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Die Jeetzel gehört teilweise dem Bund, doch von dem Stück in Hitzacker, wo sie in die Elbe mündet, will sich der Bund trennen. Foto: nh
Die Jeetzel gehört teilweise dem Bund, doch von dem Stück in Hitzacker, wo sie in die Elbe mündet, will sich der Bund trennen. Foto: nh

Warum die Stadt Hitzacker ein Stück der Jeetzel kaufen will

rg Hitzacker. Wem gehören eigentlich die Flüsse in Deutschland? Die Elbe etwa, oder auch — etwas kleiner — die Jeetzel? Bei der Elbe ist es einfach: Sie ist eine Bundeswasserstraße und gehört dort, wo sie durch Deutschland fließt, der Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise wird von Bundesbehörden verwaltet. Und die Jeetzel? Die gehört auch teilweise dem Bund, nämlich da, wo sie dem Schiffsverkehr dient. Etwa in Hitzacker, wo sie in die Elbe mündet. Doch von diesem Stück der Jeetzel will sich der Bund trennen, will es über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verkaufen — meistbietend. Dieses Vorhaben stößt in Hitzacker nun auf wenig Verständnis. Dort befürchtet man nun, dass das Jeetzelstück in private und damit möglicherweise falsche Hände geraten könnte — und will den Flussabschnitt zwischen der Drawehnertorbrücke und der Elbmündung selbst erwerben. Wenn es unbedingt sein muss.“Die Jeetzel in diesem Bereich gehört in öffentliche Hand“, sagt Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins. Schließlich sei der Flussabschnitt wichtig für Hitzacker, gehöre zur touristischen Infrastruktur der Stadt und der Region. „Dort liegt ein gastronomischer Betrieb auf einem Floß, dort legt das Sofafloß an, dort liegt das ehemalige Zollboot Hecht, mit dem man Ausfahrten machen kann und das als Trauort gewidmet ist“, erläutert Mertins. Auch die Schiffe der Reederei Heckert legen dort an und nehmen Passagiere und nicht selten ganze Hochzeitsgesellschaften an Bord; regelmäßig kommen Flusskreuzfahrtschiffe die Jeetzel hinaufgefahren. „Wer weiß, ob das alles so noch möglich ist, wenn der Flussabschnitt einem Privatmann gehört“, sagt Mertins. „Das ist wichtig für uns, wichtig für die Betriebe.“ Daher nun der Vorstoß, die Idee, die Jeetzel selbst zu kaufen.

Obwohl man es lieber sähe, wenn man sich nicht selbst in dieser Richtung engagieren müsste, sagt Holger Mertins. „Eigentlich finden wir, dass zunächst einmal das Land oder der Landkreis dafür sorgen müssten, dass die Jeetzel in Hitzacker in öffentlicher Hand bleibt“, betont der Elbestadt-Bürgermeister. Denn zum einen ist Hitzacker notorisch knapp bei Kasse, müsste den Kaufpreis und die noch gar nicht kalkulierbaren Unterhaltungskosten irgendwie im eh schon knappen Haushalt unterbringen und dafür womöglich an anderer, schmerzvoller Stelle sparen. Zum anderen sieht Mertins Land und Kreis auch in der Pflicht: das Land wegen der Hochwasserschutzeinrichtungen in Hitzacker und an der dortigen Jeetzel, und den Kreis, weil die Jeetzel ja nicht nur durch Hitzacker fließe, sondern durch den ganzen Landkreis.

Doch sowohl in Hannover als auch in Lüchow habe man bereits abgewinkt, moniert Mertins. Also wird es wohl an Hitzacker hängen bleiben, die Jeetzel dort in öffentlicher Hand zu halten. Einen entsprechenden Beschluss fasste jüngst auch der Bauausschuss der Stadt und zwar einstimmig. Das letzte Wort hat jedoch der Stadtrat. Auf einer seiner nächsten Sitzungen wird er darüber entscheiden, ab man der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Angebot macht. Oder erst einmal weitere Informationen einholt. Etwa über den Kaufpreis. Eine Wertermittlung habe nämlich noch nicht stattgefunden, teilte die Verwaltung den Bauausschussmitgliedern mit. Entsprechend stehe auch noch nicht fest, was der Bund für das Jeetzelstück haben will. Vielleicht lässt sich bis dahin ja auch herausfinden, ob und in welchem Maße die Stadt an dem Flussstück Unterhaltungsarbeiten vornehmen muss, und wie sehr dies das klamme Stadtsäckel belasten würde.