Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Beschlossen ist der Ausbau der Straßen in der Milchbergsiedlung in Neu Neetze zwar noch nicht, doch die Planung ist weit fortgeschritten. Foto: t&w
Beschlossen ist der Ausbau der Straßen in der Milchbergsiedlung in Neu Neetze zwar noch nicht, doch die Planung ist weit fortgeschritten. Foto: t&w

Milchbergsiedlung Neetze: Kein Beschluss, doch Pläne stehen

emi Neetze. Der Streit geht weiter: Einen Ratsbeschluss für den Straßenausbau in der Neu Neetzer Milchbergsiedlung gibt es nicht. Dennoch ist die Planung schon in vollem Gange. Wie der Ausbau umgesetzt werden und welche Erschließungsbeiträge auf die Anwohner zukommen könnten, das stellten am Dienstagabend Diplom-Bauingenieur Reino Fraedrich von der Niedersächsischen Landgesellschaft und Volker Behr von der Samtgemeinde Ostheide bei einer Informationsveranstaltung vor.
Eingeladen hatte die Gemeinde Neetze, geleitet wurde die Versammlung vom Vorsitzenden des Bau-, Wege- und Umweltausschusses, Wolfram Puffahrt. Rund 60 Bürger waren ins Neetzer Dorfgemeinschaftshaus gekommen und viele von ihnen machten klar: Sie sind gegen die Pläne.

Gestritten wird über den Sinn oder Unsinn einer Pflasterung der bisherigen Sandwege Lärchenweg, Am Waldessaum, Kiefernweg und Milchberg schon seit langem. Während die SPD-Ratsmehrheit um Bürgermeister Heinz Hagemann (parteilos) die lästigen Staubpisten abschaffen will, kämpfen die Ausbaugegner zusammen mit der CDU-Fraktion für den Erhalt des „besonderen Flairs“ ihrer Siedlung. Für viele Grundstückseigentümer spielen auch die Kosten im Falle eines Ausbaus eine Rolle: Sollten Straßen und Grundstückseinfahrten gepflastert werden, müssten die Anlieger 90 Prozent der Erschließungskosten tragen, zehn Prozent würde die Gemeinde Neetze bezahlen.

Viele Anwohner hatten sich von der Veranstaltung eine konkrete Antwort auf die Frage erhofft, wie tief sie tatsächlich in die eigene Tasche greifen müssten. Doch die blieb Volker Behr schuldig. „Ich muss mich an die Vorgaben des Erschließungsbeitragsrechts halten“, sagte der Kämmerer der Samtgemeinde Ostheide entschuldigend. Seine Erklärung: Wolle man die Kosten pro Quadratmeter Grundstück berechnen, könne man nicht einfach die kompletten Erschließungskosten durch die 96 000 Quadratmeter Beitragsfläche teilen. Vielmehr würden noch andere Kriterien in die Berechnung einfließen.

Reino Fraedrich von der Niedersächsischen Landgesellschaft stellte die geplanten Maßnahmen und deren geschätzte Gesamtkosten vor. Die Erschließung würde demnach 444 131 Euro brutto kosten – Straßenbeleuchtung nicht mit eingerechnet.

Die Straße Milchberg soll vom Einmündungsbereich Karzer Straße bis zur Kurve 4,50 Meter breit sein, zwei Baum­inseln sollen darin als optische Barrieren der Geschwindigkeitsreduzierung dienen. Für die restlichen Straßen ist eine Breite von 3,50 Metern geplant. Alle Fahrbahnen sollen mit Betonstein gepflastert werden. Regenwasser soll links und rechts von der acht Zentimeter dicken Fahrbahnoberfläche in Versickerungsmulden abfließen können. An beiden Fahrbahnseiten ist neben dem gepflasterten Bereich ein 50 Zentimeter breiter Streifen Schotterrasen vorgesehen – als Ausweichmöglichkeit für entgegenkommende Fahrzeuge. Entwässerungsrinnen auf der Grundstücksgrenze sollen verhindern, dass Oberflächenwasser auf die Grundstücke laufen kann.

Mit weiteren Planungsfragen wollen sich die Neetzer Bauausschussmitglieder bei ihrer nächsten Sitzung beschäftigen, die spätestens Mitte Februar stattfinden soll. Diskutiert werden soll dann unter anderem noch einmal über die Straßenbreiten und die Bauminseln. Auch die Frage, ob die Grundstücke in der Vergangenheit schon einmal erschlossen waren, soll geklärt werden. „Und nehmen Sie auch gleich auf, dass wir den Ausbau nicht wollen“, rief ein Anwohner. Die nächste Runde im Streit um die Milchbergsiedlung scheint vorprogrammiert.

One comment

  1. Es ist unfassbar wie hier ein Gemeinderat, der die Interessen der Wähler und zugleich Bürger vertreten soll gegen deren Willen entscheidet. Hier werden durch die Umlage der Kosten auf die Anlieger vermutlich einige Anwohner nicht nur in große finanzielle Schwierigkeiten, sondern schlimmsten Falls sogar in den Ruin getrieben. Notverkauf von Haus und Grundstück können die Folge sein. Was hat das mit Demokratie zu tun? Das ist für mich ein diktatorisches kaltblütig rücksichtsloses Verhalten gegenüber den Anliegern. Da können ganze Lebensleistungen einfach durch Ratsbeschluss zerstört werden. Das soll wirklich in Deutschland möglich sein? Für mich ein evidenter Vertrauensverlust in unsere „Politiker“ und unsere Demokratie. Sofern sie denn wirklich eine ist.
    Zur Klarstellung: Ich wohne weder in dieser Siedlung noch in Neetze. Kenne diese Siedlung jedoch gut. Die seit Jahrzehnten vorhandenen Wege sind ein wesentlicher Bestandteil für den Charme und den Charakter dieser Siedlung. Wie kann man nur auf den Gedanken kommen das zu zerstören?