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Die Vorsitzende des Landfrauenvereins Kirchgellersen, Annette Kammeier (l.), hat zum internationalen Kaffeeklatsch eingeladen, gekommen sind viele Landfrauen und rund ein Dutzend Flüchtlingsfrauen, darunter Kimaez Sulayman und Tochter Avan aus Syrien sowie Mona Faysel aus Somalia. Foto: t&w
Die Vorsitzende des Landfrauenvereins Kirchgellersen, Annette Kammeier (l.), hat zum internationalen Kaffeeklatsch eingeladen, gekommen sind viele Landfrauen und rund ein Dutzend Flüchtlingsfrauen, darunter Kimaez Sulayman und Tochter Avan aus Syrien sowie Mona Faysel aus Somalia. Foto: t&w

Die neuen Landfrauen

off Südergellersen. Als Kimaez Sulayman das Dorfgemeinschaftshaus in Südergellersen betritt, riecht es bereits nach Kaffee. Auf einer langen Tafel stehen selbstgebackene Kuchen, die Tische sind gedeckt, in der Küche wird Tee gekocht. Für die 25 Jahre alte Syrerin ist es der erste Kaffeeklatsch mit deutschen Landfrauen. Sie ist ein wenig aufgeregt, hofft, dass sie alles versteht, was man sie fragt. Und dass ihr Deutsch gut genug ist, um zu antworten.

Heidrun Lüllau sitzt am anderen Ende der Kaffeetafel. Auch sie fragt sich, was sie erwartet. Ob sie sich wohl verständigen kann mit den beiden Flüchtlingsfrauen, die ihr gegenübersitzen, ob sie den richtigen Ton trifft. Für die Landfrau aus Kirchgellersen ist es die erste Begegnung mit Flüchtlingen. „Deswegen bin ich gekommen“, sagt sie, „damit wir uns mal kennenlernen.“

Insgesamt kommen zum internationalen Kaffeeklatsch des Landfrauenvereins Kirchgellersen knapp 50 Frauen, darunter rund ein Dutzend Flüchtlingsfrauen. Die Veranstaltung ist eine Premiere, ein Termin zum Kennenlernen und zum Pläne schmieden. „Wir nutzen heute die Gelegenheit, um die Flüchtlingsfrauen nach ihren Interessen zu fragen“, sagt Vereinsvorsitzende Annette Kammeier. Auf Zetteln können sie ankreuzen, worauf sie Lust hätten. Zur Auswahl stehen: Backen, Basteln, Fahrrad fahren lernen, Gesellschaftsspiele, Handarbeiten, Kochen, Lesen, Malen, Singen und Sport treiben.

Kimaez Sulayman macht ihre Kreuze bei Sport, Radfahren, Kochen und Backen, die erste Stunde ist inzwischen vergangen und sie hat fast ununterbrochen erzählt. Wo sie genau herkommt, wollten ihre Tischnachbarinnen wissen. Wie alt ihre Tochter Avan ist. Wie sie nach Deutschland gekommen ist. Was sie gelernt hat in Syrien. Und wie sie innerhalb von vier Monaten so gut Deutsch gelernt hat. Die studierte Agraringenieurin erzählt, lächelt, dann fragt sie, wie viele Kinder die anderen Frauen haben, wie alt sie sind und wo sie wohnen. „Es ist schön“, sagt sie, „dass ich hier Deutsch sprechen kann. Und dass hier so viele nette Frauen sind.“

Auch am Nebentisch wird seit einer Stunde fast ununterbrochen geredet. Mit Händen, Füßen und einfachsten Worten ist Heidrun Lüllau mit den beiden Frauen aus Somalia ins Gespräch gekommen, hat sich mit einer jungen Frau aus Montenegro über Familie unterhalten und versucht ihr beim Ausfüllen des Zettels zu helfen. Die erste Scheu hat die Kirchgellerserin schnell überwunden und dabei Lust bekommen, die Frauen aus aller Welt öfter zu sehen, noch mehr über sie zu erfahren, vielleicht gemeinsam zu backen oder zu nähen.

Was genau aus dem ersten gemeinsamen Kaffeeklatsch wird, „hängt davon ab, was gewünscht wird und was wir ermöglichen können“, sagt Annette Kammeier. Fest steht allerdings: Es sollen Angebote speziell für Frauen werden. „Denn gerade die sitzen doch oft allein zuhause.“

Wie gut das klappen kann, zeigt der erste gemeinsame Nachmittag. An allen Tischen finden die Besucherinnen sofort Gesprächsthemen, oft geht es um Kinder, Heimat, Familienumstände, Zukunft. „Frauen unter sich“, sagt die Landfrauen-Vorsitzende, „das ist eben doch etwas ganz anderes, als wenn Männer dabei sind.“

Kimaez Sulayman hat nach anderthalb Stunden rote Wangen vom vielen Erzählen bekommen. Gerade mal vier Monate lebt die 25-Jährige mit ihrer Familie in Dachtmissen, Deutsch bringt sie sich mit Internetvideos und Lehrbüchern bei so erfolgreich, dass alle Landfrauen, die an diesem Nachmittag mit ihr sprechen, schwer beeindruckt sind. Zum nächsten Treffen will sie auf jeden Fall wiederkommen. Genau wie Heidrun Lüllau.

Mehr Informationen: www.landfrauen-kirchgellersen.de