Aktuell
Home | Lokales | Pflegedienst im Umbruch
Der Referent Christian Dyckerhoff (r.) mit einem Trio, das für die Arbeit der Lüneburger Johanniter steht (v.l.): Matthias Schmeling von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft, Subkommende-Leiter Christof von Borries und Sabine Andersen, Leiterin des Posener Altenheims. Foto: be
Der Referent Christian Dyckerhoff (r.) mit einem Trio, das für die Arbeit der Lüneburger Johanniter steht (v.l.): Matthias Schmeling von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft, Subkommende-Leiter Christof von Borries und Sabine Andersen, Leiterin des Posener Altenheims. Foto: be

Pflegedienst im Umbruch

rast Lüneburg. Unter dem achtspitzigen Kreuz des Johanniterordens werden in bundesweit acht Akutkrankenhäusern, vier Reha- und Fachkliniken, in 92 Senioren- und Pflegeheimen sowie mit den breiten Aktivitäten der Johanniter-Unfallhilfe mit 25000 hauptamtlichen Mitarbeitern und 35000 ehrenamtlich Tätigen Einnahmen von jährlich gut 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Diese beeindruckenden Zahlen nannte Christian Dyckerhoff, Werkmeister, also in etwa der Verwaltungsleiter des Ordens, in seiner Festrede zum Neujahrsempfang der Subkommende Lüneburg in der St.-Michaeliskirche vor rund 200 Gästen aus dem öffentlichen Leben. Gerade im Bereich der Kliniken und Heime stehe der Orden vor großen Herausforderungen: „Doch ich bin zuversichtlich, dass wir diese He­rausforderungen meistern.“

Dyckerhoff hatte seinen Vortrag unter den Titel „Wir schaffen das! — Schulterschluss zwischen Ordenswerken und Orden in herausfordernden Zeiten gestellt“, das Wort der Kanzlerin aber auf die Tätigkeitsfelder der Johanniter beschränkt und diese vorgestellt. So auch das Wirken in den Senioren- und Pflegeheimen. „Der Markt für Pflegedienstleistungen ist in einem tiefgreifenden Umbruch begriffen“, sagte der Referent: „Das wirtschaftliche Wohl jeder Einrichtung hängt daran, mehr als 96 Prozent im Durchschnitt eines Jahres ausgelastet zu sein.“ Das sei den Johannitern gelungen, ihre Häuser hätten 2015 mehr als 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Wie ihren Kliniken, so versuchen die Johanniter auch, den Alteneinrichtungen einen vom christlichen Gedankengut getragenen Geist zu geben, Dyckerhoff: „Dies ist in den einzelnen Häusern selbst nicht unumstritten. Wir haben zum Beispiel Häuser, in denen das allgemeine Tischgebet vor den Mahlzeiten auf Wunsch der Einwohner abgeschafft wurde. Eine Entwicklung, die man meines Erachtens heute in einer pluralistischen Gesellschaft akzeptieren muss.“ In den Häusern nehme die Betreuung von dementen Menschen an Bedeutung rapide zu. Und da die häusliche Pflege zunehme, sinke die Verweildauer in den Heimen: „In die Einrichtungen kommen für einen Aufenthalt auf Dauer zunehmend nur noch die, die zu Hause aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands trotz aller externer Hilfe, die ambulante Pflegedienste heute zur Verfügung stellen, nicht mehr gehalten werden können.“ Die Nachfrage nach temporärer, stationärer Pflege steige ständig: „Angehörige, die über das Wochenende oder in Ferien verreisen wollen, nehmen gerne die Dienste der Johanniter-Alteneinrichtungen für ihre kranken und alten Familienmitglieder in Anspruch. Ebenso Menschen, die nach einem Klinikaufenthalt noch nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Sie bleiben gerne bei uns, bis sie wieder zu Kräften gekommen sind.“

Solche Entwicklungen erfordern laut Dyckerhoff nicht nur Investitionen, sondern auch eine neue, deutlich flexiblere Organisation: „Und die Einrichtungen müssen sich darauf einstellen, zukünftig überwiegend Menschen zu betreuen, welche die höchste Pflegestufe benötigen und nicht mehr lange, häufig nur für den allerletzten Lebensabschnitt, bleiben.“ Eine Herausforderung sei auch der Fachkräftemangel. Hier starten die Johanniter gerade eine Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit: Junge Menschen werden in anderen Ländern angeworben, lernen in ihrer Heimat Deutsch und absolvieren dort eine Ausbildung, orientiert an den deutschen Anforderungen. Nach drei Jahren sollen sie dann nach Deutschland kommen, um hier ihren Dienst als Pflegerinnen und Pfleger zu versehen.

Vor der Festrede hielt Michaelis-Pastor Stephan Jacob eine Andacht. Subkommende-Leiter Christof von Borries, der seit Januar die hauptamtliche Leitung der Dienststellen der Johanniter Unfallhilfe (JUH) in Lüneburg und Uelzen übernommen hat und die Subkommende-Leitung im März an Volker Bescht abgibt, hatte das breite Spektrum der Arbeit der Subkommende, der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Lüneburg-Dannenberg, der JUH-Ortsverbände Lüneburg und Uelzen, des Johanniterhauses Dannenberg und des Posener Altenheims in Lüneburg vorgestellt.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Ulrike Schmeling (Orgel), Stefanie Schmöckel (Violoncello) und Petra Kalusa (Flöte).