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Daniela Krüger steht an einer der Wohneinheiten, die in der ehemaligen Kantine aus Grobspanplatten entstanden sind. Auf den Gängen stapeln sich noch die Stühle, die unter anderem auch im Speisesaal aufgestellt werden. Foto: t&w
Daniela Krüger steht an einer der Wohneinheiten, die in der ehemaligen Kantine aus Grobspanplatten entstanden sind. Auf den Gängen stapeln sich noch die Stühle, die unter anderem auch im Speisesaal aufgestellt werden. Foto: t&w

Vrestorfer Weg: Flüchtlingsquartier in der Kantine

as Lüneburg. Es wirkt ein bisschen wie ein Bausetzkasten, was in der ehemaligen Kantine des Edeka-Gebäudes am Vrestorfer Weg in den vergangenen Wochen entstanden ist. Aus 2,50 Meter hohen Grobspanplatten haben Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft 25 Wohneinheiten errichtet, jeweils 30 Quadratmeter groß. Jede bietet Platz für bis zu vier Betten, zwei Tische und zwei Spinde. Statt einer Tür gibt es bunte Vorhänge. Die Möblierung läuft auf Hochtouren. Am kommenden Dienstag werden die ersten 25 Flüchtlinge in die neue Gemeinschaftsunterkunft Vrestorfer Weg II einziehen.

Heute, Sonnabend, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr können sich Interessierte beim Tag der offenen Tür über die Einrichtung informieren. Vor Ort sein werden die beiden Sozialarbeiter, die die Unterkunft betreuen, sowie die Teamleiterin Asyl Anke Warnecke und Daniela Krüger vom Sozialdezernat, das zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Hansestadt ist.

René Sodemann, Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft, packt beim Aufbau der Betten mit an. Foto: t&w
René Sodemann, Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft, packt beim Aufbau der Betten mit an. Foto: t&w

Die anhaltenden Zuweisungsquoten stellen die Stadt weiter vor große Herausforderungen, 25 bis 30 Menschen kommen derzeit pro Woche (LZ berichtete) und man kann davon ausgehen, dass es ab Frühjahr wieder mehr werden. Die Stadt hat zwar frühzeitig ein Konzept zur dezentralen Unterbringung auf den Weg gebracht, aber die Umsetzung wie die Errichtung von Festbauten und mobilen Containeranlagen braucht seine Zeit. „Die Umnutzung der ehemaligen Kantine als Unterkunft war kurzfristig umsetzbar“, sagt Daniela Krüger. „Wir haben geguckt, wie man mit einfachen Mitteln das Ganze so gestaltet, dass es die Hallenoptik verliert und ein Stück Privatsphäre gewährleistet ist.“ So wurden zum Beispiel die einzelnen Wohneinheiten leicht versetzt, „um die Einsichtsmöglichkeiten einzuschränken“. An den Stirnseiten finden sich – aus alten Tagen – die Sanitäranlagen, getrennt nach Geschlechtern. Zusätzlich zu Vorhandenem wurden einfache Duschen eingebaut. Im Speisesaal soll es Vollverpflegung geben, „das Essen wird vorerst geliefert“, sagt Daniela Krüger.

80 Plätze bietet die Gemeinschaftsunterkunft Vrestorfer Weg II, die sich in der Nähe der Container-Anlage Vrestorfer Weg I (58 Plätze) befindet. Als Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Sozialdezernentin Pia Steinrücke im vergangenen Dezember die Planung bei einer Anwohnerversammlung vorgestellt hatten, hieß es, die Unterkunft solle voraussichtlich zur kurzen Überbrückung sein. Daniela Krüger macht deutlich, dass man im Moment nicht sagen kann, wie lange es dauert, bis Flüchtlinge in anderen Unterkünften untergebracht werden können. Das hänge vom Umfang der künftigen Zuweisungen ab und wie schnell die Stadt Unterbringungsmöglichkeiten schaffen kann. Die Kantinen-Räume hat die Stadt für vier Jahre angemietet.

Ansprechpartner für die Bewohner sind zwei Sozialarbeiter. Nachts, an Wochenenden und Feiertagen sind zwei Wachdienstleute zugegen. „Wir möchten möglichst gleich Sprachunterricht vor Ort anbieten“, denn das Erlernen der deutschen Sprache ist eine Voraussetzung für eine gelingende Integration. Deshalb werden Kinder und Jugendliche auch umgehend für den Kita- und Schulbesuch angemeldet. „Wir sind froh über das große ehrenamtliche Engagement vieler Bürger, das es in allen Unterkünften gibt und hoffen auch hier auf Unterstützung“, macht Krüger deutlich. Ansprechpartner sind die Sozialarbeiter vor Ort oder Ehrenamtskoordinator Martin Boeing, unter Tel.: 3 09 33 44.

Jeder Dritte aus Syrien

Mit Vrestorfer Weg II stellt die Stadt insgesamt 13 Gemeinschaftsunterkünfte zur Verfügung. Nach aktuellem Stand leben dort 878 Menschen. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien (283), Irak (141), Afghanistan (133), Sudan (109) und Iran (44). Informationen zu den einzelnen Unterkünften und Ansprechpartnern bietet die Stadt auf ihrer Internetseite www.lueneburg.de an.