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Eine Auszeichnung in Form einer Kuh gab es für alle Höfe mit Milchkühen, die eine Lebensleistung von über 100000 Litern haben. 19 Tiere erreichten 2015 die Marke. Ringvorsitzender Hans-Peter Meyn (5. v. l.) und Regionalleiter Jürgen Thiele (l.) nahmen die Ehrung vor. Foto: fw
Eine Auszeichnung in Form einer Kuh gab es für alle Höfe mit Milchkühen, die eine Lebensleistung von über 100000 Litern haben. 19 Tiere erreichten 2015 die Marke. Ringvorsitzender Hans-Peter Meyn (5. v. l.) und Regionalleiter Jürgen Thiele (l.) nahmen die Ehrung vor. Foto: fw

Kontrollring Lüneburg-Winsen: Milchpreis im Fokus

fw Handorf. Die Höfe und die Herden werden größer, die Milchleistung der Tiere steigt, und trotzdem werden viele Milchbauern von Existenzängsten gebeutelt. Das wurde jetzt bei der Mitgliederversammlung des Milchkontrollrings Lüneburg-Winsen deutlich. Die Erzeuger aus der Region gehören zu den besten Niedersachsens. Trotzdem macht der niedrige Milchpreis ihnen schwer zu schaffen.

Immerhin hat sich das Höfesterben verlangsamt. Nachdem in den letzten Jahren jeweils fünf Betriebe im Gebiet des Kontrollrings Lüneburg-Winsen aufgaben, war es im vergangenen Jahr nur einer. Doch ein Blick auf die Zahlen der letzten 20 Jahre offenbart, dass die Zahl der Betriebe immer kleiner wird. 1995 gab es im Gebiet des heutigen Kontrollrings rund 320 Betriebe. Heute sind davon gerade einmal 116 übrig. Die Zahl der Kühe dagegen blieb konstant. Standen auf den Höfen vor 20 Jahren noch durchschnittlich 30 bis 40 Kühe, sind es heute beinahe 100 Tiere.

Und auch, wenn die Qualität der Milch aus der Region Lüneburg-Winsen hervorragend ist, so bringt das Lebensmittel kaum noch Geld ein. „Auch wenn die Milchpreise vor einem jahr schon auf Talfahrt waren, so rechnete doch kaum einer damit, dass der Preisausschlag nach unten so tief und so anhaltend sein würde“, ist sich der Vorstand des Milchkontrollverbandes Elbe-Weser einig. Der Grund für die Preis-Talfahrt: Das Ende der Milchquote im Frühjahr 2015.

Auch für den Milchkontrollring, für den die Qualität der erzeugten Milch im Fokus seiner Arbeit steht, war 2015 kein einfaches Jahr. Erst musste aufgrund eines Formfehlers die eigentlich bereits abgeschlossenene Fusion der Kontrollringe zum Verband Elbe-Weser ein zweites Mal durchexerziert werden, dann kostete ein Steuerstreit den Verband rund 1,25 Millionen Euro.

Einen großen Teil dieser Summe musste man auf die Mitgliedsbetriebe umlegen, die ohnehin finanziell gebeutelt sind. „Dieses Jahr wird ruhig, aber in den nächsten Jahren muss wohl mit Beitragserhöhungen gerechnet werden“, warnte der Ringvorsitzende Hans-Peter Meyn die Mitgliederversammlung schon einmal vor.

Wege aus der Krise hatte auch die Referentin des Gastvortrages, Pastorin Ricarda Rabe vom Landwirtschaftlichen Sorgentelefon, nicht zu bieten. Stattdessen referierte sie über den richtigen Umgang damit. „Es gibt drei Strategien zur Bewältigung. Tot stellen, weglaufen und kämpfen“, so Rabe. Die erste Strategie sei keinesfalls eine Lösung. Im Angesicht der Krise nichts zu tun, sei wenig sinnvoll. Über eine Betriebsaufgabe nachzudenken allerdings, sei keine Schande, sondern manchmal der richtige Schritt auf der Suche nach einem neuen Weg. Wer sich bereit erkläre zu kämpfen, für den sei es wichtig, die eigenen Kräfte realistisch einzuschätzen und schnell nach Mitstreitern zu suchen.

Applaus gab es nicht nur für die Referentin, sondern auch für die zahlreichen Betriebe, die im Laufe der Versammlung geehrt wurden. Über den Titel „Milchprofi“ darf sich der Betrieb Wolfgang Dittmer aus Lüdershausen, der in der Region Ost Rang drei erreichte, freuen. Das LBZ Echem landete auf Platz sechs, gefolgt vom Betrieb Marcus Dittmer aus Barum.

Eine Modellkuh für die Leistung ihrer „100000-Liter-Kühe“ erhielten die Höfe Johann Fehlhaber (Wittorf), Jan Benecke (Scharmbeck), Jan Homann (Oldershausen), Milchhof Achterdeich (Stelle), Rolf Müller (Gödenstorf), Wolfgang Dittmer (Lüdershausen), Heinz Tangermann (Handorf), Olav Suer (Krümse, LBZ Echem), Alex Dittmer (Oldershausen) und Frank Otten (Sottorf).