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Die Gäste Caren Marks (v.l.), Waldemar Stange, Brigitte Kaminski und Brigitte Merz stellen sich den Fragen des Publikums, auch sie sehen Verbesserungsbedarf bei der Kinderbetreuung in Randzeiten. Foto: t&w
Die Gäste Caren Marks (v.l.), Waldemar Stange, Brigitte Kaminski und Brigitte Merz stellen sich den Fragen des Publikums, auch sie sehen Verbesserungsbedarf bei der Kinderbetreuung in Randzeiten. Foto: t&w

Podiumsdiskussion über Kinderbetreuung in Randzeiten

ap Lüneburg. „Wir brauchen Kinderbetreuung in Randzeiten, damit die arbeitende Mitte der Gesellschaft Familie und Beruf vereinbaren kann“, sagt Caren Marks. Die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war jetzt Gast einer Podiumsdiskussion des SPD-Unterbezirks Lüneburg. Mit ihr in der Runde: Prof. Dr. Waldemar Stange, Bildungswissenschaftler an der Leuphana, Brigitte Kaminski, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft, und die SPD-Kreistagsabgeordnete Brigitte Merz. Die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers moderierte die Runde zum Thema „Kinderbetreuung in Randzeiten — Wie gelingt das?“ vor 40 Zuhörern.

Krippen und Kitas seien ein Ort der Begegnung, sagte Caren Marks. „Kinder lernen das aktive Miteinander, bekommen Anregungen, schließen Freundschaften.“ Die Mutter zweier Kinder sieht einen steigenden Bedarf an Plätzen, „mehr als 100000 Flüchtlingskinder sind 2015 nach Westdeutschland gekommen“. Diese Kinder sollten so schnell wie möglich in den Kitas untergebracht werden, um die Sprache zu lernen, findet Marks, die aber auch Potenzial für Zündstoff sieht. Die Integration dieser Kinder dürfe nicht zulasten anderer geschehen. Mindestens 80000 neue Kitaplätze seien daher notwendig. Unzureichende Betreuung gehe immer auf Kosten der Arbeit der Mütter, die gezwungenermaßen Stunden reduzieren müssen, weil sie den Spagat nicht schaffen.

Waldemar Stange nickt, der Bildungswissenschaftler hat viele Jahre in diesem Bereich geforscht und weiß genau: „Das, was in den ersten sechs Lebensjahren eines Kindes versäumt wurde, kann man nie mehr nachholen.“ Unterlassene Bildung werde mit den Jahren teurer und teurer, das könne sich im Laufe eines Lebens auf 1,5 Millionen Euro summieren.

Brigitte Kaminski führt täglich Beratungsgespräche mit Frauen, die versuchen, den Spagat zwischen Job und Familie „irgendwie hinzubekommen“: „Die Unternehmen müssen an Stellschrauben drehen, beispielsweise Arbeitszeiten zugunsten der Mütter ändern.“ Brigitte Merz sieht vor allem im Landkreis Verbesserungsbedarf, dort seien die meisten Kitas nur zwischen 8 und 14 Uhr geöffnet. „In der Hansestadt haben manche Kitas sogar von 6.30 bis 18 Uhr geöffnet“, lobt sie. Vorreiter sei die Kindertagesstätte am Klinikum, die von 5.45 bis 18.45 Uhr geöffnet ist.

„Was ist denn mit der pädagogischen Betreuung ab dem Grundschulalter?“, will eine Zuhörerin wissen. Caren Marks weiß: „Das ist bundesweit ein Thema, Eltern und Kinder haben in den Kitas andere Betreuungsformate kennengelernt und können dann in der Schule häufig nur bis 13 Uhr betreut werden.“ Eine „echte Ganztagsschule“ sei hilfreich, meint Stange. Hiltrud Lotze, Bundestagsabgeordnete und zugleich Kommunalpolitikerin, erklärt: „Wir haben im Rat längst beschlossen, dass alle Lüneburger Grundschulen zu Ganztagsschulen werden sollen. Einige machen das gern, andere nicht. Aber wir können die Schulleitungen nicht zwingen.“

Eine Erzieherin, die vor zwei Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen hat, gibt zu bedenken: „Die Hälfte meiner Mitschüler hat die Ausbildung gemacht, weil sie von entsprechend entspannten Arbeitszeiten ausgegangen sind.“ Doch 8 bis 13 Uhr sei unrealistisch, sie sei auch mal 24 Stunden im Einsatz. „Und auch wir haben Kinder.“ Eine Kita-Leiterin aus Adendorf moniert: „Betreuung in Randzeiten kommt auf uns zu, aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht.“

Caren Marks verspricht am Ende, sich im Bundestag verstärkt für die Interessen von Erzieherinnen und Eltern einzusetzen.