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Schleswig-Holstein will die Bahnstrecke ab Lüneburg für den Zugverkehr ertüchtigen.  Foto: A./t&w
Schleswig-Holstein will die Bahnstrecke ab Lüneburg für den Zugverkehr ertüchtigen. Foto: A./t&w

Bahnhof Lüneburg: Bald zwei Gleise nach Lübeck?

kre Lüneburg. Es ist die Zeit für Großprojekte: Niedersachsen meldet die Alpha Variante E an – also den drei- womöglich sogar viergleisigen Ausbau der Bahnstecke Lüneburg-Uelzen für den Bundesverkehrswegeplan. Doch auch die Schleswig-Holsteiner haben Wünsche – und die tangieren ebenfalls den Landkreis Lüneburg. Den Ausbau der Strecke Lübeck-Lüneburg möchte das Kieler Verkehrsministerium im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben wissen. Das bestätigte gestern Harald Hase, Sprecher des Ministeriums: Ein durchgängiges zweites Gleis und die Elektrifizierung der Strecke wünschen sich die Norddeutschen, damit die Züge auf dieser Strecke künftig mit 140 Stundenkilometern fahren können. „Wir wollen mit dieser Alternative eine Umfahrung des Verkehrsknotenpunktes Hamburg schaffen“, sagt Hase.

In Lüneburg beobachtet man dieses Begehren aufmerksam. Und nicht ohne Skepsis. Dr. Karl-Heinz Rehbein von der Hansestadt weiß, dass auch das Land Niedersachsen die Strecke vorgeschlagen hat. „Diese Vorschläge sind aber nicht mit uns abgestimmt, man sollte auch erst einmal abwarten, was davon wirklich im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird“, sagt er. Sollten die Vorschläge dort aufgenommen werden, werde die Stadt die Belange der Lüneburger nachdrücklich vertreten, so wie auch entlang der übrigen Strecke. „Denn mehr Güterverkehr und die dann nötigen Ausbauten auf der Bestandsstrecke sehen wir auch angesichts der Enge vor Ort als sehr kritisch an“, sagt Rehbein.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer glaubt zudem: Wenn der Bund diesem Wunsch entspricht und die Strecke ausbaut, hätte das Auswirkungen auf die Strecke Lüneburg-Uelzen. „Eine Zweigleisigkeit würde zwangsläufig mehr Güterzüge bedeuten, die auch in Richtung Süden rollen.“ Ob der Bau eines dritten Gleises dann noch reicht, um den Zugverkehr aufzunehmen, bezweifelt er. Der Bau des vierten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen würde damit noch schneller absehbar, ist der stellvertretende Kreisverwaltungschef überzeugt.

Den Kieler Verkehrsplanern geht es darum, den spätestens mit der Beltquerung steigenden Güterverkehr aus den skandinavischen Ländern abzuleiten. Entweder über die Strecke Lübeck-Lüneburg, oder über eine zweite Variante, die das Bundesverkehrsministerium präferiert, so Norbert Brackmann, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Herzogtum-Lauenburg: Die Strecke Lübeck-Schwerin. Diese Variante habe sich im Rahmen der Überprüfung des Bedarfsplanes Schiene als wirtschaftlich erwiesen, erfordere geringere Investitionen und führe die Verkehre weiträumiger um die Engpässe im Hamburger Raum in Richtung Osten und Süd-Osten, fasst Brackmann die wesentlichen Punkte aus einem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums zusammen.

Von der Variante Lübeck-Lüneburg hält er nichts, tituliert diese als „Phantomprojekt“, das aus seiner Sicht in Berlin auch wenig Chancen habe.
Also kein Grund zur Sorge, alles nur ein Sturm im Wasserglas? Krumböhmer warnt trotzdem davor, die Kieler Pläne leichtfertig in die Schulblade zu legen. „Wenn ein Land ein Vorhaben anmeldet, dann passiert das nicht ohne Grund.“

Rustikaler drückt sich Hohnstorfs Alt-Bürgermeister und CDU-Vorsitzender Jens Kaidas aus: „Die spinnen in Kiel.“ Er bemängelt, dass das Nachbarland einen solchen Antrag stellt, „ohne mit dem betroffenen Landkreis und den Kommunen zu sprechen.“
Adendorf bleibtganz entspannt

Sollte diese Strecke tatsächlich in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen werden, wäre auch die Gemeinde Adendorf vom Gleisausbau betroffen. „Ich habe entsprechende Überlegungen zwar am Rande mitbekommen“, sagt Bürgermeister Thomas Maack (SPD), „da bin ich aber ganz entspannt“.
Maack arbeitete vor seinem Wechsel auf den Chefsessel im Adendorfer Rathaus selbst bei der Bahn, weiß also um die hohen Anforderungen an solche Strecken: Wirtschaftlich und aus Naturschutzgründen sei der Ausbau nicht sinnvoll – „auch wenn das in früheren Jahren immer wieder mal im Gespräch gewesen ist.“ Warum Kiel das Schienenprojekt trotzdem für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet hat, ist Thomas Maack allerdings auch ein Rätsel. Der Adendorfer Bürgermeister ist daher alarmiert: „Ich werde die Entwicklung ganz genau beobachten!“

One comment

  1. Niedersachsen hat sich auch über die Köpfe der Schleswig-Holsteiner, Brandenburger, Mecklenburg-Vorpommerner und Sachsen-Anhaltiner für die Alpha-E-Variante entschieden, obwohl das auch für diese Bundesländer 100 Güterzüge pro Tag mehr bedeutet! Deshalb könnte man den Wunsch der Kieler nach einem zweigleisigen Ausbau der Strecke Lübeck-Lüneburg als Retourkutsche bezeichnen.

    Und wenn der Adendorfer Bürgermeister ganz entspannt bleibt, dann kann ich ihm nur sagen: „Schauen Sie sich das Ergebnis des Dialogforums an!“ Ich hätte mir nicht träumen lassen, das eine so unsinnige Variante Alpha-E, die mit Abstand am meisten Menschen belastet und den Bedarf an Transportkapazitäten nicht decken wird, als EINZIGE Variante dem Bundesverkehrsministerium vorgeschlagen wird… Die Vernunft wurde hier eindeutig ausgeschaltet. Also ich wäre an Stelle des Bürgermeisters Maack da nicht mehr so gelassen!