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Brandstiftung im Wendland: Prozess am Lüneburger Landgericht

ca Lüneburg. Die Differenzen des Angeklagten mit der Chefin seien nicht größer als die, die auch sie mit der Vorgesetzten habe. Die Frau lobe nicht, sei der Meinung, alle müssten „funktionieren – sie ist sehr anstrengend“. Doch während die Altenpflegerin den wohl eher harschen Ton erträgt, baute der Angeklagte Ärger, Wut und Enttäuschung anders ab: Er hat gestanden, im vergangenen Sommer sechs Brände in leerstehenden Gebäuden und Scheunen im Kreis Lüchow-Dannenberg gelegt zu haben. Dafür muss sich der 24-Jährige nun vor Gericht verantworten.

Der junge Mann hatte am ersten Verhandlungstag ausführlich geschildert, wie er sich ausbleibende Anerkennung in einem Pflegedienst an anderer Stelle holte. Als ehrenamtlicher Rettungshelfer beim Roten Kreuz rückte er mit aus, um bei den von ihm zuvor gelegten Feuern im Zweifelsfall Verletzten zu helfen. Allerdings habe er darauf geachtet, unbewohnte Gebäude anzustecken, sei vorher durchgegangen. Das Lob kam dann von den Einsatzleitern, die sich bei den Ehrenamtlichen bedankten.
Was der Angeklagte, der ohne Eltern aufwuchs und dafür nach eigenen Worten gehänselt wurde, offenbar als große Demütigung erlebte, schildert seine Kollegin weniger dramatisch. Zwar sei der Umgang mit der Chefin nicht einfach, aber das Team sei freundlich. Den 24-Jährigen habe sie im Mai 2015 kennengelernt, als sie beim Pflegedienst angefangen hatte. Der Kollege habe sie eingearbeitet, sei freundlich und hilfsbereit, bei den Patienten sehr beliebt, weil er sich Zeit genommen habe. Trotzdem sei seine Enttäuschung so groß gewesen, dass er kündigen wollte: „Er hatte die Schnauze voll.“ Doch wegen der Patienten sei er geblieben.

Auch die Ex-Freundin des Angeklagten sagte vor dem Lüneburger Landgericht aus. Kennengelernt hätten sie sich beim Jugendrotkreuz, wo der Angeklagte sich als Betreuer engagierte. Seit 2012 waren sie ein Paar, hätten eine „glückliche Beziehung“ gehabt. Allerdings räumte die Auszubildende ein, dass es auch Streit gegeben habe. Ursache sei ihre Eifersucht gewesen. Einen Schlag erhielt die Partnerschaft, als ihr Freund im Herbst 2013 bei Dömitz drei Strohmieten angezündet habe – nach einem Zwist mit ihr: „Aber ich habe ihm noch eine Chance gegeben.“

Auf Fragen des psychiatrischen Sachverständigen sagte die ehemalige Freundin, dass ihr Partner, mit dem sie nicht zusammenwohnte, sich bei Krisen verschlossen gezeigt habe: „Es eskalierte, wir kamen auf keinen grünen Zweig.“ Bei Streit liefen sie auseinander: „Einer von uns ist dann nach Hause gefahren.“ Der Angeklagte habe ab und an von der Arbeit erzählt, sogar davon, sich das Leben zu nehmen.

Als es im Juni und Juli in Göhrde und Wendland brannte, seien sie zerstritten gewesen. Sie sprach ihn aber nicht an, ob er hinter den Feuer steckte, sondern nahm an, dass ihre nicht unbegründete Eifersucht Ursache der Probleme wäre. Sie habe auch keine Veränderung bemerkt: „Nach den Bränden war er nicht anders als sonst, sondern so wie immer.“

Das Verfahren wird am Mittwoch, 27. Januar, fortgeführt.