Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Immer häufigern bleiben die Tische leer; Lokale an der Schröderstraße klagen über weniger Gäste. Foto: t&w
Immer häufigern bleiben die Tische leer; Lokale an der Schröderstraße klagen über weniger Gäste. Foto: t&w

Schröderstraße: Abends bleiben die Gäste weg

ca Lüneburg. Wenn man mit Wirten spricht, sagen sie, ihr Umsatz sei in Ordnung. Wenn man dann abends durch die Stadt geht, erinnern manche Kneipen eher an Möbelausstellungen: Nur wenige Gäste verlieren sich in den Läden. Auffällig ist das an der Schröderstraße, wo sich Lokal an Lokal reiht. Dort haben Gas­tronomen durchaus einen Trend ausgemacht, den sie umkehren wollen. Gemeinschaftlich möchten sie für das Image der Meile werben. Dabei werden Aktionen genannt, die vor Jahren lockten wie Modenschau und Weinfest. Auch an anderen „Zapfstellen“ der Stadt scheint die Szene vor einem Wandel zu stehen. Gästeschwund zwischen Bardowicker- und Wallstraße.

„Wir haben deutlich an Frequenz verloren“, sagt Matthias Ellinger, der das News betreibt. „Nicht nur hier an der Schröderstraße, sondern auch anderswo.“ Das hänge nicht nur mit der üblichen Januar-Februar-Schwäche der Branche zusammen: „Auch im Sommer bleiben Tische frei. Ich vermute bei manchem einen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich.“ Begonnen habe das Minus vor zwei Jahren.

Kneipen reagieren. Ellinger nennt Beispiele: Mancher Lüneburger Wirt legt Ruhetage ein oder schließt gar für Betriebsferien, das habe es in der Vergangenheit kaum gegeben.

Die Familie Dovas zieht Konsequenzen. Im Comodo am Schrangenplatz schließt Christos Dovas sonntags und montags um 21.30 Uhr die Türen — Kosten und Ertrag stünden in keinem Verhältnis. Er sieht einen generellen Wandel bei den Gästen, die zöge es mehr in kleinere Läden. Deshalb plant er gemeinsam mit seinem Bruder Michael einen Schnitt im Wortsinne: Aus dem großen Comodo sollen zwei Läden werden, ein Restaurant auf der einen Seite und eine Mischung aus Bar und Café auf der anderen.

Der Lüneburger mit griechischen Wurzeln sagt, er handle trotz guter Zahlen rechtzeitig. Das veränderte Verhalten der Gäste sei eine von vielen He­rausforderungen, die es auch in den vergangenen Jahren gegeben habe, etwa bei Fleischskandalen oder Vorgaben durch die Nichtrauchergesetze. Er glaubt aber an den Standort und das Geschäft: „Wir haben unseren Mietvertrag um zehn Jahre verlängert.“

Für Dovas ziehen sich mehrere Veränderungen durch die Branche, eine spürbare: Viele Kneipen hatten in den vergangenen Jahren aufs Frühstücksgeschäft gesetzt. Mit diesem Segment sei an sich schon wenig zu verdienen, doch nun sei es noch schwieriger geworden. Immer mehr Bäckereien und Backshops drängen neu oder eben mit einem entsprechenden Angebot auf den Markt, das lasse den Umsatz der anderen bröckeln. Es gibt Läden, die ihr Frühstück unter der Woche stark zusammengestrichen haben.

So sieht es auch Heiko Meyer, der den Coffee Shop an der Schröderstraße betreibt und zudem Vorsitzender der Handelsvereinigung LCM ist. „Das Angebot ist größer geworden, es sind neue Läden etwa an der Heiligengeiststraße dazugekommen.“ Aber nicht nur der Morgen ist ein Thema: „Die Lüneburger sind müde geworden, abends loszugehen.“ Da müsse mancher Kollege etwas tun, um attraktiver zu werden, etwa mit einer frischeren Karte. Aber auch eine Imagekampagne, die auch Ellinger empfiehlt, hält Meyer für richtig.

Annette Wabnitz vom gleichnamigen Lokal an der Schröderstraße stimmt zu und setzt selber auf Wein- und Whisky-Proben sowie Livemusik, um Kunden mit besonderen Angeboten zu locken: „Veranstaltungen sind wichtig.“

Matthis Webersinn ist Betriebsleiter im Zwick. Um die Musikkneipe wabern immer wieder Gerüchte, dass ein Nachfolger gesucht wird. Dem widerspricht er und sagt, dass es seit eineinhalb Jahren einen Aufwärtstrend gebe: „Wir brauchten Zeit, um Fuß zu fassen.“ Die Mischung aus Musik und unkonventionellem Personal ziehe Gäste. Aber auch er sagt: „An der Straße müssen wir etwas tun.“

Was keiner erzählt, erzählen andere unter der Hand. Nicht nur an der Schröderstraße, auch in anderen Lokalen fahren Lieferanten von Bier und Brause seltener vor. Einige Kneipiers bekämen Ware nur gegen Barzahlung, sonst werde gar nicht erst abgeladen. Getroffen hätten manchen auch die Ermittlungen der Steuerfahndung, die sich in den vergangenen Jahren die Branche intensiv angeschaut hat und zur Kasse bat. Überdies sind die Mieten hoch, Hausbesitzer sollen trotz manch angespannter Situation nicht zu Nachlässen bereit sein. Im Gegenteil.

An der Schröderstraße wollen sich Wirte in den nächsten Tagen zusammensetzen, um zu sehen, wie sie für ihre Straße werben können. Das täte auch anderen Ecken gut.

Zankapfel Bellys

Eine Schlüsselrolle für die Schröderstraße spielt nach Einschätzung von Wirten das Bellys, ehemals Mäxx. Der aktuelle Betreiber, gegen den eine Räumungsklage läuft, musste bekanntlich Insolvenz anmelden, am Freitag, 12. Februar, wurde das Verfahren eröffnet. Insolvenzverwalter Rembert Kübel-Heising sagt: „Die Bellys Gastro GmbH führt zwei Betriebe. In Bad Bevensen und an der Schröderstraße. Beide Betriebe werden fortgeführt. In der Schröderstraße, dort sind mit Aushilfen 30 Mitarbeiter beschäftigt, läuft der Betrieb entsprechend der Jahreszeit ruhig, aber noch zufriedenstellend.“

Der Rechtsstreit zwischen dem Vermieter und der Bellys Gastro GmbH sei noch nicht beendet. „Durch die Eröffnung des Insolvenz-verfahrens ist er unterbrochen. Der Vermieter hat aber bereits mit einer anderen Gesellschaft Kontakt gehabt, die das Objekt mieten will.“ Mieten und Nebenkosten würden beglichen: „Die Verhandlung mit dem Vermieter ist noch nicht abgeschlossen, weshalb hier auch noch keine Prognose abgegeben werden kann.“

16 Kommentare

  1. Hmm…. vielleicht sollten sich die Wirte aber auch mal Fragen, ob etwas in ihrem Laden nicht stimmt. Und nicht nur den „generellen“ Rückgang sehen. Ich war früher sehr oft in der Schröderstrasse zu Gast. Habe mich da nie richtig auf ein Laden festgelegt. Gehe heute aber nur noch selten hin …. Warum ? Ich meine … guckt euch die Läden mal an. CAFE CENTRAL: dreckig und abgenutzt. NEWS: Extrem hohe Preise. Currywurst (ohne Pommes) 5,50Euro + Pommes 5,00 => über 10Euro für eine Currywurst/Pommes. COMMODO: Preise auch extrem hoch, Bedienungen unfreundlich, Essen unterer Durchschnitt. Sorry… aber ich kann mein Geld auch anders ausgeben. Ich weiß was ich hier schreibe (bzw. was das für „Anschuldigungen“ sind).. da bin ich mir genau bewusst drüber. Es sind auch nicht Beobachtungen die ich/wir 1..2. mal gemacht haben. Ich/Wir haben es schon 3..4…5.. mal beobachtet. Im ZWICK scheint es ja ganz gut zu funktionieren. Faire Preise, gutes Bier, nette Bedienung, ….. ok, man muss natürlich diesen „Kneipen-Charakter“ mögen. KRONE: auch immer voll. MÄLZER: sowieso ! Also … erstmal den eigenen Laden auf Vordermann bringen und nicht einfach nur über die „generelle Lage“ meckern !!

    • Schade das die Einträge (vor dem Veröffentlichen) durch die LZ editiert werden.

      • Es wird nicht editiert, sondern Rufmord vermieden. Wenn Sie Gaststätten beim Namen nennen und heftige Tatsachenbehauptungen aufstellen, sind wir schnell bei §186 ff StGB.
        Dann bitte mit Klarnamen und nicht mit falschen Mail-Adressen, damit man Sie auch zur Rechenschaft ziehen kann. LG

        • Man hat mich damals schon „zur Rechenschaft gezogen“. Als ich das den entsprechenden Bedienungen gemeldet hatte. Das wurde aber (sehr oft) mit einem Schulterzucken quittiert.. „Da kann ich auch nichts machen“. Und jetzt mal ehrlich Herr Jenckel, sie haben den original Eintrag ja gelesen… Gehen Sie mal hin und prüfen das nach.. in vielen Bereichen werden Sie dann mit mir übereinstimmen (natürlich nicht in allen .. ist ja auch tagesabhängig). Und achten Sie dann bitte nicht darauf welches Lokal wieviel Anzeigen in der LZ schaltet 😉

          • @Ron
            Forget it! Der liebe Herr Jenckel lebt in seiner eigenen Welt.Nicht nur zu dem Thema.

            Selbst wenn Mohamed persönlich mit dem Beil vor ihm stehen würde, würde er an die „friedliebende Religion“ glauben und dem netten Gläubigen helfen, das Beil vorher noch zu schärfen, bevor er es über die Rübe kriegt und dabei noch erwähnen, daß er „froh sei“, das ja nicht „ALLE“ so sind und dies nur ein weiterer von wenigen “ traurigen Einzelfällen“ ist.

  2. Der Hauptgrund ist die z.T. extrem schlechte gastronomische Qualität und damit auch ein absolut negatives Preis-Leistungsverhältnis, insbesondere bei den großen Läden der Schröderstrasse. Oft „08/15“ – lieblos gemacht, schmeckt nicht, zu teuer = keine gute Kombination auf Dauer. Wir als Lüneburger, die mitten in der City wohnen, vermeiden die Schröderstrasse deshalb seit Jahren, nachdem wir immer enttäuscht worden sind, und empfehlen auch Besuchern auf keinen Fall in die Schröderstrasse zu gehen. In anderen vergleichbaren und auch größeren Städten, schaffen es Läden auch in den guten Lagen auch gute, kreative und z.T. auch Bio-Qualität zu einem fairen, besseren Preis-Leistungsverhältnis zu bieten – in Lüneburg definitiv nicht, hier scheinen sich die Wirte der Schröderstrasse auf den scheinbaren Erfolgen von früher ausgeruht zu haben und nicht mit der Zeit zu gehen. Wäre schön, wenn es mehr Wettbewerb und neue Impulse von neuen Betreibern von außen gäbe. Bis dahin bleiben aber in Lüneburg immer noch ein paar nette kleinere Läden, ehr in den Nebenstrassen, bei denen dann wirklich ein gutes Konzept, gute Qualität und neuen Ideen im Vordergrund stehen.

    • Oi, liebe Frau Dagoran! Sie haben sich Anfang des Jahres auf der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth als Stargast feiern lassen, durften mit Gerda Hasselfeldt durch den Schnee tollen und sind – den Umgang mit Monarchen gewohnt – Bayernchef Seehofer als Freund begegnet, welcher Sie sodann eifrig über den grünen Enzian lobte: »Das ist CSU pur!« Mit »das« gemeint war Ihre Einstellung bzgl. Preisobergrenzen, Sozialschmarotzertum und Eurowahnsinn in der Schröderstraße. Am Ende des Treffens war klar: Die Christsozialen und Sie, das ist eine Union für die Zukunft Lüneburgs! Nur an Details müssen Sie noch arbeiten, wenn Sie auch nächstes Jahr wieder ins Tegernseer Hochtal geladen werden möchten: Fahren Sie nach alter CSU-Väter Sitte öfter mal unter Alkoholeinfluß über Ihre Dorfstraßen! Gewöhnen Sie sich Ihre saubere Aussprache ab! Zeigen Sie mehr Mut zu Nepotismus, Medienunterdrückung und Schulterschluß mit Diktatoren! Und erklären Sie uns doch bitte, wie man am schnellsten von der Schützenstraße in Deutsch Evern zum Bahnhof in Bienenbüttel kommt!

  3. Ich kann mich Dagoran nur anschließen. Vor einigen Jahren sind wir nach LG gezogen aus einer kleineren Großstadt in NRW. Wir sind seitdem immer wieder extrem enttäuscht von den Lokalen in der Lüneburger Innenstadt: die Qualität der Speisen ist abgründig schlecht, es gibt kein Lokal (insb. in der Schröderstraße) mit einem Konzept, einem Anspruch, so etwas wie Stil und Klasse. Wir würden so gern in Lüneburg (gepflegt!) ausgehen und (gut!) essen und sind auch bereit, dafür zu bezahlen, und wir sagen uns immer wieder, dass sich doch in näherer Zukunft mal etwas tun müsste in der Lüneburger Gastronomie vor dem Hintergrund, dass inzwischen so viele Hamburger zugezogen sind und auch weiterhin zuziehen, die andere Ansprüche haben und anderes gewohnt sind. Aber bis jetzt bewegt sich leider nicht viel. Die Lokale in der Schröderstraße (außer das Wabnitz) sind vielleicht für Studenten noch gerade akzeptabel, aber es leben in Lüneburg nicht nur Studenten! Wir haben regelmäßig das Problem, dass wir absolut nicht wissen, wo wir mit Besuch von außerhalb in Lüneburg einkehren sollen, ohne dass allzu großes Mitleid mit uns ausbricht…
    Also, liebe investitionsfreudige Gastronomen, ich denke, das Publikum für anspruchsvolleres Ausgehen und Essen ist in LG inzwischen allemal da – traut Euch bitte!

    • Also, jetzt mal ehrlich… Ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht jedes aufrechten Lüneburgers!
      Wenn es wirklich an der Qualität der Gaststätten liegt, dann sollte diese noch mehr sinken, um solche
      Großstadtsnobs, wie sie es scheinbar sind(„…ohne dass allzu großes Mitleid mit uns ausbricht…“) aus unserer Stadt fernzuhalten!
      Licht und Schatten ins der Gastronomie gibt es in jeder Stadt, egal ob Groß oder Klein!
      Waren sie denn wirklich schon in allen Lokalitäten in und um Lüneburg und war es überall ihrer Meinung nach so schlecht???

      • Eratosthenes
        sie dürfen sich entspannen, die kochen auch nur mit wasser. nur lafer nicht, der kocht auch mal mit brühe. schmunzel.

    • Wenn sie schon vor einigen Jahren nach Lüneburg gezogen sind, dann sollten sie inzwischen wissen, dass man auch in Lüneburg durchaus anspruchsvoll Ausgehen und Essen kann. Wenn man sich jedoch über Jahre nicht umsieht und umhört, dann kann einem das natürlich entgehen. Doch mit Kritik an der hiesigen Gastronomie sollte man dann vorsichtig sein und nicht pauschalisieren.

      Wenn sie jedoch anspruchsvolles Ausgehen und Essen suchen dürfen sie es erstens nicht in der Schröderstraße suchen und zweitens auch nicht das Preisniveau der Schröderstraße erwarten. Wer höhere Ansprüche hat muss auch etwas tiefer in die Geldbörse greifen und nicht Vergleiche mit der Schröderstraße anstellen.

      • Ich bin sehr offen für neue Anregungen und bitte freundlich um gute Tips! Ich freue mich darauf!

        • Z. B. Steak am Markt, Italienisch in der Heinemann Straße, klein und fein bei Ochi, sonst noch Kutschers…, Brauhaus, roten Tore…

        • In einem Hotel am Munstermannskamp lässt es sich sehr gut essen in einem netten Ambiente. Und die erste Adresse in Lüneburg dürfte ein 4*+ Hotel an der Lüner Mühle sein.

        • Nicht zu vergessen …. ALTE SCHMIEDE / Steakhouse (Bardowicker Str.) !!

  4. Die Schröderstraße ist schon nett und ich bin gerne da. Das Essen ist wie schon von den anderen beschrieben durchweg nur von minderer Qualität. In der Regel isst man vorher woanders oder nur eine Kleinigkeit. Die Preise bewegen sich allerdings deutlich über Hamburger Niveau. In guten Lagen in Hamburg sind Getränke und Speisen im Schnitt 10-20% günstiger als in der Schröderstraße. Dort ist die Konkurrenz wohl größer.
    Die Schröderstraße hat wohl das Problem, dass die Mieten den Großteil des Umsatzes auffressen. Es bleibt kein Geld für gute Zutaten und gutes Personal. Ob dem Personal wirklich der Mindestlohn von 8,50 € bezahlt wird? Wenn die Gäste wegbleiben müssen die Preise erhöht werden, dadurch kommen aber noch weniger Gäste.
    In einigen Läden gibt es einen Renovierungsstau, so dass man nur dann dort hingeht, wenn man woanders keinen Platz bekommt. Es sind wohl die Immobilienbesitzer die den Wirten kaum Luft zum Atmen geben.