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Der VW-Abgasskandal ist im beschaulichen Stöckte angekommen. Mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail gestaltete die Baugruppe Tresencowboys ihren Motivwagen beim Faslamsumzug. Foto: t&w
Der VW-Abgasskandal ist im beschaulichen Stöckte angekommen. Mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail gestaltete die Baugruppe Tresencowboys ihren Motivwagen beim Faslamsumzug. Foto: t&w

Kreative Motivwagen begeistern beim Festumzug der Stöckter Faslamsbrüder + + + Mit Fotogalerie und Videos

emi Stöckte. Der Himmel ist wolkenverhangen, der Boden entlang des Deichweges matschig, doch der Stimmung tut das keinen Abbruch. Angela Merkel ist da, genauso wie Obelix und Petzi, der Bär: Als riesige Figuren aus Draht, Holz, Stoff und Pappmaschee thronen sie auf den Wagen des Festumzugs der Faslamsbrüder Stöckte. Schon vor dem offiziellen Beginn sind die Narren im Querweg in Feierlaune, singen, trinken, tanzen und warten auf den Startschuss. Um kurz nach 12 Uhr am Sonntagmittag ist es dann endlich soweit: Angeführt von der Kutsche der Faslams-eltern und der Garde nimmt die bunte Kostüm-Parade mit insgesamt 20 Motivwagen und zwei Fußgruppen Kurs auf die Winsener Innenstadt.

„Faslaaaam“, schallt es aus unzähligen Kehlen, Musik wummert aus den Boxen, Bonbons regnen auf die kleinen und großen Zuschauer am Straßenrand herab. Der fünfjährige Michel und sein zweijähriger Bruder Emil, beide im „Minions“-Kostüm mit gelben Mützen und großen Augen darauf, sind so fasziniert, dass sie fast vergessen, in die Kamera des LZ-Fotografen zu winken.

Vor dem Wagen zum Thema „45 Jahre Sendung mit der Maus“ läuft Nadine Fascher. Zusammen mit den weiteren 18 Mitgliedern der „Baugruppe Fascher“ hat die 34-Jährige rund sieben Wochen lang an Motiven und Kostümen gefeilt. „Die Männer haben den Wagen gebaut, die Frauen saßen an der Nähmaschine“, erzählt sie, das Gesicht halb unter einem orangefarbenen Mauskostüm verborgen. Fast 3000 Euro haben die Wagenbauer in ihr Kunstwerk mit Ente, Maus und Elefant gesteckt. Warum? „Weils Spaß macht“, antwortet Nadine Fascher lapidar.

Spaß steht auch bei der „Baugruppe Tresencowboys“ an erster Stelle. Bis in die Nacht hinein haben die 31 Mitglieder an ihrem Wagen gewerkelt, mit dem sie den VW-Abgasskandal auf die Schippe nehmen. Eine große Flasche ist auf dem vordersten Wagen montiert. „Das ist unser Winterkorn“, verrät der 21-jährige Carsten Gehrdau schmunzelnd. Danach folgen ein VW-Bully, ein General in Uniform mit US-Flagge in der Hand — „General Motors“ — sowie ein überdimensionaler Wolf mit rotglühenden Augen. Rund 3000 Euro hat die Gruppe in ihre humorvolle Präsentation gesteckt. „Wir hoffen, damit in der Wertung wieder weit nach vorn zu kommen“, sagen die Vorjahressieger.

Ein politisches Thema hat auch die 23-köpfige „Baugruppe Sievers“ gewählt: „Griechenlandkrise ahoi“ heißt das 2600 Euro teure Gesamtkunstwerk. Den vorderen Teil des Wagens ziert Angela Merkel, aus deren nacktem Po Ein-Euro-Stücke kullern. Die Kanzlerin zieht ein riesiges Schiff mit Segeln in den Farben Griechenlands hinter sich her — „sie holt symbolisch den Karren aus dem Dreck“, erklärt Anna Ruschmeyer. Politiker zu veräppeln und Gemeinschaft zu erleben, das sind zwei wichtige Faslamszutaten für die 27-Jährige.

Der Höhepunkt ist wie in jedem Jahr der Einzug in die Winsener Innenstadt, wo rund 30000 Zuschauer jubelnd die Straßen säumen. Wenn die Bonbons fliegen und Kinderaugen leuchten — dann wissen Nadine Fascher, Carsten Gehrdau und all die anderen Umzugs-teilnehmer, dass sich Zeit und Geld gelohnt haben.

Fotos: t&w

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