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Im LZ-Interview erläutert Geschäftsführer Dr. Michael Moormann, warum sich das Klinikum Lüneburg für Johanna Gerhard als neue Patientenfürsprecherin entschieden hat. Zuvor war Kritik an dieser Entscheidung laut geworden. Foto: t&w
Im LZ-Interview erläutert Geschäftsführer Dr. Michael Moormann, warum sich das Klinikum Lüneburg für Johanna Gerhard als neue Patientenfürsprecherin entschieden hat. Zuvor war Kritik an dieser Entscheidung laut geworden. Foto: t&w

Klinikum Lüneburg: Neue Patientenfürsprecherin überflüssig?

us Lüneburg. Seit Anfang dieses Jahres hat das Klinikum Lüneburg mit Johanna Gerhard seine erste Patientenfürsprecherin. Sie soll Anregungen und Beschwerden von Patienten oder Angehörigen aufnehmen und mögliche Probleme im Klinikum aufzeigen – eine vertrauensvolle Aufgabe, die vor allem Unabhängigkeit gegenüber dem Klinikum voraussetzt. Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, erläutert im LZ-Gespräch, warum er glaubt, auf diese zusätzliche Funktion in seinem Haus verzichten zu können.

Interview

Herr Dr. Moormann, freuen Sie sich über Ihre neue Patientenfürsprecherin?
Dr. Michael Moormann: Also zunächst einmal bin ich froh, dass wir überhaupt jemanden gefunden haben, der dieses verantwortungsvolle Amt übernehmen möchte, noch dazu jemanden, den wir für so geeignet halten wie Frau Johanna Gerhard.

Sie haben sich für Johanna Gerhard entschieden. Warum?
Moormann: Wir waren uns im Vorfeld innerhalb der Gremien einig, dass Frau Gerhard für diese Aufgabe eine sehr geeignete Person wäre. Der entsprechende Paragraph des Krankenhausgesetzes konkretisiert, dass Patientenfürsprecher ehrenamtlich arbeiten, aber regelmäßige Sprechstunden anbieten, regelmäßig mit der Vertretung des Krankenhausträgers konferieren sowie einmal im Jahr an das Sozialministerium berichten müssen. Das ist für ein Ehrenamt relativ viel Arbeit. Und deswegen ist es für uns nicht so leicht gewesen, überhaupt jemanden zu finden.

Kürzlich sagten Sie, Sie konnten sich auf Frau Gerhard, als sie noch Leiterin der Grünen Damen war, immer verlassen. Haben Sie sie auch deswegen ins Amt geholt?
Moormann: Die Person des Patientenfürsprechers hat ja eine vermittelnde Funktion. Natürlich muss man jemanden haben, der sowohl die Patientenseite als auch die Krankenhausseite versteht. Und so verstehe ich die Rolle auch als Vermittler zwischen Krankenhaus und Patienten. Deswegen ist es gut, wenn man – wie Frau Gerhard – beide Seiten kennt.

Kritiker sagen, bei der Berufung habe es an der nötigen Distanz zum Klinikum gemangelt, da der Träger, die Städtische Klinikum gGmbH, ja quasi Sie selbst sind. Ist da nicht das Vertrauen in die Unabhängigkeit dieses Amtes in Frage gestellt?
Moormann: Nein, überhaupt nicht. Schauen Sie sich im Land um. Wer sind denn Patientenfürsprecher? Häufig sind es ehemalige Chefärztinnen und Chefärzte, auch da könnte man die Distanz ja durchaus hinterfragen. Ich habe gelesen, es könnte ja ein pensionierter Sozialrichter sein. Schon für unsere Schiedsstelle in Niedersachsen haben wir keinen Sozialrichter gefunden, die wachsen ja auch nicht auf den Bäumen. Vielmehr muss man fragen: Wie überzeugt man jemanden, eine solche Funktion zu übernehmen? Und es gab niemanden, der sich initiativ beworben hat für diese Funktion.

Wie läuft die Berufung eines Patientenfürsprechers in Ihrem Haus denn ab?
Moormann: In diesem Fall haben wir es ja erstmalig gemacht. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wer dafür in Frage käme. Wir haben mit verschiedenen Institutionen gesprochen, unter anderem auch mit einer kirchlichen Institution, die uns auch eine Person nennen konnte. Diese Person war aber davon ausgegangen, dass es sich um eine Honorartätigkeit beziehungsweise um eine Aufgabe im Angestelltenverhältnis handelt – was ja aufgrund der Vorgaben nicht möglich ist. Wir haben dann weiter überlegt, und irgendwann ist der Name Frau Gerhard gefallen. Und alle fanden die Idee gut.

Ihr eigenes, internes Beschwerdemanagement wird ja jetzt quasi arbeitslos.
Moormann: Nein, denn im Gesetz steht, dass der Patientenfürsprecher eng mit dem Beschwerdemanagement zusammenarbeiten soll. Explizit steht dort: Der Patientenfürsprecher ist ein Teil des Beschwerdemanagements. Der Weg ist ja so, dass der Patientenfürsprecher Beschwerden des Patienten entgegennimmt und diese an das Beschwerdemanagement weiterleitet. Irgendwann läuft also jede Beschwerde dort auf. Das ist auch heute schon so, nur jetzt haben wir noch eine Person dazwischengeschaltet, die dann darauf achten soll, dass die Beschwerde adäquat und zeitnah abgearbeitet wird und der Patient oder der Angehörige, der sich beschwert, auch zeitnah eine Rückmeldung bekommt. Das garantieren wir heute allerdings auch schon.

Das heißt, Sie halten die Patientenfürsprecherin für überflüssig?
Moormann: Ja. Generell halte ich sie bei uns im Haus für überflüssig, weil wir schon immer einen sehr transparenten Weg gegangen sind. Jeder durfte sich an das Beschwerdemanagement wenden, die Beschwerden wurden aufgenommen und sie wurden zeitnah und adäquat abgearbeitet. Und der Patient hat auch in der Vergangenheit grundsätzlich eine Rückmeldung über den Weg und das Ergebnis dieser Beschwerde bekommen. Von daher halte ich die Funktion per se erst einmal für überflüssig.

Warum gibt es dann das Gesetz?
Moormann: Da müssen Sie die Gesetzgeber fragen. Einen einzigen Grund kann ich nachvollziehen: Wenn der Patient in einem gewissen Misstrauen sagt: Das Beschwerdemanagement ist ja Teil des Krankenhauses, wer weiß also, wie es mir ergeht, wenn ich mich jetzt beschwere. Dieses Misstrauen halte ich aber für unbegründet, weil ich jede Beschwerde auch als Chance für das Klinikum sehe, sich zu verbessern.