Aktuell
Home | Lokales | Geesthacht: Bürger misstrauen Vattenfall
Seit 2007 steht das Kernkraftwerk Krümmel still, Ende August 2015 hat Vattenfall den Rückbau beantragt. Der Energiekonzern behält sich allerdings die Inanspruchnahme einer etwaigen Rückbau-Genehmigung vor. Foto: tja
Seit 2007 steht das Kernkraftwerk Krümmel still, Ende August 2015 hat Vattenfall den Rückbau beantragt. Der Energiekonzern behält sich allerdings die Inanspruchnahme einer etwaigen Rückbau-Genehmigung vor. Foto: tja

Geesthacht: Bürger misstrauen Vattenfall

tja Geesthacht. Massives Misstrauen des Auditoriums hat die erste Gesprächsrunde „Perspektive Krümmel“ geprägt: Anlass ist die Formulierung des Energiekonzerns Vattenfall im Antrag auf Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel, sich die Inanspruchnahme einer etwaigen Genehmigung vorzubehalten. „Das frustriert mich hier zutiefst“, sagte Anja Koops, die für die Elterninitiative Geesthacht auch in der nicht-öffentlich tagenden Dialoggruppe mitmacht. In der Dialoggruppe habe man ganz andere Dinge gehört als in der öffentlichen Gesprächsrunde im Treffpunkt Oberstadt.

Mit „Perspektive Krümmel“ will Vattenfall die Öffentlichkeit in Sachen Rückbau mit ins Boot holen. Kraftwerksleiter Torsten Fricke, der technische Geschäftsführer von Vattenfall Ingo Neuhaus und Jan Backmann, der Leiter der Atomaufsicht des Landes, informierten die etwa 150 Interessierten über den Stand des Verfahrens. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Backmann. Am 24. August 2015 hatte Vattenfall – durchaus überraschend – den Rückbau beantragt. 2011 hatte die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Fukushima Krümmel und sieben anderen deutschen Kernkraftwerken die Betriebserlaubnis entzogen. Wegen diverser Pannen stand Krümmel aber schon seit dem Jahr 2007 still.

Vattenfall klagt vor einem Washingtoner Schiedsgericht auf Ausgleich der durch die Stilllegung erfolgten finanziellen Verluste durch den Bund. Kritiker mutmaßen deshalb, Vattenfall wolle sich mit der Formulierung im Rückbauantrag ein Wiederanfahren des Atommeilers offen halten, sollte die Klage erfolglos bleiben. Vattenfall dementiert das. Ohne umfangreiche Arbeiten wäre eine Inbetriebnahme von Krümmel allerdings auch gar nicht mehr möglich. Fricke schätzte, dass die Arbeiten mindestens ein Jahr dauern würden. Mangels Genehmigung darf zurzeit aber sowieso gar nichts zurückgebaut werden – selbst wenn man wollte.

Neuhaus erklärte, dass man in zwei Phasen zurückbauen möchte. „Zuerst soll möglichst viel strahlendes Material aus der Anlage geholt werden.“ Er machte keinen Hehl aus der Formulierung im Rückbauantrag, man spiele mit offenen Karten. Dennoch gab es dafür Kritik. Der Geschäftsführer kündigte an, dass man in Krümmel zusätzlichen Lagerplatz für Atommüll schaffen müsse, weil es keine Endlagerstätte gibt. Er geht davon aus, spätestens in vier Jahren die Genehmigung der Atomaufsicht zu erhalten. Dann würde es zehn bis 15 Jahre dauern, innen alles zu demontieren, ehe für etwa drei Jahre der konventionelle Abriss den Schlusspunkt setzen wird.

Laut Backmann wird es neben einer Umweltverträglichkeitsuntersuchung auch einen Sicherheitsbericht geben. „In einer Umweltverträglichkeitsprüfung werden alle Einflüsse auf die Natur berücksichtigt, im Sicherheitsbericht wird man alle möglichen Auswirkungen des Rückbaus einsehen können“, so Backmann. Seine Behörde kümmert sich auch um die schon früher eingereichten Rückbauanträge des Kernkraftwerkes Brunsbüttel und des Geesthachter Forschungsreaktors. „Die Stilllegung von Kernkraftwerken ist nicht neu, viele Verfahren sind erprobt und geübte Praxis“, sagte Backmann. Das Land werde mithelfen, geeignete Deponien für den normalen Abfall zu finden, dem oft der Makel Kernkraftwerk anhafte. „Ein stockender Abfallfluss könnte den gesamten Atomausstieg zum Erliegen bringen“, warnte er. Schon der Strahlenmüll hat nach wie vor kein Endlager, da müsse wenigstens normaler Bauschutt auf Deponien entsorgt werden können.

Kritik an Vattenfall gab es während des Treffens auch, weil in der Dialoggruppe bisher keine Anwohner aus dem Ortsteil Krümmel eingebunden sind. Das soll sich jetzt ändern, versicherten Vertreter des Energiekonzerns. „Genau deshalb, weil diese Runde nicht die Öffentlichkeit abbildet, arbeiten wir in ihr nicht mit“, sagte Bernd Redecker vom Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom­anlagen. Vorerst wird diese nicht-öffentliche Runde weitere Themen bearbeiten, ehe dann wieder im großen Stil öffentlich berichtet werden soll.

550 000 Tonnen Abfall werden beim Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel voraussichtlich anfallen. Schwach- und mittelradioaktiver Müll soll im niedersächsischen Schacht Konrad gelagert werden, für die Brennelemente gibt es noch kein Endlager. Normaler Bauschutt soll auf entsprechende Deponien gebracht werden.

One comment

  1. Krümmel mit SWR’69 war nie genehmigungsfähig. Der der gm AtG verpflichtenden probabilistsichen Sicherheitsanalyse wurde die Wahrscheinlichkeit des unbeherrschten Kernzustandes um einen schlichten Faktor von 60000 ( sechzigtausend ) getürkt, an der Cloosters mitwirkte. Eigentlich ist das eine Angelegenheit des Staatsanwaltes ( §312 StGB ), doch es interessiert niemanden. So hat Vattenfall die Dreistigkeit, den vermeintlichen entstandenen Schaden durch die Abschaltung einklagen zu wollen.

    Dipl Physiker Reiner Szepan
    mail@szsc.de