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Prof. Dr. Anthimos Georgiadis (v.l.) hilft den Bachelor-Studenten Thomas Schneider, Patrick Oetz-mann und Tom Bösche bei einem Praxisprojekt. Foto: t&w
Prof. Dr. Anthimos Georgiadis (v.l.) hilft den Bachelor-Studenten Thomas Schneider, Patrick Oetz-mann und Tom Bösche bei einem Praxisprojekt. Foto: t&w

Leuphana: Studenten bangen um ihre Technik

ap Lüneburg. In einem Jahr, in der vorlesungsfreien Zeit des Wintersemesters, soll der Technische Lehrstuhl der Leuphana vom Standort Volgershall in den neuen Libeskind-Bau ziehen. „Wir arbeiten gerade an der technischen Planung des Umzugs“, sagt Institutsleiter Prof. Dr. Anthimos Georgiadis. Dass der Ingenieursstudiengang umgesiedelt wird, steht außer Frage, doch ein genaues Datum steht nicht fest. Viel ungewisser noch sind die Begleitumstände des Umzugs. Was wird aus den Laboren und der Maschinenhalle?

Ablehnung vom Ministerium

Ungewissheit herrscht unter Studenten und Lehrenden. „Diese große Frage steht im Raum“, sagt Fachschaftsvorsitzender Dennis Scheeßelmann. Bislang ohne Antwort. Doch sie wäre wichtig. Die Maschinenhalle und die rund zwölf Forschungslabore sind für die Wirtschaftsingenieure das Herzstück ihres Studiengangs. Sowohl Studenten als auch Lehrende nutzen die Räume, beispielsweise, um Projekte zu realisieren, Industriepartner zu akquirieren oder Prototypen zu bauen.

Der Knackpunkt: In den ursprünglichen Bauplänen für das Zentralgebäude war eine Maschinenhalle nicht ausgewiesen, sie wurde erst nachträglich hinzugefügt (LZ berichtete). Jedoch ohne Einwilligung des Wissenschaftsministeriums (MWK). Die Universitätsleitung beteuert seither, die Unterbringung im Keller sei durchaus in Planung. Ein Antrag seitens der Hochschule wurde vom Ministerium jedoch abgelehnt, der Bedarf sei nicht plausibel begründet worden ebenso die Kosten. „Die Leuphana hat bislang auch keinen neuen Antrag gestellt“, sagt Pressesprecherin Margit Kautenburger auf LZ-Nachfrage.

Vor knapp zwei Jahren waren die Sorgen schon mal Thema, da organisierte Ombudsmann Thies Reinck ein Treffen zwischen Fachschaftsmitgliedern und Präsident Sascha Spoun. „Er hat uns zugesagt, dass er keinerlei Absicht habe, die Ingenieurswissenschaften abzusägen“, erinnert sich Thomas Voß, der zu der Zeit noch den Vorsitz in der Fachschaft hatte. Kurz darauf wurden drei neue Professoren für den Technischen Lehrstuhl berufen, ebenso ein Maschinenhallenmeister – alle mit unbefristeten Verträgen. „Wir haben lange Zeit Gegenwind gespürt, dadurch ist viel Schaden entstanden. Viele dachten, wir existieren gar nicht“, sagt Prof. Dr. Anthimos Georgiadis. Der Bereich Automatisierungstechnik habe wieder für Auftrieb gesorgt.

Auch wenn sich die Wogen allmählich zu glätten scheinen, hat der Institutsleiter weiter Forderungen: Er werde mit seinem Institut erst umziehen, wenn ihm adäquate Möglichkeiten im Zentralgebäude sicher sind. Bei den Laboren sei ein Qualitätsverlust nicht akzeptabel. Georgiadis hat vor kurzem den Keller des Zentralgebäudes besichtigt, „es ist noch eine Baustelle“, aber Höhe und Zugang ensprächen beispielsweise seinen Vorstellungen.
Die Bedeutung der Technik ist für Studenten und Lehrende enorm. Umso weniger können sie nachvollziehen, dass bislang keine Genehmigung für den Bau einer Maschinenhalle vorliegt. Das Präsidium gibt sich entspannt: „Die Universität hält unverändert an den wichtigen Plänen für eine Verlagerung der Maschinenhalle in den Keller des neuen Zentralgebäudes fest“, sagt Pressesprecher Henning Zühlsdorff. Entsprechende Flächen stünden dort zur Verfügung, eine Genehmigung werde man allerdings erst nach der Fertigstellung des Gebäudes beantragen.

Praxis-Erfahrung wird verlangt

Sowohl die Prüfung des Antrages als auch der Umzug der Maschinen und Labore nehmen jedoch Zeit in Anspruch. Die Studenten sind deshalb besorgt, fürchten das Schlimmste: „Dass die Räumlichkeiten ganz wegbrechen oder der Umzug zum Hauptcampus Monate dauert. Das wäre fatal“, sagt Voß, der in Spitzenzeiten rund 20 Stunden pro Woche an den technischen Geräten arbeitete. Viele Maschinen in Volgershall sind selbstgebaut, stammen aus zahlreichen Forschungsprojekten. Sie brachten schon einige Preise nach Lüneburg, beispielsweise den Innovationspreis im Jahr 2002. „Du erarbeitest etwas auf einem Blatt Papier, zeichnest es und kannst dich anschließend an der entsprechenden Maschine ausprobieren. Du machst Fehler, überdenkst deine Vorgehensweise und lernst daraus“, erklären die Fachschaftsmitglieder den wichtigen Praxisteil. Außerdem sei Know-how auch von der Wirtschaft gefordert. Voß sagt: „Wir harren der Dinge, die da kommen.“ Er will Zuversicht versprühen: „Wir vertrauen der Uni, dass sie weiß, was sie tut.“

3 Kommentare

  1. unbefristete Verträge! Das ist ja der Witz des Jahrhunderts… Die Uni, ist vermutlich unter den Top 3 mit den schlechtesten Fristverträgen…

    • @ Escobar ….. Da muss ich Dir voll zustimmen. Einige meiner Freunde/Bekannten arbeiten für die UNI. Und die Arbeitsbedingungen (in Hinblick auf Laufzeiten etc.) sind wirklich mies !! Immer nur häppchenweise .. der nächste Vertrag ist noch schlechter…. noch weniger Geld…etc…. etc… Ich würde unter diesen Bedingungen NIEMALS arbeiten. Aber (leider) sind einige Leute darauf angewiesen.

  2. Schon vor einem Jahr hat ein LZ-Kommentator klar ausgesprochen, was Sache ist:

    „Tatsache ist: Der Antrag für den Bau der Maschinenhalle wurde abgelehnt. Die Einnahmen aus der Vermietung und dem anschließenden Verkauf der Liegenschaft Volgershall sind ein zwingend notwendiger Finanzierungsbaustein für das – zurzeit (!) – 72,3 Millionen Euro teure neue Zentralgebäude nach Plänen des Architekten und nebenberuflichen FAZ-Lesers Daniel Libeskind.

    Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, weiß, was dem Technischen Lehrstuhl der Leuphana, der „Modelluniversität neuen Typs für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“, dem die Ingenieurswissenschaften mit den Schwerpunkten Automatisierungs- und Produktionstechnik angegliedert sind, auf dem „Campus der Zukunft“ blüht.“

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/217060-maschinenhalle-der-leuphana-ministerium-lehnt-keller-plaene-ab#comment-36465