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Wo heute noch Gewächshäuser stehen, könnte sich bereits 2017 ein neuer Gebäudekomplex erheben. Visualisierung: plan- & bauwerk/nh
Wo heute noch Gewächshäuser stehen, könnte sich bereits 2017 ein neuer Gebäudekomplex erheben. Visualisierung: plan- & bauwerk/nh

„Seniorenresidenz“ im Bardowicker Altdorf

dth Bardowick. Es kommt wieder Bewegung in den Markt der Senioren- und Pflegeheime im Kreis Lüneburg: Die Unternehmensgruppe Lindhorst aus Winsen/Aller hat ein Auge auf den Bardowicker Ortskern geworfen. An der Großen Straße könnte eine neue „Seniorenresidenz“ entstehen mit 96 Plätzen und einer Wohnnutzfläche von rund 4400 Quadratmetern. Um dem Vorhaben den Weg zu ebnen, ist der Domflecken Bardowick gerade dabei, den Bebauungsplan zu ändern. Den ersten Vorentwurf billigte jetzt der Bauausschuss der Gemeinde einstimmig bei seiner jüngsten Sitzung im Bardowicker Rathaus. Möglicherweise könnten in die neue Einrichtung auch die Bewohner des Wittorfer Alten- und Pflegeheims „Talitha Kumi“ einziehen. „Talitha Kumi“ befindet sich seit April 2014 im Insolvenzverfahren, ein Zwangsversteigerungstermin vergangene Woche wurde kurzfristig abgewendet.

Entstehen soll das neue Seniorenheim mit zwei Vollgeschossen und ausgebautem Dachgeschoss auf dem Gelände nördlich des Lidl-Marktes im Bardowicker Altdorf. Noch stehen dort Gewächshäuser eines Bardowicker Gemüsebaubetriebs. Doch die Gewächshäuser werden bereits seit vergangenem Jahr nicht mehr genutzt, bestätigt Eigentümerin Karmin Stein. „Das Vorhaben einer Seniorenresidenz ist in unserem Sinne. So eine Einrichtung fehlt noch in Bardowick.“ Voraussetzung für den Kauf des 4800 Quadratmeter großen Grundstücks durch den Investor aus Winsen/Aller ist die Änderung des Bebauungsplans.

Die Gemeindepolitik und Verwaltung sind bemüht, den Bebauungsplan Nummer 34b „Altbereich Ost, 2. Abschnitt, Marktplatz“ so zu ändern, dass das Senioren- und Pflegeheim dort seinen Platz findet. So soll etwa auch die Firsthöhe von elf auf zwölf Meter erhöht werden. Die Haupterschließung ist über die Große Straße vorgesehen.

Auf LZ-Nachfrage sagte Jan von Hörsten, Geschäftsführer des von der Lindhorst-Gruppe beauftragten Architekturbüros „plan- & bauwerk“: „Wir planen bei den 96 Plätzen mit einer 100-prozentigen Einzelzimmerquote. Hinzu kommen eine Vollküche mit Café sowie ein Bereich für Fußpflege und Friseur.“ Sollte das Bauvorhaben den Planungen der Gemeinde nicht entgegenstehen, könne ein Bauantrag eingereicht werden, sagte Sandra Ahlers vom Bardowicker Bauamt. Von Hörsten ist zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass wir in neun Monaten das Baurecht haben.“ Ginge alles glatt, könnte die Fertigstellung im dritten Quartal 2017 erfolgen. Sollte die Seniorenresidenz umgesetzt werden, sei mit der Schaffung von rund 60 neuen Arbeitsplätzen zu rechnen, heißt es. Gleichwohl dürfte das den ohnehin hohen Druck bei der Suche nach geeigneten Pflegefachkräften weiter verschärfen. Es sei denn, die neue Einrichtung ersetzt eine andere …

Dem Marktdruck musste sich die Wittorfer Einrichtung „Talitha Kumi“ bereits 2014 beugen und Insolvenz anmelden. Seitdem leitet Insolvenzverwalter Rembert Kübel-Heising aus Salzhausen die Geschicke des Pflegeheims mit zuletzt 55 Bewohnern. Er sagt: „Erfreuerlicherweise konnte die für den 26. Januar angesetzte Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht in Lüneburg hinsichtlich des betroffenen Gebäudes aufgehoben werden. Derzeit besteht kein Grund zur Sorge — weder dass das Alten- und Pflegeheim von einer Schließung noch einer Räumung betroffen ist.“ Auch die Arbeitsplätze seien derzeit gesichert. Jedoch: „Die Einrichtung hat zwar Bestandsschutz, entspricht aber nicht mehr den Anforderungen der Heimmindestbauverordnung.“ Das dürfte einem neuen Betreiber Probleme bereiten. Aber: „Mein Bestreben ist es, die Einrichtung weiterzuführen und die Anschlussversorgung der Bewohner sicherzustellen.“

In einem Schreiben verweist er auf Gespräche mit einem Investor, der beabsichtige, in der Nähe ein neues Gebäude zu errichten. Die Alten- und Pflegeplätze könnten in das neue Gebäude übergehen. Auch die Arbeitskräfte könnten dort eine Zukunft haben. Auf Nachfrage wollte Kübel-Heising zumindest nicht ausschließen, dass es sich bei dem Investor um die Lindhorst-Gruppe handelt.

Mit Interesse beobachtet die Entwicklung Angelika Braun-Ehlers, Inhaberin des Altenheims „Älter und Aktiv“ in Handorf. Die Einrichtung plant das eigene Haus um einen weiteren Standort zu erweitern um rund 60 Plätze in Nachbarschaft zum Neubaugebiet Handorf-Süd — und nah dran an Wittorf.
Angesichts der Aktivitäten der Lindhorst-Gruppe in Bardowick sagt „Älter und Aktiv“-Inhaberin Braun-Ehlers: „Wir halten an unserem Vorhaben fest und sehen darin keine direkte Konkurrenz.“ Denn: „Wir verfolgen ein ergänzendes Konzept unter anderem mit Pflege- und Demenz-Wohngemeinschaften mit einem frei wählbaren ambulanten Pflegedienst.“ Jener Bebauungsplan ist ebenfalls noch im Verfahren.

Die Lindhorst-Gruppe plant den Bau einer neuen Seniorenresidenz im Bardowicker Ortskern zwischen Großer Straße und Blöckenstraße, nördlich des Lidl-Marktes. Grafik: google maps; plan & bauwerk; Montage: dth
Die Lindhorst-Gruppe plant den Bau einer neuen Seniorenresidenz im Bardowicker Ortskern zwischen Großer Straße und Blöckenstraße, nördlich des Lidl-Marktes. Grafik: google maps; plan & bauwerk; Montage: dth
Mehr als 91 Prozent Auslastung
In Stadt und Landkreis sind derzeit 36 vollstationäre Alten- und Pflegeheime (ohne Tagespflege) am Markt, darunter öffentliche sowie private, mittelständische Träger als auch Pflege-Ketten. Derzeit befinden sich nach Angaben des Landkreises Lüneburg fünf Einrichtungen im Insolvenzverfahren: Das Johanneshaus Dahlenburg, der Johanneshof Bleckede, das Senioren- und Pflegeheim „Reiterhof Süttorf“, das Altenheim „Haus Waldfrieden“ in Deutsch Evern sowie die Wittorfer Einrichtung „Talitha Kumi“. Der Betrieb geht trotz Insolvenz weiter. In den vergangenen fünf Jahren betrug die Auslastungsquote aller 36 Alten- und Plfegeheime in Hansestadt und Landkreis Lüneburg mehr als 91 Prozent. Folgend die Anzahl der freien und belegten Plätze, gezählt am Stichtag 30. Juni des jeweiligen Jahres.
Jahr Plätze belegt frei Auslastung
2010 2440 2010 430 82,38 %
2011 2273 2070 203 91,07 %
2012 2292 2126 166 92,76 %
2013 2291 2130 161 92,97 %
2014 2295 2144 151 93,42 %
2015 2272 2094 178 92,17 %
Laut des vom Kreis herausgegebenen Faltblatts „Senioren- und Pflegeheime“ (Stand: April 2015) reicht die Bandbreite insgesamt von 22 Plätzen („Haus Wandelfeld“ in Deutsch Evern) bis zu 171 Plätzen (Domicil-Seniorenpflegeheim Im Roten Feld, Lüneburg).