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Sparkasse Amelinghausen: Bankräuber sieht sich als Kümmerer

ca Lüneburg. Ein Einbruch ja, aber ein Überfall? Nein – das habe er nicht gewollt: „Ich war schockiert und überrascht.“ Was der Angeklagte gestern im Landgericht durch seinen Verteidiger verlesen lies und selbst erzählte, klang nach einem großen, bedauerlichen Missverständnis. Während auf dem Gang eine weinende Bankmitarbeiterin wartete, die sichtlich unter den Folgen der Tat leidet, gab sich der Angeklagte als Kümmerer: Er habe die Mitarbeiter zwar gefesselt, aber die Kabelbinder nicht sehr stramm zugezogen, auch habe er die Frauen beruhigt, sogar am Knie gestreichelt. Zweimal bat er für die Tat um Entschuldigung.

Der 34-Jährige und ein weiterer Mann (54) müssen sich vor der 2. Großen Strafkammer verantworten. Der Staatsanwalt legt ihnen zur Last, in der Nacht zum 22. Januar 2013 durch ein Kellerfenster in die Sparkasse in Amelinghausen eingebrochen zu sein, dort vier Angestellte abgepasst, mit einer Schusswaffe bedroht und gezwungen zu haben, den Tresor zu öffnen. In der Bank waren die Täter zu viert. Sie flüchteten mit dem Auto einer Mitarbeiterin, wechselten dann in ein anderes Auto und entkamen. Den 54-Jährigen fasste die Polizei sieben Monate später in Hamburg, den 34-Jährigen spürten Ermittler im Juli 2015 in Polen auf, seitdem sitzt er in Haft. Das Duo soll zudem im Juli 2013 in eine Sparkasse in Bohmte bei Bramsche eingestiegen sein. Schulden für die eigene Hochzeit

Der jüngere der beiden Angeklagten schildert den Überfall so: Er habe zu Hause in Polen Schulden gemacht, auch um heiraten zu können. Die 9300 Euro seien durch „fehlerhafte Investitionen“ komplett verloren. Daraufhin hätten ihn Männer bedroht, seiner Mutter und seiner Verlobten könne Schlimmes widerfahren. „Naiv und unüberlegt“ habe er daher einen Auftrag angenommen, aber nicht damit gerechnet, dass er anderen Gewalt antun solle.

Er sei einen Tag vor dem Überfall mit seinem Renault nach Deutschland gefahren, habe die ganze Zeit Drogen konsumiert. An einer Tankstelle habe er drei Komplizen getroffen, gemeinsam sei man Stunden später in die Bank eingedrungen. Der Mann, der aussieht, als verbringe er viel Zeit im Kraftraum, will beinahe sanft mit den Angestellten umgegangen sein. Der Mitangeklagte sei nicht dabei gewesen.

Erst in der Sparkasse habe er begriffen, dass es nicht um den Diebstahl von Computern und Geld gehe. Zunächst erklärte er, er habe mit 10 000 bis 20 000 Euro insgesamt gerechnet, auf Vorhalt des Gerichts, wie er von einem Viertel der Summe als Anteil seine Schulden abtrage wollte, verbesserte er sich, das sei der Betrag, den jeder zu erbeuten hoffte. Am Ende verschwanden die Täter mit 430 000 Euro. Er selbst habe 15 000 Euro erhalten.

Widersprüche auch an anderer Stelle. Den Mitangeklagten habe er über einen Bekannten kennengelernt, gemeinsam habe man in Masuren einen Motorradurlaub verbracht. Erst will er den Mann nur dort gesehen haben, später räumt er weitere gemeinsame Treffen ein, auch die Ehefrauen hätten sich kennengelernt.