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Michael Claudius hört auf: Der Wirt schließt die Bowlingbahn. Es ist die einzige Anlage der Stadt. Foto: t&w
Michael Claudius hört auf: Der Wirt schließt die Bowlingbahn. Es ist die einzige Anlage der Stadt. Foto: t&w

Bowlingbahn schließt

ca Lüneburg. Die letzten Pins fallen am 19. März, dann ist Schluss mit Lüneburgs einziger Bowlingbahn: Betreiber Michael Claudius hört auf. „Die Bahnen bauen wir ab, die Maschinen sind schon verkauft“, sagt der 61-Jährige. Zwanzig Jahre habe er die 1000 Qua­dratmeter Fläche bewirtschaftet, doch nach Querelen mit dem Vermieter sehe er für sich keine Zukunft mehr an der Ecke Linden- und Barckhausenstraße. Wer künftig bowlen will, müsse fahren: „In Uelzen, Winsen, Stade und Soltau gibt es Angebote.“

Wie es mit der Immobilie weitergeht, bleibt offen. Die Firma Lindenstruth in Soest, der das Gebäude gehört, erklärte am Dienstag auf Anfrage der LZ: „Keine Auskunft.“ Es ist nach dem Ende des Bowling-Zentrums nicht der einzige Leerstand: Auch für die Flächen, die über Jahre ein Matratzenmarkt nutzte, wird über ein Lüneburger Maklerbüro ein Nachfolger gesucht.

Das Geschäft mit den zwölf Bahnen sei von der Saison abhängig. Von Herbst bis Frühjahr laufe es ganz gut, gerade in der Vorweihnachtszeit, erzählt Claudius. Doch besonders im Sommer erlebe er eine Durststrecke. Als er an seinen Vermieter mehr Pacht zahlen sollte, sah er kaum Chancen, auf seine Kosten zu kommen. Nach seiner Aussage kam es zum Prozess vorm Landgericht, den er verlor. Die Berufung liegt vorm Oberlandesgericht in Celle. Der Wirt glaubt zwar, dort gute Aussichten zu haben, doch seine Entscheidung stehe fest: „Ich hör‘ auf.“

1995 habe er die Bahnen vom Vorgänger Heide-Bowling übernommen. Damals hätten mehrere Vereine aus Stadt und Kreis bei ihm gespielt. Schließlich kam in der Goseburg Konkurrenz hinzu. Doch nach zehn Jahren hätten die Mitbewerber 2013 geschlossen. Im ersten Jahr gab es einen Aufschwung, doch der habe sich nicht fortgesetzt. Obendrein bröckelte das Vereinsgeschäft, dann begann die Auseinandersetzung mit dem Vermieter – für Claudius Grund, nun die Reißleine zu ziehen.
Eigentlich müsste er investieren. Die Wände bräuchten einen neuen Anstrich, die Möbel könnten ausgetauscht werden. Doch viel entscheidender: Bahnen und Technik müssten von Grund auf überholt werden, das koste Zehntausende: „Das lohnt sich nur mit einem langen Mietvertrag.“ Aber mit über 60 wolle er den nicht mehr abschließen, schon gar nicht zu den neuen Konditionen.

Das Aus treffe ihn, auch wenn er seit zwei Jahren damit rechne: „Bowling ist mein Leben.“ In Berlin, daher stammt er, habe er in der Bundesliga gespielt, auch heute geht er noch regelmäßig auf die Bahn. Vorbei. Er will sich jetzt mit seiner Frau auf sein Lokal Alte Schmiede in Brietlingen konzentrieren. Bowlingbahnen gibt es dort nicht.

Ein Stück Stadtgeschichte wird abgerissen

Aus heutiger Sicht war es ein Frevel: Die Stadt ließ im Februar 1976 die alte MTV-Halle an der Lindenstraße abreißen. 1880 war die Halle mit zwei Schlauchtürmen gebaut worden – denn der Männerturnverein war mit einer Löschschar die Keimzelle der Lüneburger Feuerwehr. Das Gebäude habe keinen bauhistorischen Wert, meinte man im Rathaus. Den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und ein paar andere, die es anders sahen, überhörten Verwaltung und Politik geflissentlich. Es gebe keinen Grund, vom 1972 beschlossenen Bebauungsplan abzuweichen.

Mitte der 70er-Jahre wurde die MTV-Halle abgerissen. Hier sind noch die beiden charakteristischen Türme zu sehen. Foto: A
Mitte der 70er-Jahre wurde die MTV-Halle abgerissen. Hier sind noch die beiden charakteristischen Türme zu sehen. Foto: A

Nötig war der Abriss, weil die Stadt die Straße als Umgehung der Innenstadt ausbauen wollte, etwa in Richtung Kaltenmoor. So rollte der Buchhholzer Abbruchunternehmer Peter Rössner nach einer „Faschings- und Abbruchfete“ mit seinem Bagger an und machte kurzen Prozess. Die Stadt zahlte ihm für den Job 80 000 Mark. Und sicherte sich eine Wendeltreppe, die ihren Platz heute in der Ratsbücherei hat, und die Spitzen der beiden Türme.

Alles landete auf dem städtischen Bauhof. Der MTV erhielt als Ausgleich sein Grundstück an der Eisenbahnlinie Lüneburg-Soltau an der Uelzener Straße. Als Ersatz für die Halle, in der im Herbst 1945 der Bergen-Belsen-Prozess lief, der die Gräuel im gleichnamigen Konzentrationslager aufarbeitete, kam der gesichtslose Klotz, den wir noch heute kennen. ↔ca