein unverzichtbares Hilfsmittel. Nur mit Hilfe der individuellen Kennzeichnung ist es möglich, u.a. so wichtige Erkenntnisse zu Rückkehrraten, Überlebensraten und Ansiedlungsverhältnisse zu erfassen.

Die Vogelberingung erfolgt meist ehrenamtlich. Mit Hilfe von mehr als 10 000 ehrenamtlichen Mitarbeitern, den Beringern, werden in ganz Europa vogelkundliche Langzeit-Untersuchungen durchgeführt. Nationale Beringungszentralen organisieren die Beringung und koordinieren die einzelnen Forschungsprojekte. In Europa werden alljährlich etwa 3,8 Millionen Vögel beringt und etwa 90 000 wiedergefunden (Quelle: Institut für Vogelforschung, Wilhelmshaven).