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Zum Prozessauftakt saßen noch drei Angeklagte mit ihren Verteidigern vor Gericht, das Verfahren gegen den 31-Jährigen (links mit seiner Anwältin) wurde abgetrennt. Foto: be
Zum Prozessauftakt saßen noch drei Angeklagte mit ihren Verteidigern vor Gericht, das Verfahren gegen den 31-Jährigen (links mit seiner Anwältin) wurde abgetrennt. Foto: be

„Superman“ muss hinter Gitter

rast Lüneburg. Wenn er getrunken und Drogen genommen hatte, fühlte er sich laut seiner Verteidigerin „wie Superman, den keiner besiegen kann“. Und so war der 31-Jährige auch an den Abenden des 25. und des 29. Oktober 2014 drauf, als er mit zwei Komplizen kurz vor Ladenschluss zwei Rewe-Märkte in Bardowick und Stelle überfiel, dabei 3844,39 Euro erbeutete. Der 31-Jährige war eigens für die Taten aus dem Maßregelvollzug in Bad Rehburg im Kreis Nienburg/Weser geflüchtet. Und im Maßregelvollzug landet er auch wieder: Die 2. Große Jugendkammer am Landgericht Lüneburg unter Vorsitz von Richter Thomas Wolter verurteilte ihn wegen räuberischen Diebstahls und besonders schwerer räuberischer Erpressung zu sechs Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe, ordnete zudem seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Der 31-Jährige hatte die Taten am ersten Prozesstag gestanden, dazu eine Erklärung von seiner Anwältin verlesen lassen. Demnach war er auch in der geschlossenen Einrichtung in Bad Rehburg scharf auf Drogen und Alkohol, das Geld dafür aber hatte er nicht. Ein Mitinsasse gab ihm den Tipp, dass man mit dem „Kassengreifen“ schnell an Bares kommen könne und er zwei Leute kenne, die da mitmachen würden. Der Kontakt wurde geknüpft. Als der 31-Jährige dann im Oktober zu einem Spaziergang in Begleitung eines Klinikmitarbeiters aufs Gelände durfte, ging er stiften — die 19 und 23 Jahre alten Komplizen aus dem Raum Winsen warteten bereits in einem Auto an der Straße auf ihn. Schon auf der Fahrt versorgten sie den Ausbrecher mit Amphetaminen und reichlich Whiskey-Cola.

Am 25. Oktober 2014 gings dann mit dem Wagen zum Rewe-Markt am Schwarzen Weg in Bardowick. Der 23-Jährige blieb im Fluchtauto, der 19-Jährige stand vor dem Supermarkt Schmiere. Der 31-Jährige ging um 21.50 Uhr in den Laden, zog Zigaretten, ging zur Kasse und tat so, als wolle er bezahlen. Als die Kassiererin die Kasse öffnete, griff er sofort hinein und krallte sich 1435 Euro in Scheinen. Damit ihn niemand verfolgt, versprühte er auf seiner Flucht im Eingangsbereich Pfefferspray.

Nur vier Tage später — die Beute war geteilt worden, der Anteil des 31-Jährigen ging für Drogen und Alkohol drauf — war gegen 21.50 Uhr ein Rewe-Markt in Stelle der Tatort. Wieder ging der Haupttäter allein ins Geschäft, ließ sich von einer Mitarbeiterin zwei Schachteln Zigaretten ziehen, holte eine Flasche Schnaps, ging zur Kasse und sagte: „Dies ist ein Überfall.“ Er drohte der Kassiererin mit Pfefferspray, sie holte Geld aus der Kasse — das war ihm aber zu wenig. Von einem Mitarbeiter ließ er sich den Tresor öffnen, tat dabei so, als habe er eine Waffe hinter seinem Rücken. Dann verschwand er mit 2409,39 Euro. Seine beiden Komplizen waren so nett, den 31-Jährigen nach den Taten wieder in den Maßregelvollzug nach Bad Rehburg zurückzufahren — bei seiner Ankunft dort hatte der Mann drei Promille.

Die 2. Große Jugendkammer hatte die beiden Mittäter bereits in einem abgetrennten Verfahren verurteilt, der 23-Jährige erhielt drei Jahre Freiheitsstrafe, der 19-Jährige kam nach dem Jugendstrafrecht mit zwei Jahren davon, seine Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.