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Neuer Chef der Abteilung Hygiene: Frank Opennheimer. Foto: t&w
Neuer Chef der Abteilung Hygiene: Frank Opennheimer. Foto: t&w

Klinikum Lüneburg: Der neue Chef des Hygiene-Teams

as Lüneburg. Kliniken mit mehr als 500 Betten müssen bis Ende 2016 einen Krankenhaushygieniker in Vollzeit beschäftigen, der über eine zweijährige spezielle Ausbildung verfügt. Das sieht die Novelle des Infektionsschutzgesetzes vor, mit der die Rahmenbedingungen für die Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen, insbesondere von multiresistenten Erregern, verbessert werden sollen. Das Lüneburger Klinikum ist schon einen Schritt vo­raus: Frank Oppenheimer ist seit Anfang dieses Jahres Leitender Oberarzt der Abteilung Hygiene, der vier Pflegefachkräfte mit spezieller Ausbildung angehören. Bei ihm laufen alle Fäden des klinikinternen Hygiene-Teams zusammen.

Einen für das Haus verantwortlichen hygienebeauftragten Arzt gab es schon seit Jahren im Klinikum, allerdings war dies bisher sozusagen in Nebentätigkeit ein Facharzt. Seine Aufgabe: Er hält ein Auge darauf, dass Keime keine Chance haben, und sorgt dafür, dass die Mitarbeiter regelmäßig aus- und fortgebildet werden, unter anderem in Handhygiene. Hört sich profan an, ist aber das A und O zur Infektionsprävention. Auch als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen multiresistente Keime wie „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“ (MRSA), die zum Problem werden können, wenn sie in Krankenhäuser und da speziell in Intensivstationen eingeschleppt werden. Seit Jahren sind Keime, die bei bestimmten Antibiotika resistent sind, bundesweit auf dem Vormarsch.

Frank Oppenheimer (l.), Leitender Oberarzt der Abteilung für Hygiene, und Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor, appellieren an alle Besucher des Klinikums: Bitte immer Hände desinfizieren, damit keine Keime ins Klinikum getragen werden. Foto: t&w
Frank Oppenheimer (l.), Leitender Oberarzt der Abteilung für Hygiene, und Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor, appellieren an alle Besucher des Klinikums: Bitte immer Hände desinfizieren, damit keine Keime ins Klinikum getragen werden. Foto: t&w

Das ist eines der Handlungsfelder für den neuen hauptamtlichen Hygienebeauftragten. Bisher wurde bereits dokumentiert, welche Erreger in der Klinik auftraten. „Die Daten geben wir auf freiwilliger Basis an das Nationale Referenzzentrum für Hygiene am Robert Koch-Institut. Dort werden sie ausgewertet“, erläutert Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Lüneburger Klinikums. Laut Oppenheimer habe man danach im Lüneburger Klinikum bisher „im Vergleich zu vielen anderen Krankenhäusern ähnlicher Größe weniger problematische Keime“. Cramer ergänzt: „Daten haben wir schon immer gehabt. Diese aber zu bewerten und auf Basis dessen Arbeitsabläufe so zu optimieren, dass Keime dezimiert werden, wird die Aufgabe von Herrn Oppenheimer sein.“

Ein zweites Aufgabengebiet ist die Leitung des vor kurzem gebildeten Antibiotika-Teams. Der Antibiotika-Einsatz beziehungsweise deren Ausgabe wurde auch bisher schon von der Klinikum-Apotheke dokumentiert. Der einzelne Arzt hat darüber aber keinen Überblick, und der Verbrauch wurde nicht bewertet. Die Dokumentation, die nun bei Oppenheimer zusammenläuft, wird gemeinsam mit Apotheker, externer Mi­krobiologin und Oberärzten aus allen Bereichen des Hauses besprochen und bei Bedarf der Antibiotika-Einsatz verändert. Damit kann der Entstehung von Multiresistenzen vorgebeugt werden.

Oppenheimer, seit 1988 im Lüneburger Klinikum als Mediziner und zuletzt lange Zeit als Funktionsoberarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie tätig, genieße eine hohe Akzeptanz bei den Kollegen, sagt der Ärztliche Direktor. „Das ist wichtig, weil er konsequent Hygiene-Richtlinien durchsetzen muss.“ Aber er ist auch jederzeit erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Ein Beispiel: Wie gehen Mitarbeiter mit Risikopatienten – die möglicherweise multiresistente Erreger ins Krankenhaus bringen – in der Notaufnahme richtig um.

Für seine neue Aufgabe muss der 58-Jährige eine zweijährige Spezialausbildung absolvieren, daneben Praktika in den Hygieneabteilungen anderer Kliniken oder mikrobiologischen Laboren machen, Projekt­arbeiten unter anderem zum Thema Screening von Risiko-patienten erstellen. Bei seiner Arbeit wird er nicht nur von vier Hygiene-Fachkräften unterstützt, die Mitarbeiter schulen, vorgeschriebene Wasser- und Luftkontrollen machen, die Einhaltung von Standards kontrollieren. In jeder Klinik, jeder Station und jedem Funktionsbereich des Hauses gibt es auch hygienebeauftragte Ärzte und Pflegekräfte. Sie alle zusammen bilden ein Team von zirka 70 Personen, die Keimen noch massiver den Kampf ansagen.

Fachtag in Lüneburg

Das Gesundheitsamt des Landkreises lädt als Koordinator des Hygiene-Netzwerks Lüneburg zum dritten Mal Ärzte, Pflegende und Mitarbeiter medizinischer Assistenzberufe zum Lüneburger Hygienetag ein. Termin ist am Mittwoch, 10. Februar, von 8 bis 16.15 Uhr in der Ritterakademie. Thema sind diesmal multiresistente gramnegative Keime, die auf dem Weg sind, den Gipfel der Infektionshäufigkeiten zu erobern.

Unter anderen spricht Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Klinikums Lüneburg, über infizierte Implantate in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie des Klinikums, referiert über Keime in der Darmflora und darüber, wie Antibiotika diese beeinflussen.