Donnerstag , 29. September 2016
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Lena Heuer (v.l.), Christina Mikalo, Pia Wilhelm, Deike Albers und Annika Müller haben zusammen einen Selbsttest für Gärtner entworfen, um auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam zu machen. Foto: t&w
Lena Heuer (v.l.), Christina Mikalo, Pia Wilhelm, Deike Albers und Annika Müller haben zusammen einen Selbsttest für Gärtner entworfen, um auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam zu machen. Foto: t&w

Naturschutzbund warnt vor Insektensterben +++ mit Selbsttest für Gärtner

ap Lüneburg. Mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in Deutschland ist vom Aussterben bedroht. In manchen Gegenden gibt es gar keine mehr, wissen Deike Albers, Pia Wilhelm, Lena Heuer, Christina Mikalo und Annika Müller. Die Studentinnen der Leuphana Universität Lüneburg möchten ihren teil dazu beitragen, dass Lüneburg bienenfreundlicher wird. Dazu haben sie auch einen Selbsttest für Privat- und Schrebergärtner entworfen, mit dem jeder nachvollziehen kann, ob sein eigener Garten eine Oase für Bienen ist oder warum die Insekten womöglich im großen Bogen daran vorbeifliegen.

Im Rahmen einer Projektarbeit sollten sich die Studentinnen der Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften mit dem Thema Bienen im Stadtbereich auseinandersetzen. „Honigbienen sind durch die Imker versorgt, Wildbienen aber nicht“, wissen die jungen Frauen mittlerweile. Hilfe holten sich die Studentinnen bei Experten, sprachen mit dem Naturschutzbund (Nabu), dem Netzwerk Blühende Landschaft, einem Imker, einem Gärtner und Redakteuren der Zeitschrift „Gartenflora“. Zusammen erarbeiteten sie 15 Fragen für einen Selbsttest. „Jeder soll damit herausfinden, ob sein Garten schon ein Wildbienenparadies ist oder ob er noch bienenfreundlicher gestaltet werden kann“, erklärt Deike Albers.

Deike Albers hat zusammen mit vier Kommilitoninnen einen Selbsttest für Gärtner erarbeitet. Damit wollen sie auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam machen. Foto: t&w
Deike Albers hat zusammen mit vier Kommilitoninnen einen Selbsttest für Gärtner erarbeitet. Damit wollen sie auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam machen. Foto: t&w

Der Test teilt sich in drei Problemzonen: Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten, Nahrungsangebot und Gefahren. Auf den letzten Seiten sind Handlungsempfehlungen zu finden: Für den ersten Testteil sind beispielsweise drei Antworten möglich. „Klasse, Sie benötigen gar keine Handlungsempfehlungen mehr“, „Nur keine Panik“ und „Sie machen bereits vieles richtig“ sind Sätze, die Gärtnern dabei helfen sollen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren, erklären die Studentinnen. „Wir fordern ja keine Totalveränderung, sondern kleine Schritte. Dann merken die Gärtner auch, wie schön es ist, wenn die Bienen im Sommer summen.“

Auch den Studentinnen hat die Entwicklung des Tests die Augen geöffnet. „Eigentlich ist es erschreckend, wie wenig man vorher darüber wusste“, sagt Albers, die Wildbienen vorher für Ameisen mit Flügeln hielt. Die fünf jungen Frauen kaufen jetzt nur noch Bio-Honig von hiesigen Imkern. „Und wir freuen uns schon auf unsere eigenen Gärten.“

Die Studentinnen haben mit dem Thema Bienensterben ein wichtiges Thema behandelt, findet Thomas Mitschke, Vorsitzender des Nabu Lüneburg. Denn nicht nur mit den Bienenzahlen gehe es stetig bergab: Auch die Zahl der Fluginsekten sei in Teilen Deutschlands dramatisch zurückgegangen. Als Beispiel nennt er Nordrhein-Westfalen mit einem Abfall von 80 Prozent. Das Aussterben habe vor allem fatale Auswirkungen auf die Nahrungskette. „Besonders die Vögel sind auf eiweißhaltige Insekten angewiesen“, weiß Mitschke.

„Es fehlt an Nistplätzen und an Nahrung, durch das regelmäßige Mähen kommen die Wiesen nicht mehr zum Blühen. Jeder Einzelne sollte sich in seinem Garten für mehr Blütenreichtum einsetzen, das fängt schon mit dem Pflanzen von Kräutern auf dem Balkon an.“
Nabu-Vorsitzender Thomas Mitschke

Aber Flächen, auf denen Pflanzen wachsen, werden gerade in der Stadt immer rarer. Ursache sind Mitschke zufolge Privat- und Kleingärtner, die immer oberflächlicher würden. „Aber wie erreicht man die? Die Gartengestaltung entwickelt sich immer mehr hin zu einem Wohnzimmer, alles ist auf- und ausgeräumt, zu intensiv gepflegt“, bemängelt er. Dabei seien sie selbst auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. „Es fehlt an Nistplätzen und an Nahrung, durch das regelmäßige Mähen kommen die Wiesen nicht mehr zum Blühen.“ Besonders Wildbienen, die solitär leben, seien auf spezielle Pflanzen angewiesen und diese auch auf die Bienen. „Jeder Einzelne sollte sich in seinem Garten für mehr Blütenreichtum einsetzen, das fängt schon mit dem Pflanzen von Kräutern auf dem Balkon an.“

Nabu und Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) haben als Gegenmaßnahme zusammen neue Strategien ausgearbeitet, wollen nun im Frühjahr beispielsweise Wildblumenwiesen an der Bockelmannstraße anlegen. „Dort werden wir zwei verschiedene Arten säen, eine, die auf trockenere Luft ausgerichtet ist und eine für feuchtere.“ Denn unmittelbar an der Ilmenau habe man es mit beiden Zuständen zu tun. Ein weiteres Hauptaugenmerk sind Patenschaften für kleinere Grünflächen, bei denen Lüneburger in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft die Pflege übernehmen könnten – eine „Arbeitserleichterung“ für die AGL, wie Mitschke findet.
„Als BUND und Nabu mit ihren Anliegen an die Stadt herantraten, sind sie damit bei uns auf fruchtbaren Boden gefallen“, bestätigt AGL-Geschäftsführer Lars Strehse. Bei dem Thema Blühwiesen an der Bockelmannstraße hoffe er auf eine langfristige Zusammenarbeit. Er lässt aber auch Kritik durchklingen: „Blühwiesen sind in Norddeutschland kein natürlicher Zustand.“ Würde man die Flächen nicht bewirtschaften, würden wieder Wälder entstehen, sagt Strehse, unterstützt den Nabu aber dennoch mit Arbeitsleistung und Ideen. „Nicht umsonst beschäftigen wir 50 hauptamtlich ausgebildete Gärtner.“ Dennoch sei man an jedem Bürgerengagement interessiert, vor allem bei kleinen Grünflächen wie Baumscheiben oder Straßenbegleitgrün. Bei öffentlichen Grünanlagen müsse die AGL aber verschiedenen Nutzungsvorstellungen gerecht werden.

Sie möchten testen, wie bienenfreundlich Ihr Garten ist? Hier können Sie sich die PDF-Datei herunterladen:

Selbsttest für Gärtner