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Künftig wird es für Handorf schwerer, Neubaugebiete auszuweisen. Die endgültige Entscheidung über das Überschwemmungsgebiet trifft der Kreistag. Foto: dth
Künftig wird es für Handorf schwerer, Neubaugebiete auszuweisen. Die endgültige Entscheidung über das Überschwemmungsgebiet trifft der Kreistag. Foto: dth

Landkreis Lüneburg überarbeitet Überschwemmungsgebiet der Ilmenau

dth Handorf/Lüneburg. Die Planungen dürften weiterhin manchem Landwirt und Häuslebauer die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Doch das geplante Überschwemmungsgebiet der Ilmenau fällt vor allem in der Gemeinde Handorf kleiner aus, als es zuletzt vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vorgeschlagen wurde. Das sieht ein Entwurf des Landkreises Lüneburg vor, der die Feinplanung übernommen hat. Dabei bestätigten sich manche der Einwendungen der Gemeinde Handorf: Die Ortslage liegt in Teilen höher, als bei den ersten Berechnungen angenommen.

Somit sind manche Siedlungsbereiche im Falle eines „statistischen hundertjährigen Hochwassers“ in Handorf doch nicht von Überflutung bedroht. Die Verordnung über die Festlegung des Überschwemmungsgebiets (USG) billigte jetzt der Umweltausschuss des Kreises Lüneburg einstimmig bei seiner jüngsten Sitzung.

Für Handorfs Bürgermeister Peter Herm (CDU) ist das Thema Überschwemmungsgebiet längst ein rotes Tuch. Immer wieder hatte er mit dem Kreis über die Höhenangaben gestritten. „Die sind teilweise von ganz falschen Zahlen ausgegangen oder es fehlten Angaben“, kritisierte Herm regelmäßig.

Den Schwarzen Peter reichten die Mitarbeiter von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Lüneburg nun weiter an den NLWKN. Peter Wünnecke vom Kreis sagte im Ausschuss: „Für uns ist es die erste Festsetzung eines Überschwemmungsgebietes. Leider haben wir bei der ersten Überprüfung festgestellt, dass wir nicht alle notwendigen Daten erhalten haben und mussten manches umständlich nachfordern.“

Wünneckes Kollegin Claudia Schröder sagte: „Wir sind jeder Einwendung nachgegangen und haben nachgemessen. Aber nicht jede Nachmessung hat zu einer Korrektur geführt.“ Doch in Teilbereichen sind die Abweichungen erheblich, in Summe sogar rund einen Quadratkilometer. So war in der vorläufigen Festsetzung des Landesbetriebs vorgesehen, große Teile des nordöstlichen Wohngebietes Handorfs als Überschwemmungsgebiet auszuweisen sowie einen Teil im südlichen Bereich, angefangen bei der Straße Langwegel über Teile des Clueswegs und über den Sportplatz bis zu Teilen des Gewerbegebietes Hittendahl.

Die Berechnungen des Kreises fallen moderater aus, gehen nun größtenteils auch hinter die Wohngebietsgrenze zurück. Das bedeutet aber auch, dass der Entwicklung weiterer Baugebiete für Handorf hohe Hürden gesetzt sind. Das aktuelle Baugebiet „Handorf-Süd“ nutzt eine der wenigen Lücken, die das geplante Überschwemmungsgebiet noch im Süden zulässt. Bürgermeister Herm sagt: „Problematisch bleibt die Nachverdichtung beim Bauen in zweiter Reihe, oder wenn ein Landwirt seinen Hof aufgibt und dort etwas Neues entstehen soll.“ Die Regelung dürfte auch so Landwirten Kopfschmerzen bereiten, die rings um den Ort ihre Betriebe erweitern wollen.

Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis, sagte: „Gebäude, die in dem betroffenen Gebiet errichtet werden, müssen unbedingt hochwasserangepasst gebaut werden, verlorengegangener Raum für das Wasser müsste ausgeglichen werden.“ Ein Landwirt könnte diesen Ausgleich leichter schaffen als ein privater Bauherr, so Mitarbeiter Wünnecke, indem er — plakativ gesprochen — ein Loch buddele.

Genehmigungsfrei sind im Überschwemmungsgebiet beispielsweise Grundstücksbefestigungen wie Pflasterungen, solange das Gelände nicht erhöht wird. Von einer Genehmigung ausgenommen sind auch Viehtränken, die Aufstockung vorhandener Gebäude bis hin zu energetischen Sanierungen. Wünnecke sagte: „Das heißt aber nicht, dass alles andere grundsätzlich verboten ist. Wenn jemand einen Bauantrag stellt, prüfen wir den Einzelfall.“ Bürgermeister Herm sagt: „Ich werde die Entwicklung des hundertjährigen Hochwassers noch bis 2050 verfolgen. Wenn dann immer noch nichts überschwemmt ist, erwarte ich vom Landkreis, dass er die Regelung wieder aufhebt.“ Herm wäre dann 102 Jahre alt …

Die Gemeinde Handorf entwickelt derzeit das Baugebiet „Handorf-Süd“ (orange). Das Überschwemmungsgebiet, das der Kreis aktuell überarbeitet (dunkel-lila), schränkt eine weitere Besiedlung stark ein. Ursprünglich reichten die Pläne noch weiter (hell-lila). Grafik: LNLG/dth
Die Gemeinde Handorf entwickelt derzeit das Baugebiet „Handorf-Süd“ (orange). Das Überschwemmungsgebiet, das der Kreis aktuell überarbeitet (dunkel-lila), schränkt eine weitere Besiedlung stark ein. Ursprünglich reichten die Pläne noch weiter (hell-lila). Grafik: LNLG/dth
Seit Kaisers Zeiten

Zuletzt im August 2012 hatte der NLWKN die Überschwemmungsgebiete (USG) vorläufig gesichert. Die Feinplanung übernehmen in ihren jeweiligen Gebieten die Kreise Harburg und Lüneburg sowie die Stadt Lüneburg. Gegenstand der jetzt diskutierten Landkreis-Verordnung ist der Ilmenau-Abschnitt südlich der Salzstadt bis zur Uelzener Kreisgrenze. Betroffen ist dort vor allem die Gemeinde Deutsch Evern. Der NLWKN hatte dort ein USG entlang der Ilmenau von 1,44 Quadratkilometern vorgeschlagen, der Kreis geht von nur 433 Quadratmeter weniger aus. Am Unterlauf, nördlich der Stadt, berührt das Überschwemmungsgebiet vor allem die Gemeinden Bardowick, Wittorf und Handorf. Die Gesamtfläche des USG soll nach Berechnungen des Landkreises dort 12,96 Quadratkilometer betragen.

Handorf ist in besonderem Maße betroffen, weil dort ein Polder vorgesehen ist, der im Fall eines extremen Hochwassers vor allem die Gebiete westlich von Handorf in Richtung Winsen entlasten soll, sagt Kreissprecherin Elena Bartels. Allein der Polder hat eine Größe von 10,7 Quadratkilometern, sagt NLWKN-Sprecher Achim Stolz. Das USG entlang der Ilmenau gibt es laut Stolz schon seit 1912, stammt aus Kaisers Zeiten.

Die exakte Grenze des USG ist im Geoportal einsehbar unter www.landkreis-lueneburg.de/geoportal in der Rubrik Hochwasserschutz. dth