Donnerstag , 29. September 2016
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Der Feldsperling wurde in Lüneburg am häufigsten gezählt. Foto: nabu/Frank Derer
Der Feldsperling wurde in Lüneburg am häufigsten gezählt. Foto: nabu/Frank Derer

Stunde der Wintervögel: Feldsperling erobert die Spitze

ahe Lüneburg. Fünf Exemplare gaben am Ende den Ausschlag: Der Feldsperling hat den Haussperling im Landkreis Lüneburg als aktuell am häufigsten wahrgenommener Vogel abgelöst. Das ergab die Zählung im Rahmen der Aktion Stunde der Wintervögel des Naturschutzbundes im Januar, an der 350 Menschen in Stadt und Kreis teilgenommen hatten.

Bei der dreitägigen Zählung in 248 verschiedenen Gärten kamen die Lüneburger auf 11 079 Vögel insgesamt. Mit 1463 Exemplaren landete der Feldsperling schließlich knapp vor dem Haussperling mit 1458 Exemplaren. Bundesweit dagegen behauptete der Haussperling (Passer domesticus) seinen Spitzenplatz bei der nunmehr sechsten Zählung. 2,5 Millionen Vögel wurden zwischen Flensburg und dem Bodensee gezählt, damit ist es die größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland. In Niedersachsen notierten 10 834 Teilnehmer zusammen 275 000 Vögel. Der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016, wurde in Lüneburg 64-mal gezählt. Damit liegt der Bestand auf Vorjahresniveau.

Die für Ornithologen und Naturschützer wichtigsten Ergebnisse der Zählung seien Hinweise auf langfristige Zu- oder Abnahmen bestimmter Vogelarten. „Über Zunahmen freuen wir uns, bei Abnahmen müssen wir möglichst schnell die Ursachen bestimmen, um gegensteuern zu können“, sagt der Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Hier bereite vor allem der Grünfink Sorgen: Seit der ersten Aktion werden von Jahr zu Jahr weniger von diesen für den menschlichen Siedlungsraum typischen Finkenvögeln gesehen. Mit 1,7 Vögeln pro Garten sind es in diesem Winter etwas weniger als halb so viele wie 2011 in Niedersachsen.

Als Grund vermuten die Vogelschützer vor allem das in den vergangenen Jahren vermehrt auftretende „Grünfinkensterben“, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem parasitären Einzeller Trichomonas gallinae, der besonders an sommerlichen Futterstellen übertragen wird, an denen viele Vögel zusammenkommen. In Lüneburg wurden zwar auch weniger Grünfinken gezählt, doch mit 2,85 Exemplaren pro Garten liegt das Vorkommen deutlich über dem Landesschnitt.

Der Kälteeinbruch kurz vor dem Zähltermin im Norden Deutschlands führte außerdem zu einer kleinen Kuriosität: Viele Kraniche, die bis dahin versucht hatten, in Deutschland zu überwintern, machten sich mitten im Winter doch noch auf den Weg in den warmen Südwesten und wurden dabei, obwohl keinesfalls typische Gartenvögel, über vielen Gärten ziehend beobachtet.

In Niedersachsen wurden 244 von insgesamt 7899 Kranichen bundesweit gemeldet, wobei manche ziehenden Trupps sicherlich mehrfach registriert wurden. Auf der Deutschlandkarte der Wintervögel bilden sich deutlich die beiden Hauptflugrouten der Kraniche ab, nämlich von der Ostsee über das Ruhrgebiet und von Berlin bis ins Saarland.

Die nächste große Vogelzählung des Nabu findet übrigens am Pfingstwochenende (13. bis 15. Mai) statt.

 

Top 20 in Stadt und Landkreis
1. Feldsperling 1463 5,87 – 0,70
2. Haussperling 1458 5,81 – 1,25
3. Kohlmeise 1336 5,32 + 0,80
4. Amsel 1250 4,98 + 0,82
5. Blaumeise 1026 4,09 + 0,20
6. Grünfink 711 2,83 – 1,31
7. Buchfink 544 2,17 – 0,03
8. Rotkehlchen 336 1,34 + 0,20
9. Schwanzmeise 301 1,20 + 0,47
10. Erlenzeisig 271 1,08 + 0,91
11. Ringeltaube 246 0,98 – 0,29
12. Elster 242 0,96 – 0,24
13. Rabenkrähe 205 0,82 + 0,15
14. Eichelhäher 172 0,69 – 0,16
15. Gimpel 168 0,67 0,00
16. Kleiber 167 0,67 – 0,05
17. Goldammer 138 0,55 + 0,14
18. Buntspecht 119 0,47 + 0,10
19. Tannenmeise 93 0,37 + 0,08
20. Kernbeißer 91 0,36 + 0,16
(Die Liste nennt die gezählten Vögel insgesamt, die Vögel pro Garten und die Veränderung zum Vorjahr/Vögel pro Garten)