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Julia Ette ist ausgebildete „Zimmerwetter“-Fachfrau. Sie füllt mit der Nebelmaschine den Raum, um den Kindern zu verdeutlichen, wie man richtig lüftet. Foto: t&w
Julia Ette ist ausgebildete „Zimmerwetter“-Fachfrau. Sie füllt mit der Nebelmaschine den Raum, um den Kindern zu verdeutlichen, wie man richtig lüftet. Foto: t&w

Johanneum Lüneburg: Projekt „Zimmerwetter“ macht Schule

ap Lüneburg. Wenn die Konzentration schwindet, der Kopf weh tut und die Augen schwer werden, „dann ist zu viel ­CO2 in der Luft“, weiß Louis. Er gehört zu den Schülern des fünften und sechsten Jahrgangs des Johanneums, die zu Experten ausgebildet werden. In der 6S1 von Markus Schröder startete das Projekt, dort waren die „Zimmerwetter“-Profis zuerst zu Besuch. „Das ist ein vierstündiges Projekt, aufgeteilt auf je zwei Doppelstunden, in denen die Kinder das Raumklima kennenlernen, sich mit richtigem und energiesparendem Lüften beschäftigen“, erklärt Schulleiter Friedrich Suhr. Der Unterricht findet derzeit in der Außenstelle des Johanneums im Schulzentrum Kaltenmoor statt, denn dort sind die fünften und sechsten Klassen momentan untergebracht.

Frida meldet sich gleich und will erzählen, was sie gelernt hat: „Wir haben gemessen, wie die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Klassenraum an verschiedenen Stellen ist.“ Dabei stellte sie fest, in der Zimmermitte war es kälter als in den Ecken.

Frische Luft am Johanneum

Ein Nebelversuch soll zeigen, wie die Lüftung wirkt und welche Form am effektivsten ist. „Denn wir brauchen frische Luft, um uns konzentrieren zu können“, wissen die Schülerinnen und Schüler. Aber bevor die Experten Andrea Blötz, Juliane Ette und Daniel Potkewitz vom Regionalverband Umweltberatung Nord die Nebelmaschine anschmeißen, muss ein wichtiger Anruf getätigt werden. „Wir müssen der Feuerwehr Bescheid sagen, dass es hier nicht brennt“, sagt Blötz. Denn bei dem Versuch tritt der Nebel aus Türen und Fenstern aus. Malte soll nah an der Tür sitzen bleiben, denn er hat Asthma.

Nach und nach hüllt sich der Raum in Nebel, einige Kinder verstecken sich unter den Tischen. Dann dürfen die ersten Fenster geöffnet werden, zuerst auf Kipp, dann ganz. Dann die Oberlichter. Und die Türen. „Der Nebel steigt ja nach oben“, ruft einer der Schüler in den Raum. „Wie kriegen wir ihn denn da weg?“ Warme Luft steigt nach oben und sie nimmt den Nebel mit, erklärt Experte Daniel Potkewitz.

Die Lösung: „Querlüftung“. Damit die Luft sich quer durch den Raum bewegt, müsse man eine Durchzugs-Situation erreichen. Die Kinder öffnen schnell die Tür des Klassenzimmers und die Tür in den Garten. Binnen Minuten ist der Nebel verschwunden ­– zurück bleibt eine Eiseskälte. „Durch die Querlüftung wird die Luft im Raum ausgetauscht, meist erreicht man das auch in wenigen Minuten“, sagt Potkewitz, der noch einen wichtigen Aspekt nennt.

Das Projekt „Zimmerwetter“ wird bereits im dritten Winter im Landkreis angeboten, in Zusammenarbeit mit dem Lüneburger Gesundheitsamt. Andrea Blötz ist hauptamtlich Architektin, daher liegt ihr das Projekt besonders am Herzen. „In Klassenzimmern ist die Luft grundsätzlich sehr schlecht“, weiß sie.

Bei den Erwachsenen würden solche Schulungen „zum einen Ohr rein-, zum anderen rausgehen“, bei Kindern könne man jedoch früh ansetzen und Bewusstsein schaffen. Wissen über Luftfeuchtigkeit sei beispielsweise auch wichtig, um Schimmelbildung erfolgreich entgegenzuwirken. „Der entsteht dort, wo die Feuchtigkeit an den Wänden kondensiert“, erklären die Fachleute.