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Eine alltägliche Szene: Stephanie Schwarz muss nach Feierabend noch etwas für ihr Studium tun, Tochter Charlotte passt auf, dass ihre Mutter das auch ordentlich macht. Foto: t&w
Eine alltägliche Szene: Stephanie Schwarz muss nach Feierabend noch etwas für ihr Studium tun, Tochter Charlotte passt auf, dass ihre Mutter das auch ordentlich macht. Foto: t&w

Professional School der Leuphana: Studenten üben sich im Spagat

An der Professional School der Leuphana können Frauen und Männer, die bereits berufstätig sind, neben ihrem Job studieren. Die Einrichtung blickt nunmehr auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. LZ-Volontärin Anna Paarmann hat sich zum ersten runden Geburtstag mit dem Leiter über die Entwicklung unterhalten und mit zwei Studenten über ihre Beweggründe für das berufsbegleitende Studium gesprochen.

Lüneburg. Stephanie Schwarz bringt ihre Tochter in die Kita und fährt direkt weiter nach Geesthacht. Dort arbeitet sie als Pflegefamilienberaterin – in Teilzeit, „mehr wäre nicht machbar“, sagt sie. Um 15 Uhr muss Tochter Charlotte wieder abgeholt werden. Feierabend hat Stephanie Schwarz dann nicht, der Schreibtisch wartet. Die junge Frau ist nicht nur berufstätig und Mutter, sie studiert soziale Arbeit für Erzieherinnen an der Leuphana.

Die Professional School bietet den berufsbegleitenden Studiengang an. 300 Praxisstunden sind im Bachelor vorgegeben, die absolviert Schwarz jeden Montag für zwei Stunden in einer Mädchengruppe. Auf die dreijährige Charlotte passt montags dann die Oma auf. „Die Kleine macht das gut mit, aber ich könnte es nicht mit mir vereinbaren, wäre sie länger als sechs Stunden in der Kita.“ Ehemann Oliver biete in den Abendstunden viel Halt, wenn Schreibtisch-Arbeit ansteht.

Vor der Geburt lebte das Paar in Hamburg, Stephanie Schwarz arbeitete als stellvertretende Leiterin einer Kindertagesstätte. Danach wechselte sie ins vergleichbar ruhige Lüneburg. „Ich wollte gern Einblick in ein anderes Arbeitsfeld bekommen“, sagt die 28-Jährige, die sich während ihrer Elternzeit an der Leuphana bewarb – mit Erfolg. Mit der Freude kamen auch Sorgen. Wie soll sie das Studium finanzieren? 7350 Euro kosten die sieben Semester, hinzu kommen je 330 Euro Gebühren und Beiträge.
Sie bewirbt sich auf eine Stelle in Geesthacht, die für Sozialpädagogen ausgeschrieben ist – das Berufsfeld, in das die junge Mutter so gern hinein möchte. Auch hier kann sie überzeugen, passt genau in das Profil des Unternehmens, obwohl sie die geforderten Kompetenzen erst gerade erlernt. „Es war schon eine Bedingung, dass ich mein Studium auch beende.“ Für Stephanie Schwarz ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Die Kombination passt. Die erlernten Beratungstechniken kann sie direkt in Gesprächen mit leiblichen Müttern und Pflegeeltern anwenden. Sie lernt wichtige Hintergrundinformationen zu Krankheiten, kann das theoretische Wissen im Alltag umsetzen. „Das ist optimal.“

Stephanie Schwarz ist in ihrem Studiengang eine der wenigen, die auch die Studienkosten nicht selbst tragen muss. Mit ihrem guten Notendurchschnitt überzeugt sie die SBB-Stiftung und erhält ein Stipendium. Nur die Semesterbeiträge muss sie aus eigener Tasche berappen. Die Dreifachbelastung meistert sie durch strenge Koordination, nur dann sei es mit Kind machbar. „Es kommt immer auf den eigenen Anspruch an“, sagt die Lüneburgerin, bei ihr sei der sehr hoch – schon immer. „Am Anfang meines Studiums hatte ich ein Seminar zum Thema ‚Work-Life-Balance‘. Dort habe ich gelernt, die Dinge gelassener anzugehen“, erzählt sie. Aber auch, sich auf den Hosenboden zu setzen. Denn ohne Vor- und Nachbereitungszeit bleiben die Studieninhalte nicht hängen, die Präsenzzeit beschränkt sich auf zwei Tage pro Monat. „Ich arbeite hauptsächlich zu Hause“, sagt Stephanie Schwarz, „oder in Arbeitsgruppen mit Kommilitonen.“ Zu Abgabezeiten von Hausarbeiten sitzt die Studentin fast täglich vor ihrem Laptop.

Im nächsten Jahr hat sie ihren Bachelor in der Tasche. Dann fehlt noch die staatliche Anerkennung als Erzieherin. Eigentlich ist hierfür eine einjährige Vollzeit-Tätigkeit notwendig, bei Stephanie Schwarz wird diese aufgrund ihrer Anstellung in der Pflegefamilienberatung verkürzt, ein halbes Jahr muss sie nach dem Abschluss noch in Vollzeit arbeiten. „Dann ist das Paket komplett, für die fünf Jahre danach habe ich noch keine Pläne.“