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Michael Loch ist im Mai 2015 zufrieden mit den ersten Fortschritten bei der Aufbereitung der Fischtreppe in Neumühlen. Wir sind aber noch lange nicht fertig, sagt er heute. Foto: A/t&w
Michael Loch ist im Mai 2015 zufrieden mit den ersten Fortschritten bei der Aufbereitung der Fischtreppe in Neumühlen. Wir sind aber noch lange nicht fertig, sagt er heute. Foto: A/t&w

Landkreis Lüneburg überprüft Rechte zur Wassernutzung

dth Lüneburg. Vor allem die Grünen machen Druck: Die Kreisverwaltung soll die Rechte zur Wassernutzung an der Ilmenau und deren Nebenflüssen wie der Neetze überprüfen und gegebenenfalls aufheben, wenn sie drei Jahre lang nicht mehr genutzt werden. Das betrifft beispielsweise Staurechte bis hin zur Wasserentnahme für Teiche. „Wir wollen Rechtssicherheit“, begründete Tanja Bauschke (Grüne) den Antrag „Verbesserung der biologischen Durchgängigkeit der Ilmenau“, der jetzt im Umweltausschuss des Landkreises beraten, allerdings nicht beschlossen wurde. Dennoch hat Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt, das grundsätzliche Ansinnen als Handlungsauftrag angenommen. Im Kern geht es darum, Fischwanderhilfen entlang der Ilmenau zu pflegen und auszubauen.

Ziel des Antrag ist es, „die Passierbarkeit für Fische jeglicher Größe zu verbessern und zu sichern“. Denn: „Nur so ist es möglich, dass der Lachs wieder zum Laichen in die obere Ilmenau und deren Nebenflüsse hinaufziehen kann.“ Doch die dauerhafte Entwicklung einer biologischen Durchlässigkeit werde derzeit durch vielfältige Wasserrechte, insbesondere Staurechte und Entnahmerechte behindert, heißt es. Das trifft vor allem dann zu, wenn ein Wasserrecht ungenutzt bleibt. Wie beispielsweise vor Jahren an der Wassermühle am Nebenfluss Neetze in Neumühlen. Die Pflege der dortigen Fischtreppe war verknüpft mit dem Staurecht der Teiche, mit denen die Mühle angetrieben worden war. Doch die Rechte wurden irgendwann nicht mehr genutzt und die Fischtreppe verwahrloste zusehends — bis zu einer ersten Aufbereitung durch den Landkreis im vergangenen Jahr.

„Der Zugang in dem geschützte Biotop Mühlenteich wurde, so weit möglich, wieder hergestellt“, sagt Michael Loch vom Fachdienst Umwelt auf LZ-Nachfrage. „Wir sind aber noch lange nicht fertig. Die Anlage hat ein gewisses Alter, Instandsetzungsarbeiten sind notwendig.“ Weiterhin steht aber auch die Option im Raum, den Schleusengraben um das Wehr herumzuleiten. Damit beschäftigt sich parallel ein Seminar der Umweltwissenschaften an der Uni Lüneburg, erarbeitet Lösungsmöglichkeiten.

Konkreter ist laut Loch die Maßnahme an der Thomasburger Wassermühle. Dort ist vorgesehen, den vorhandenen Schleusen- beziehungsweise Umgehungsgraben zu ertüchtigen, damit die Neetze zu ungefähr zwei Dritteln durch den Graben fließt und nur noch zu einem Drittel am Wehr vorbei muss. Derzeit sei das Verhältnis umgekehrt. Loch sagte: „Wir sind mit der Plangenehmigung gerade durch, Anträge auf Fördermittel sind gestellt. Wir warten jetzt auf eine Zusage vom Land, damit wir dann in die Ausführungsplanung gehen können.“ Die Ertüchtigung des Thomasburger Schleusengrabens könnte dann ab Frühjahr 2017 umgesetzt werden.

Nachdem Fachdienstleister Bartscht im Ausschuss zugesichert hatte, das Thema Wasserrechte und ökologische Durchgängigkeit im Blick zu behalten, gab sich Franz-Josef Kamp (SPD) damit zufrieden, dass der Antrag zumindest einen neuen Impuls gesetzt habe.

Zwar hatte der rot-grüne Vorstoß ausdrücklich nicht die denkmalgeschützten Nadelwehre und Schleusen bei Bardowick und Wittorf im Visier. Dagmar Gollers (Grüne) hakte dennoch nach. Laut Bartscht plane die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) auf Basis der Machbarkeitsstudie einen Scoping-Termin gegen Ende des Jahres. Wie berichtet, zieht die WSV in Erwägung — gegen den Widerstand der Kommunen — die Schleusen an der Ilmenau durch Sohlgleiten zu ersetzen. Damit würde nicht nur der Wasserstand deutlich sinken, sondern auch der Schiffbarkeit der Ilmenau am Unterlauf ein Ende gemacht.

Den Wind aus den Segeln nahm Fachdienstleiter Bartscht den Kreispolitikern bei der Forderung, ein Verzeichnis der Wassernutzungsrechte an der Ilmenau und deren Nebenflüssen zu erstellen. Bartscht: „So ein Kataster gibt es schon.“ Und zwar vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Internet unter www.wasserdaten.niedersachsen.de.