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Marketingleiter Jens Wedell präsentiert das geordnete Chaos in der Lagerhalle. Firmeninhaber Reisener hält sich lieber im Hintergrund. Foto: t&w
Marketingleiter Jens Wedell präsentiert das geordnete Chaos in der Lagerhalle. Firmeninhaber Reisener hält sich lieber im Hintergrund. Foto: t&w

Karneval: Lüneburger beliefern Hochburgen +++ mit Video

dth Lüneburg. Aus Platzmangel lagerten die Kostüme kartonweise bereits im Badezimmer, Freunde und Familie halfen, die Waren zu sortieren und die Bestellungen abzuarbeiten. Das war vor rund drei Jahren. Heute hat der 30-Jährige, der in Lüneburg und Scharnebeck aufgewachsen ist, zwei Lagerhallen im Lüneburger Industriegebiet Goseburg angemietet und betreibt mit dem Online-Shop „kostüme.com“ eines von Deutschlands größten Versandhandelshäusern für Verkleidungen. 40 000 bis 45 000 Artikel bietet die Lüneburger Firma an und macht „Deiters“ in Köln, „Marktführer für Verkleidungen aller Art“, langsam Konkurrenz. Der Lüneburger Firmen-Inhaber Max Philipp Reisener sagt: „Die ersten Jahre waren wir in der Investitions- und Wachstums­phase. Jetzt läuft die Saison, die zählt.“

Gerade fährt die Post die nächste Lkw-Ladung für den Versand vom Hof. In der großen Lagerhalle herrscht geschäftiges Treiben. Irgendwo plärrt Stimmungsmusik aus Lautsprechern: „Hey! Hey das geht ab, wir feiern die ganze Nacht …“ Junge Menschen laufen kreuz und quer an den Regalen entlang und den 28 Kleiderständerreihen, die sich durch den größten Teil der Halle erstrecken, einer hängt ein Hexenkostüm dorthin, der andere nimmt eine Superman-Kluft weg und verschwindet hinter der nächsten Kleiderreihe.

Klicken Sie auf das Bild, um zum Video zu gelangen.
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Rund 20 Festangestellte zählt das junge Lüneburger Unternehmen. Doch während der Hauptgeschäftszeit kurz vor Karneval sind es mit Saisonkräften rund 100, sagt Jens Wedell, der das Unternehmen für den eher zurückhaltenden Inhaber nach außen hin vertritt. Der gebürtige Uelzener Wedell ist Marketing- und Vertriebsleiter der Livario GmbH in Lüneburg, die neben kostüme.com auch verschiedene andere Internetportale, beispielsweise dirndl-versand.de, betreibt.

„ … Die Löcher fliegen durch den Käse, Polonaise! Lass die Sau mal richtig raus …“ Nahe dem Hallentor ist die Musik etwas leiser. Hinter einem Verschlag starrt Schichtleiter Alexander Schuris konzentriert auf einen Computerbildschirm. Der Deutsch Everner behält die Waren-Ein- und Ausgänge im Blick. Er sagt: „Wir betreiben hier eine sogenannte chaotische Lagerhaltung, die Waren werden nicht sortiert, sondern da abgelegt, wo Platz ist.“ Damit die Mitarbeiter das Pinguin- bis zum Sexy-Rotkäppchen-Kostüm schnell wieder finden, sind die Kleiderbügel mit Barcodes versehen. Die Codes werden eingescannt und der Lagerplatz in der Datenbank des Warenwirtschaftssystems gespeichert.

Beim Lagerverkauf sorgt Anne für Orientierung im Kostümdschungel. Foto: t&w
Beim Lagerverkauf sorgt Anne für Orientierung im Kostümdschungel. Foto: t&w

Der 39 Jahre alte Marketing-Leiter Wedell ist dieser Tage wieder regelmäßig in der Karnevalshochburg Köln unterwegs, rührt dort die Werbetrommel. Offenbar mit Erfolg. Kostüme.com arbeite mit Kölner Gastronomen und lokalen Bands zusammen, und „wir verhandeln gerade mit einer großen Tageszeitung über eine Kooperation“, sagt Wedell.

Dieser Tage hat die Kölner Polizei an die Jecken appelliert auf Kostüme zu verzichten, zu denen Waffennachbildungen gehören, sei es Cowboy, Jedi-Ritter oder sogar Terrorist. Doch Wedell kann im Bestellverhalten der Kundschaft keine Veränderungen feststellen, auch angesichts möglicher Terrorgefahr. „Die Rheinländer lassen sich das Feiern nicht verbieten.“ Und zur Kostümauswahl sagt er: „Zu den beliebtesten Verkleidungen zählen sowieso die Hippie-Kostüme.“

Im Büro, wo auch die Mitarbeiterinnen vom Kundenservice sitzen, ist statt Partymusik ein stetiges Telefonklingeln zu hören. „… Ja, genau, die Kontaktlinsen, haben wir … das Kostüm mit dem Spinnennetz auf dem Kragen? …. ja, das ist auch in Größe 138 lieferbar …“ An den Bürowänden hängen Plakatwerbungen für Karnevals-Sessionen in Köln, Halloween-Partys oder für den bevorstehenden Lumpenball in Lüneburg (6. Februar). „Da sind wir zum ersten Mal Hauptsponsor“, sagt Wedell. In einem kleinen Nebenzimmer, dessen Tür von Schaufensterpuppen in Weihnachtsmann- und Engelkostüm flankiert wird, sitzt der Firmen-Inhaber, der sich eigentlich nicht gerne der Öffentlichkeit präsentiert, das lieber Wedell überlässt. Normalerweise …

Der Schreibtisch passt gerade in den kleinen Raum. Hinter dem 30-jährigen Max Philipp Reisener steht eine Regalwand voll mit Aktenordnern. Auf dem Schreibtisch stehen zwei Computerbildschirme. Bereits mit 16 Jahren saß er am PC und lernte Programmiersprachen. Sein Abi hat er am Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck gemacht, hat danach Betriebswirtschaftslehre an der Uni Lüneburg studiert, nach dem Grundstudium aber abgebrochen. „Ich habe schnell erkannt, dass ich am PC besser aufgehoben bin.“ Mit dem Handel von Internetadressen habe er wirtschaftlich Fuß gefasst.

Rund 300 Internet-Adressen besitze er noch, aber eine hat es ihm besonders angetan: kostüme.com. „Es hat mich gejuckt, da noch einen Shop draufzusetzen“, sagt Reisener. Angefangen hat er mit dem Versand von Halloween-Kostümen in einem zehn Quadratmeter großen Büro und zwei Kleiderständern. Livario ist die Betriebsgesellschaft, das Investitionskapital komme von seiner Muttergesellschaft. Auf die provokante Frage, ob er schon Millionär sei, sagt Reisener: „Wenn ich den Lagerwert zusammenrechnen würde oder den Wert des Online-Shops beziffern müsste und/oder meine Arbeitsstunden zusammenrechne, dann vielleicht. Aber es müsste auch jemand dazu bereit sein, das zu bezahlen.“ Die jetzige Saison werde erst zeigen, ob sich das Geschäft langfristig trägt. Die Zeichen stehen gut für den Lüneburger Jungunternehmer.

Im vergangenen Jahr versandten die Lüneburger Kostüme in einer sechsstelligen Anzahl. Wedell sagt: „Bereits jetzt ist das Bestellniveau des Vorjahres erreicht.“ Für Reisener bedeutet das: „Ich kann mir seit drei Monaten erstmals ein Gehalt auszahlen.“ Und die heiße Phase vor Karneval läuft jetzt erst an. „Wir werden bis zum 4. Februar unter Volldampf stehen.“ Dann ist Weiberfastnacht. „Hey, was geht ab …?“

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Wenn Sie wissen, welche Verkleidung zu den Dauerbrennern auf kostüme.com gehören, schicken Sie die Antwort bis Montag, 25. Januar um 14 Uhr, an julia.drewes@landeszeitung.de  — unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir zwei kostüme.com-Warengutscheine im Wert von je 50 Euro.