Aktuell
Home | Lokales | Bad Bevensen | Bahnpläne machen Bürger mobil
Mehr Züge, mehr Lärm und Erschütterungen, dafür aber einen Werteverlust ihrer Immobilien fürchten die Anwohner der Bahnstrecke nicht nur Deutsch Evern, sondern auch in Bad Bevensen. Eine Info-Veranstaltung zum Thema Bahnpläne fand jetzt in Bad Bevensen statt. Foto: A/be
Mehr Züge, mehr Lärm und Erschütterungen, dafür aber einen Werteverlust ihrer Immobilien fürchten die Anwohner der Bahnstrecke nicht nur Deutsch Evern, sondern auch in Bad Bevensen. Eine Info-Veranstaltung zum Thema Bahnpläne fand jetzt in Bad Bevensen statt. Foto: A/be

Bahnpläne machen Bürger mobil

kre Deutsch Evern/Bad Bevensen. „Gutes Leben in Bad Bevensen“ steht auf dem Plakat der SPD. Ob dieses Leben aber auch dann noch gut ist, wenn ein drittes Gleis den Kurort durchschneidet so wie es die Alpha-Variante E vorsieht da haben einige dann doch ihre Zweifel. Die Bad Bevenser Genossen wissen das. Und weil in diesem Jahr Kommunalwahlen stattfinden, kritische Verkehrsthemen wahlentscheidend sein können, haben sie am Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung mit der SPD-Bundestagsabgeordneten und Verkehrs-Expertin Kirsten Lühmann eingeladen. Neben der Alpha-Variante E kam noch ein zweites Thema zur Sprache der Bau der A39. Beides Projekte, die auch die Lüneburger betreffen.

Aus Deutsch Evern war ebenfalls ein gutes Dutzend Bürger angereist Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Bau des dritten Gleises. „Es gibt bessere Alternativen als die Alpha-Variante E“, erklärt BI-Sprecher Michael Hansen „darüber wollen wir mit Frau Lühmann sprechen!“

19 Uhr, mehr als 150 Bürger haben sich in dem Zelt im Kurpark, in dem die Veranstaltung stattfindet, eingefunden. Sie müssen nicht lange warten. Die SPD-Bundestagsabgeordnete ist pünktlich und kommt auch gleich zur Sache: Sie erklärt das Procedere des Bundesverwehrswegeplans, lobt das Dialogforum Schiene-Nord in Celle „trotz aller Probleme ein Meilenstein der Bürgerbeteiligung“ und ermuntert die, die am Dialogforum nicht teilnehmen durften, sich dafür jetzt im Projekt-Beirat und den Arbeitsgruppen einzubringen. Ein Angebot auch an die Deutsch Everner, denen damals ein Sitz im Dialogforum verwehrt worden war (LZ berichtete).

Nur die Zahlen, mit denen die Abgeordnete operiert und argumentiert, passen so gar nicht zu denen, die die Bürgeriniative Deutsch Evern aufgrund einer 24-Stunden-Verkehrszählung im Frühsommer vergangenen Jahres ermittelt hatte und schon gar nicht zu denen, die Dr. Rudolph Breimeier präsentiert. Der pensionierte Hauptabteilungsleiter der DB AG ist ebenfalls zur Info-Veranstaltung nach Bad Bevensen gekommen. Lühmann geht auf der Alpha-Variante E-Strecke von 341 Zügen bis zum Jahr 2030 aus. Eine Prognose, die Kopfschütteln bei Hansen und Dr. Breimeier hervorvorruft: „Bei unserer Zählung haben wir jetzt schon 286 Züge gezählt. Und das, obwohl an diesem Tag aufgrund von Stellwerksproblemen für gut zwei Stunden keine Züge fuhren“, berichtet der BI-Sprecher. Er fürchtet, dass sich die Bahn mit dem dritten Gleis auf Dauer nicht zufrieden geben wird, nicht zufrieden geben kann, das vierte Gleis wegen Kapazitätsengpässen also nur eine Frage der Zeit ist. Lühmann widersprach: „Es wird kein viertes Gleis geben!“

Die Bahn soll ertüchtigt werden, um auch in Zukunft, den Güterverkehr aus den Häfen abtransportieren zu können. „Wenn aber täglich mehr als 100 Züge wegen Überlastung der Strecke nicht fahren können und die Güter deshalb auf Lkw umgeladen werden müssen, „schwindet der Nutzen der Variante- Alpha E erheblich“, gibt dagegen Breimeier zu bedenken.

Und dann ist da noch die Sorge vor zusätzlichem Lärm, vor Erschütterungen durch die Güterzüge, vor dem Werteverlust von Immobilien: „Schon jetzt spüren wir die Schwingungen im Boden, klirren die Gläser im Schrank“, berichtet eine Anwohnerin aus Bruchtorf.

Die Trennung von Güter- und Personenverkehr wäre für Hansen eine gute Lösung. Er bringt deshalb noch einmal den Trassenbau entlang der A7 als reine Güterstrecke ins Gespräch. „Das Kostenargument darf hier ebenso wenig eine Rolle spielen wie bei einem ähnlichen Projekt, der Rheintalbahn“, erinnert Hansen die SPD-Bundestagsabgeordnete an ihre eigenen Worte.

Am Ende der Veranstaltung zeigt sich Hansen fürs erste durchaus zufrieden: Auch, weil die SPD-Bundestagsabgeordnete zusicherte, den A7-Vorschlag mit der Bahn zu besprechen und die Deutsch Everner schriftlich über das Ergebnis zu informieren.

Zwei Optionen im Rennen

Bau der Autobahn 39 oder dreispuriger Ausbau der Bundesstraße4? Beide Optionen wird das Land Niedersachsen für den Bundesverkehrswegeplan anmelden, berichtete die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann. Welche Variante das Rennen machen wird, vermochte die Sozialdemokratin in Bad Bevensen nicht mit Gewissheit zu sagen, sie äußerte aber eine Vermutung: „Die 2+1-Lösung wird wohl schlechter bewertet werden.“ Auf alle Fälle aber, da ist sich die Sozialdemokratin sicher, „wird es eine der beiden Varianten werden!“

Dass Gerüchte umgehen, der Bau der A39 werde aufgrund schlechter Wirtschaftlichkeit ohnehin nicht in den „vordringlichen Bedarf Plus“ des Bundesvehrkehrswegeplanes aufgenommen, weiß Lühmann. Sie sagt: „Das spielt keine Rolle, am Geld wird die A39 nicht scheitern.“ Naturschutzrechtliche Dinge würden da schon eine gewichtigere Rolle spielen. kre

2 Kommentare

  1. Der Bundestag wolle beschließen:

    I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:

    Der viergleisige Aus- und Neubau der Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover, die sogenannte Alpha-Variante E, ist eines der bundesweit wichtigsten Infrastrukturgroßprojekte, um eine Verlagerung des Schwerlastverkehrs von der Straße auf die Schiene zu erreichen. Aufgrund ihrer Lage besitzt die Strecke eine herausragende Stellung für den überregionalen und internationalen Verkehr, insbesondere für die Gütertransporte von und zu den Nordseehäfen in Deutschland und den Niederlanden. Sie ist Teil des europäischen Verkehrskorridors Nr. 12. Seit nunmehr 25 Jahren plant der Bund den Aus- und Neubau der Alpha-Variante E und hat das Projekt im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft.
    Der durchgängige Ausbau der auf eine viergleisige Strecke soll durch die Entmischung von Güter- und Personenverkehren zur deutlichen Erhöhung der Streckenkapazität sowie zur Verkürzung der Transport- und Reisezeiten beitragen.
    Sehr viel problematischer gestaltet sich der Ausbau des dritten und vierten Gleises. Dagegen gibt es massive Proteste der betroffenen Bürgerinnen und Bürger sowie der Anliegergemeinden mit unterschiedlichen Forderungen für die einzelnen Teilabschnitte. Gemeinsam ist allen, dass sie sich ausdrücklich nicht gegen die Notwendigkeit des Ausbaus der Alpha-Variante E richten, sondern mit Nachdruck eine lärm- und umweltschonendere Ausführung des Projektes fordern.
    Und dies zu Recht, denn mitten durch Ortschaften und zum Teil dichtbebaute Wohn- und Siedlungsgebiete, an denen die Menschen heute schon massiv unter Schienenlärm, vor allem durch Güterzüge leiden, soll ein drittes und viertes Gleis gebaut werden.
    Mit passiven Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutzfenstern, Klimatisierung und Schallschutzwänden kann die aus heutiger Sicht grundlegend falsch angelegte Planung der Deutschen Bahn AG (DB AG) aus den 80er- und 90er-Jahren nicht sinnvoll kompensiert werden. Nachsorgender Lärmschutz ist teuer und spaltete die Orte durch Schienen und meterhohe Mauern. Die betroffenen Anwohnergemeinden sind daher entschlossen, mit allen rechtlichen Mitteln gegen die bisherigen Planungen der DB AG vorzugehen. Sie haben mit großem Kostenaufwand überzeugende Alternativtrassen entwickeln lassen.
    Lange Zeit haben Bundesregierung und DB AG an den Planungen unverrückbar festgehalten, trotz aller Proteste. Inzwischen haben sowohl der Vorstandsvorsitzende der DB AG, als auch Ministerpräsident Stephan Weil und Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Dr. Dobrindt, verlauten lassen, dass man in Lüneburg, Deutsch Evern und Bad Bevensen kein zweites Stuttgart 21 wolle. Dies kann aber nur vermieden werden, wenn die DB AG umgehend die beantragte Trassenführung zurückzieht und im breiten Diskurs und Konsens mit den betroffenen Gemeinden Neuplanungen vornimmt und entsprechende neue Planfeststellungsverfahren einleitet bzw. für schon planfestgestellte Abschnitte entsprechende Nachbesserungen vornimmt. Bei gegenwärtig 300 und künftig bis zu 600 Zügen pro Tag ist es unabdingbar, dass das dritte und vierte Gleis nicht mitten durch die Städte und Gemeinden gelegt wird. Stattdessen sind für die allermeisten Anwohner und Anwohnerinnen die autobahnnahen Alternativtrassen neben der A 7 die verträglichere Lösung. Die Entscheidung des Regierungspräsidiums Lüneburg am 18. Januar 2011, die von der DB AG geplante Antragstrasse im Bereich Lüneburg (Abschnitt 7.1 Lüneburg–Bad Bevensen) „als nicht genehmigungsfähig“ zurückzuweisen, ist ein klares Signal, dass die Planungen der DB AG für den Aus- und Neubau der Alpha-Variante E grundlegend überarbeitet werden müssen. Die DB AG kann bei den Planungen nicht länger ihre unternehmerischen Belange stärker gewichten als die entgegenstehenden Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner und sie darf auch keine Planungen vornehmen, die im Widerspruch zum Vorgehen der EU-Umgebungslärmrichtlinie stehen, den Lärm zu mindern

  2. Und zusätzlich bringt der OB Mädge auf der heutigen Bauausschutzsitzung eine nördliche Bahntrassenvariante entlang der A39 ins Gespräch. Die Bürger im Norden und Osten Lüneburgs freuen sich schon auf die Doppelbelastung von Autobahn und Zugtrasse.
    Ich kann nur hoffen, das ich den OB missverstanden habe.
    Naherholungsfreundliche Grüße
    Gerhard Hartz