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1999 hat der damalige Samtgemeindedirektor Harald Heuer (M.) die Erschließungsgesellschaft SEB auf den Weg gebracht, heute steht er mit Verwaltungschef Laars Gerstenkorn und SEB-Chef Horst-Günter Adam im Baugebiet an der Lüneburger Straße in Scharnebeck -  das bisher größte Projekt der SEB. Foto: t&w
1999 hat der damalige Samtgemeindedirektor Harald Heuer (M.) die Erschließungsgesellschaft SEB auf den Weg gebracht, heute steht er mit Verwaltungschef Laars Gerstenkorn und SEB-Chef Horst-Günter Adam im Baugebiet an der Lüneburger Straße in Scharnebeck - das bisher größte Projekt der SEB. Foto: t&w

Der einzigartige Weg zur Million der Scharnebecker Gesellschaft

off Scharnebeck. Das Modell ist einzigartig in der Region, glaubt man dem Erfinder sogar in ganz Niedersachsen. 1999 gründete die Samtgemeinde Scharnebeck eine eigene Erschließungs- und Baugesellschaft, seitdem kümmert sich die SEB um die Entwicklung und Vermarktung von Baugebieten — eine Idee des damaligen Samtgemeindedirektors Harald Heuer, die sich für die Samtgemeinde nun erstmals in barer Münze auszahlt. Exakt eine Million Euro wird die SEB aus dem Jahresüberschuss 2014 an die Samtgemeinde als einzigen Gesellschafter ausschütten, voraussichtlich rund 800000 Euro werden nach Steuern ankommen.

Die CDU-Fraktion im Samtgemeinderat plant, den Großteil der Mittel in einen Fonds für die Mitgliedsgemeinden zu stecken. Vorerst nur eine Idee, „die wir auf politischer Ebene noch diskutieren müssen“, sagt Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU). Der Gewinnausschüttung indes hat der Rat bei seiner jüngsten Sitzung schon seinen Segen gegeben — einstimmig und begleitet von vielen lobenden Worten für Horst-Günter Adam, seit April 2009 Geschäftsführer der SEB.

Doch woher stammt der plötzliche Millionen-Gewinn der SEB? Und warum kommt er erst jetzt — 17 Jahre nach Gründung? Das gute Ergebnis der Ein-Mann-Gesellschaft 2014 erklärt Adam so: „Ein Baugebiet können wir erst endgültig abrechnen, wenn alle Arbeiten erledigt sind.“ Soll heißen: Erst wenn das letzte Grundstück verkauft und die letzte Straßenlaterne aufgestellt ist, kann man einen Strich darunter — und den Gewinn geltend machen. „Je nach Baugebiet zieht sich das über Jahre“, sagt Adam. 2014 konnte die SEB unter anderem das bisher größte Baugebiet an der Lüneburger Straße in Scharnebeck abrechnen. „Zusammen mit den Gewinnen aus den Vorjahren ergab sich daraus ein außerordentlich gutes Ergebnis — und damit die Gelegenheit zur Ausschüttung.“

Gewinnmaximierung allerdings steht laut Adam bei der SEB nicht an erster Stelle. Als Harald Heuer die Gründung der Gesellschaft 1999 auf den Weg gebracht hat, wollte er vor allem eins: „Die Mitgliedsgemeinden bei der Erschließung neuer Baugebiete unterstützen, außerdem Bauen aus einer Hand und erschwingliche Grundstücke anbieten.“ Heuers Vorstoß war nicht unumstritten, auch die SEB nicht von allen gern gesehen. Heute indes steht man im Samtgemeinderat gemeinschaftlich hinter der SEB, Tenor der jüngsten Ratssitzung: Die Geschichte der SEB ist eine Erfolgsgeschichte.

In der Region ist das Scharnebecker Modell seit Gründung trotzdem einmalig geblieben. Andere Kommunen kümmern sich um die Erschließung ihrer Baugebiete entweder selbst oder sie geben es in die Hand externer Erschließungsträger — mitsamt Verlustrisiko und Gewinnchancen.

Die Stadt Lüneburg setzt bei der Baugebiets-Erschließung auf die Zusammenarbeit mit der 100-prozentigen Sparkassen-Tochter „IDB“. Das sei traditionell so gewachsen, erklärt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. „Außerdem geht es bei uns um ganz andere Größenordnungen, oft haben wir mit Altlasten zu tun, da sind die Risiken deutlich höher, die wollen wir uns als Stadt nicht noch anlasten.“

In der Gemeinde Soders­torf indes kümmert sich Bürgermeister Roland Waltereit selbst um die Erschließung und Vermarktung des neuen Baugebiets. Ein externer Erschließungsträger kommt für ihn nicht in Frage. Und auch eine Gesellschaft wie in Scharnebeck hält er für überflüssig. „Es muss kein Dritter an unserem Gebiet verdienen“, sagt er, „und auch das Geschäftsführer-Gehalt bei einer kommunalen Gesellschaft können wir uns sparen.“ Stattdessen stemmt er die Aufgabe im Ehrenamt — und zwar gerne. „Ich habe große Freude daran, alle Neubürger direkt kennenzulernen“, sagt Waltereit. „Außerdem gelingt es uns auch, dass die Gemeinde einen fairen Anteil bekommt.“

In Scharnebeck arbeitet SEB-Chef Adam unterdessen an der Jahresabrechnung 2015. Ob die der Samtgemeinde erneut einen warmen Geldregen bescheren könnte, verrät er nicht. Eins allerdings ist klar: „Die Nachfrage nach Bauplätzen in der Samtgemeinde ist ungebrochen.“