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Theresa Marx arbeitet an der Marmorierung der Außeneinfassungen des Deckengemäldes, nachdem sie diese unter einer weißen Farbschicht freigelegt hat. Foto: t&w
Theresa Marx arbeitet an der Marmorierung der Außeneinfassungen des Deckengemäldes, nachdem sie diese unter einer weißen Farbschicht freigelegt hat. Foto: t&w

Stadt lässt Huldigungssaal restaurieren

as Lüneburg. Genau 310 Jahre ist es her, dass Georg Ludwig, Kurfürst von Hannover, in Lüneburg einen Stopp einlegte. Der Welfe war auf dem Weg nach England, wo er 1714 gekrönt werden sollte. Da der edle Fürstensaal des Lüneburger Rathauses zu jener Zeit wegen Umbaus nicht zur Verfügung stand, musste ein angemessener Raum geschaffen werden: der Huldigungssaal. Heute ist dieser Saal in Plastik gehüllt, genauso das Konterfei des Kurfürsten, denn Decke und Wandgemälde werden umfangreich restauriert.

Monika Mausolf kittet Fehlstellen in der Einfassung des Deckengemäldes. Foto: t&w
Monika Mausolf kittet Fehlstellen in der Einfassung des Deckengemäldes. Foto: t&w

Vier Meter hoch ist das Gerüst, auf dem Theresa Marx, Kirchenmalerin und Restauratorin im Handwerk, steht; über ihr die Stuckdecke mit eingelassenem Ölgemälde, das Cäsars Triumphzug zeigt; seitlich davon zwei Medaillons mit den Darstellungen der Gerechtigkeit und Weisheit. Theresa Marx ist mit der Operation Außeneinfassungen beschäftigt. Die waren mit weißer Farbe übertüncht. Untersuchungen hatten ergeben, dass sich darunter eine marmorierte Fassung befindet. Die 29-Jährige hat die weiße Farbe leicht angefeuchtet und trägt sie mit einem Skalpell vorsichtig ab. Ihre Kollegin Monika Mausolf, die gegenüber auf einem weiteren Gerüst steht, kittet und retuschiert abgeplatzte Fehlstellen und Risse in der Einfassung des Ölgemäldes. Das geschieht so, dass man erkennt, was nachträglich geschehen ist. Risse gab es auch im Stuck, der inzwischen komplett neu gefasst wurde.

In den kommenden Wochen soll die raumhohe Wandbespannung, die von Blumenbordüren umrahmte Landschaftsdarstellungen zeigt, restauriert werden. „Dabei wird es unter anderem darum gehen, die Farbfassungen dem Originalzustand anzupassen“, sagt Antje Petersen. Die Architektin der Gebäudewirtschaft betreut in enger Absprache mit Stadtbaurätin Heike Gundermann das große Sanierungsprojekt Altes Rathaus. Für das wurde, wie berichtet, 2006 ein Masterplan aufgestellt. Dieser gibt vor, welche Bauabschnitte innerhalb von 20 Jahren abgearbeitet werden sollen, um den wertvollen bauhistorischen Schatz für die Zukunft zu bewahren.
Arbeiten dauern wohl bis Mai

Während der Restaurierung der Decke sind die Wandbespannungen des Huldigungssaals durch Pastikplanen geschützt. Foto: t&w
Während der Restaurierung der Decke sind die Wandbespannungen des Huldigungssaals durch Pastikplanen geschützt. Foto: t&w

Die Restaurierung des Huldigungssaals erfolgt innerhalb des Bauabschnittes Fürstensaalflügel. Der Fürstensaal entstand in der ersten Hälfe des 15. Jahrhunderts als südliche Erweiterung der Ratshausanlage, die erstmals 1302 schriftlich erwähnt wird. Der Rat nutzte ihn einst als Fest- und Tanzsaal. „Im Norden wurden in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Huldigungs- und Traubensaal zwei weitere repräsentative Säle hinzugefügt“, erläutert Stadtbaurätin Heike Gundermann. Inzwischen hat man, wie berichtet, die Außenmauern dieses Gebäudeteils instand gesetzt, die Dachkonstruktion aufwendig saniert und den Westgiebel, der in schlechtem Zustand war, teilweise abgetragen: „Als genaue Kopie des Originals wurde er wieder aufgemauert“, sagt Heike Gundermann.

Letzter Akt bei diesem Bauabschnitt ist der Huldigungssaal. Problem hier: Zur Sicherung der barocken Rahmenstuckdecke mit Ölgemälden wurde 1955 eine Stahlkons­truktion darüber eingebaut. „Durch die Eigenfrequenz der Stahlträger wurden Schwingungen – zum Beispiel durch den Autoverkehr am Ochsenmarkt erzeugt – auf die Deckenbalken übertragen“, erläutert Antje Petersen. Mit fatalen Folgen: Risse im Stuck, an manchen Stellen löste sich dieser heraus. „Schwingungsdämpfer sollen nun zwischen Stahlkonstruktion und Decke eingebaut werden, damit es nach der Restaurierung nicht zu weiteren Schäden kommt“, sagt Antje Petersen.

Voraussichtlich im Mai werden die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann kann der Rat hier wieder tagen, auch Veranstaltungen laufen wieder – und Kurfürst Georg Ludwig droht nicht mehr womöglich aus dem Rahmen zu fallen. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme Fürstensaalflügel belaufen sich auf 1,05 Millionen Euro, die anteilige Fördersumme durch Bund und Land beträgt 294 000 Euro.

Das Millionen-Projekt

Die Ursprünge des Lüneburger Rathauses gehen ins Jahr 1230 zurück. Im Laufe der Jahrhunderte entstand daraus ein komplexes Gebäude mit einer Gesamtfläche von 7900 Quadratmetern, 259 Sälen und Räumen. Ein Schatz, der wertvoll ausgestattete Innenräume enthält. Diese zu erhalten, hat sich die Stadt zur Aufgabe gemacht. Doch es ist auch finanziell ein anspruchsvolles Projekt, schätzungsweise 20 Millionen Euro wird die Sanierung der im Masterplan vorgesehenen Bauabschnitte kosten. Fördermittel warb die Stadt vom Bund ein. Damit konnten seit 2010 folgende Projekte umgesetzt werden:

  • Der kleine Ratshof wurde zu einem attraktiven neuen Besuchereingang umgestaltet, mit einem Glasdach als Tauben- und Witterungsschutz. Kosten: 680 000 Euro.
  • Beim sogenannten Zwischenbau wurde das Außen-Mauerwerk instand gesetzt, Fenster erneuert sowie Decken- und Dachkonstruktion repariert. Außerdem wurde der Gebäudeteil energetisch optimiert, der Brandschutz verbessert. Kosten: 840 000 Euro.
  • Der Ambrosiuskeller stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Gebäudeteilen. Zu den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen gehörte auch, dass die Innenpfeiler, die ihre Standfestigkeit verloren hatten, nun durch moderne Seilkonstruktionen gestützt werden. Kosten: 280 000 Euro.
  • Altes Magazin und Bürgermeisterkörkammer – die Substanz wurde ertüchtigt. Beim Magazingebäude wurden die Außenmauern repariert, das Dach erneuert. Dank Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten Tonnengewölbe und Terrazzofußboden restauriert werden, das Galeriegelände soll in diesem Jahr erneuert werden. Kosten: 600 000 Euro.

Und es kann weitergehen, denn die Stadt erhält drei Millionen Euro Fördermittel. Damit sollen in den kommenden Jahren unter anderem das Kämmereigebäude und die Westfassade sowie der Gerichtslaubenflügel saniert werden.