Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Dabei wirds auch künftig im Lüneburger Klinikum bleiben: Ärzte tragen langärmelige Kittel, Pflegekräfte kurzärmelige Kasacks. Foto: t&w
Dabei wirds auch künftig im Lüneburger Klinikum bleiben: Ärzte tragen langärmelige Kittel, Pflegekräfte kurzärmelige Kasacks. Foto: t&w

In Lüneburg bleiben die Arztkittel lang

as Lüneburg. Kurzärmeliger Kasack statt langärmeliger Kittel für Ärzte und Pflegepersonal, das will der Asklepios-Konzern in seinen Kliniken einführen. Denn Studien hätten gezeigt, dass die Ärmel von Arztkitteln besonders mit Keimen behaftet seien, argumentiert die Konzerngeschäftsführung. Langarm oder Kurzarm — wie hält es das Lüneburger Klinikum damit?

Die Pflegekräfte tragen Kasacks mit kurzen Ärmeln, die Mediziner langärmelige Arztkittel. „In Funktionsbereichen wie Endoskopie, Katheterlabor und teilweise auch in den Ambulanzen trägt das ärztliche Personal kurzärmelige Kasacks. Bei Arbeiten am Patienten wird der Kittel abgelegt, um eine den Regeln entsprechende Händehygiene zu ermöglichen. Bei Arbeiten mit kontaminiertem Material werden Einmal-Schutzkittel angelegt“, erläutert Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Zu der Argumentation, dass durch Kittel mit langen Ärmeln Keime übertragen werden könnten, sagt Dr. Cramer: „Eine Quelle, die einen vermehrten Übertrag von Keimen durch Arztmäntel belegt, ist uns bisher nicht bekannt.“ Er verweist auf eine Publikation der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut im Bundesgesundheitsblatt vom September 2015. Darin heißt es unter anderem: „Die Rolle der Kleidung bei der Übertragung von Infektionserregern wird kontrovers diskutiert. Einige Mikroorganismen sind in der Lage, in der unbelebten Umgebung (auch auf textilen Oberflächen) zu überleben. Vor allem Handkontaktstellen der Kleidung haben sich als kontaminiert erwiesen. Der Nachweis einer Kontamination der Bereichs-/Arbeitskleidung von Mitarbeitern in der direkten Patientenbetreuung und der weißen Kittel von Ärztinnen und Ärzten mit Krankheitserregern beweist nicht die nosokomiale Übertragung pathogener (zum Teil multiresistenter) Infektionserreger auf weitere Patienten.“ Empfehlenswert sei, dass Beschäftigte, die eng am Patienten arbeiten, ihre Arbeits-/Bereichskleidung täglich wechseln und situationsbedingt zusätzlich patientenbezogene Schutzkittel/Schürzen über der Bereichskleidung tragen. „Kurzärmelige Kasacks ohne Knopfleisten sind auch für Ärztinnen und Ärzte mit engem Patientenkontakt als Bereichskleidung besonders praktikabel. Auswirkungen der Art der Kleidung mit langen oder kurzen Ärmeln auf die Qualität der Händedesinfektion konnten nicht gezeigt werden. Zusammenfassend sind die vorliegenden Daten hinsichtlich des Zieles der Vermeidung von Infektionen jedoch nicht ausreichend für eine Empfehlung.“

Auf Basis dessen steht für den Ärztlichen Direktor des Klinikums fest, „dass wir uns mit den Regelungen zur Hygiene am Klinikum an aktuell geltende Empfehlungen halten. Ob sich in der Zukunft Änderungen dieser Empfehlungen ergeben, bleibt abzuwarten.“