Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg: Wunsch nach Sicherheit steigt
In den ersten drei Wochen 2016 wurden schon fast so viele „kleine Waffenscheine“ für Schreckschuss- oder Gaspistolen beantragt wie im ganzen vergangenen Jahr. Foto: t&w
In den ersten drei Wochen 2016 wurden schon fast so viele „kleine Waffenscheine“ für Schreckschuss- oder Gaspistolen beantragt wie im ganzen vergangenen Jahr. Foto: t&w

Lüneburg: Wunsch nach Sicherheit steigt

tt Lüneburg. Gut 400 Kilometer trennen Lüneburg und Köln. Doch die Auswirkungen der Vorfälle in der Rhein-Metropole aus der Silvesternacht reichen bis in die hiesige Region: Die Nachfrage nach dem sogenannten „kleinen Waffenschein“ nimmt im Landkreis Lüneburg stark zu, hat nach drei Wochen schon annähernd das Niveau des gesamten Vorjahres erreicht.

Den kleinen Waffenschein gibt es seit 2003. Er wird von Eigentümern von Schreckschuss- und Signalwaffen benötigt, wenn sie diese auch in der Öffentlichkeit außerhalb des eigenen Grundstücks mitführen wollen. Für die Ausstellung sind die jeweiligen Landkreise zuständig, die dabei Voraussetzung wie Zuverlässigkeit und persönliche Eignung prüfen.

„Insgesamt ist ein deutlicher Trend zu beobachten“, weiß Birgit Fischer, Sprecherin des Landkreises Lüneburg. „Im Jahr 2014 hat unsere Waffenbehörde insgesamt 19 kleine Waffenscheine ausgestellt, im Jahr 2015 dagegen schon 57“, berichtet sie. Und die Tendenz ist weiter steigend: „Im Januar diesen Jahres liegen uns bis dato 55 laufende Verfahren vor.“ Doch nicht nur der Landkreis kann diesen Trend beobachten, besonders bei Waffenhändlern brummt momentan das Geschäft.

„Auch wir können eine Zunahme bei der Nachfrage nach Schreckschusspistolen bestätigen“, erzählt Christian Lüdde, Inhaber von Waffen Wittneben in der Lüneburger Innenstadt. Allgemein sei der Verkauf von Geräten, die das Sicherheitsempfinden der Menschen erhöhen, stark gestiegen. Bei Pfeffersprays sei die Nachfrage „besonders ex­trem.“ Denn dafür benötigt man keinen Waffenschein. „Bei uns ist Pfefferspray so gut wie ausverkauft“, berichtet der Waffenhändler. Nachbestellungen seien momentan kaum möglich, die Lieferanten stünden selbst vor leeren Regalen. „Erst Anfang beziehungsweise Mitte Februar ist wieder mit Lieferungen zu rechnen“, schätzt Lüdde. Die Kunden, häufig Frauen, wünschten dabei selten Beratung und haben oft schon „klare Vorstellungen, was sie möchten“.

Ein Trend, den die Polizei durchaus kritisch beäugt: „Wir können das Bedürfnis nach Sicherheit, beispielsweise beim abendlichen Joggen im Park, nachvollziehen“, erklärt Lüneburgs Polizeisprecher Kai Richter, „jedoch bieten solche ‚Waffen’ häufig nur eine Scheinsicherheit.“ Denn es sei einfach, Pfefferspray oder Schreckschusspistolen auch gegen den eigentlichen Besitzer zu richten. „Schreckschusspistolen gehören nicht in die Öffentlichkeit. Wir wünschen uns von den Waffenbehörden einen restriktiven Umgang bei der Bearbeitung von Anträgen.“ Aus der Vergangenheit kann er berichten, dass es auch schon im Landkreis Lüneburg Verwechslungen zwischen sogenannten Anscheinswaffen und echten Waffen gab – Situationen, die schnell gefährlich werden können. Bei Versammlungen sei das Mitführen von eigentlich legalen Gegenständen häufig illegal und damit eine Straftat. „Das Gewaltmonopol liegt immer noch beim Staat“, stellt Richter klar.