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Die Familie von Heinrich Drögemüller (l.) hat viele Jahre einen Dorfladen in Böddenstedt betrieben. Für die geplante Einzelhandels-Ausstellung im Museumsdorf Hösseringen hat Drögemüller einige Exponate gespendet und an Günther Reimers übergeben. Der Museumspädagoge lebt in Harmstorf im Landkreis Lüneburg. Foto: nh
Die Familie von Heinrich Drögemüller (l.) hat viele Jahre einen Dorfladen in Böddenstedt betrieben. Für die geplante Einzelhandels-Ausstellung im Museumsdorf Hösseringen hat Drögemüller einige Exponate gespendet und an Günther Reimers übergeben. Der Museumspädagoge lebt in Harmstorf im Landkreis Lüneburg. Foto: nh

Museumsdorf Hösseringen bereitet Sonderausstellung über den ländlichen Einzelhandel vor

pet Hösseringen. Fast 27000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in das Museumsdorf Hösseringen bei Uelzen — die Chancen stehen gut, dass es in diesem Jahr mehr werden. Grund ist eine neue Sonderausstellung, die die Museumsmacher mit Hochdruck vorbereiten — Titel: „Ländlicher Einzelhandel“. Das Freilichtmuseum öffnet am Dienstag, 15. März, wieder seine Pforten, die Sonderausstellung wird ab Sonntag, 29. Mai, zu sehen sein.

Die Sonderausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ostfalia Suderburg gestaltet. Und das Projekt hält in diesen Tagen die Mitarbeiter des Museums in Atem, berichtet Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. Exponate werden aus den Magazinen geholt, teilweise restauriert, Ladeneinrichtungen werden zusammengebaut, Texte geschrieben. Und auch so mancher Holzwurm muss daran glauben.

Die Spannbreite der Läden, die die Hösseringer in der Ausstellungshalle (Scheune aus Eimke) auf 250 Quadratmetern aufbauen, ist groß. Zu sehen geben wird es den Gemischtwarenladen aus den 1850er-Jahren — nach Einführung der Gewerbefreiheit war es überhaupt erst von dieser Zeit an möglich, „Höker“-Läden in den Dörfern zu gründen, erklärt Museums­pädagoge Günther Reimers. Statt wie zuvor in die Städte zu fahren, konnte sich die Bevölkerung jetzt in ihrem Dorf mit Werkzeug, Farbe, Seilen, Öl, Wolle, Geschirr oder auch Räucherfisch versorgen.

Weiter geht es in den „Kolonialwarenladen“ von 1910, in dem die Menschen neben Kaffee, Kakao und Gewürzen auch Haushaltswaren, Porzellan, Kurzwaren erstehen konnten. In Hösseringen zu sehen sein wird auch ein Saatenhandel, der bis in die 1970er-Jahre in Lüneburg geöffnet hatte. Kaum mehr als zehn Quadratmeter misst der Tabakladen, um 1910 gegründet, zu sehen im Zustand von 1970.

Die Zeit zwischen 1920 und 1950 spiegelt ein ländlicher Haushaltswarenladen wider, der im Sortiment unter anderem Werkzeug, Geräte, Kochgeschirr, aber auch Textilien und Kurzwaren hatte. „Und was nicht am Lager war, wurde bestellt und für den Kunden besorgt“, so Reimers.

Zu sehen sein wird auch ein Selbstbedienungsladen (SB-Laden), der bis in die 1980er-Jahre seine Waren verkaufte. Und Thema der Sonderausstellung sollen auch fahrende Händler sein, die mit ihren Pferdefuhrwerken von Hof zu Hof unterwegs waren. Der Schlachter, der gekühltes Fleisch in die Haushalte brachte, wie ein Petroleumhändler.

Nicht nur die großen und kleinen Beispiele für den ländlichen Einzelhandel in den vergangenen mehr als 150 Jahren sollen die Hösseringer zeigen. „Wir wollen auch Entwicklungen und Veränderungen aufzeigen, bis hinein in die Zeit des Internethandels“, erklärt Günther Reimers. Der Museumspädagoge, der seit 31 Jahren in Hösseringen tätig ist, sagt: „Die Ausstellung habe ich schon seit 20 Jahren im Hinterkopf.“

Ein besonderer Höhepunkt der Sonderausstellung „Ländlicher Einzelhandel“ soll dann am Sonntag, 12. Juni, stattfinden: das „Lieferwagen-Treffen“. Pferdewagen, mit denen Händler früher über die Dörfer zogen, sollen dort ebenso zu sehen sein wie Bäckerfahrräder, Mopeds mit Anhängern, Goggomobil- und Goliath-Lieferwagen aus den 1950er-Jahren und viele Fahrzeuge mehr.

Auch wenn die Vorbereitungen schon weit fortgeschritten sind, nimmt das Museum gern weitere Ausstellungsstücke an. Für Werbeartikel, Verpackungen, Dosen, Schachteln ist Reimers dankbar. Wer Exponate anbieten möchte, wendet sich an Reimers: tagsüber unter Tel.05826/1774 im Museumsdorf oder abends unter Tel.05851/1850.

Gütesiegel für Museumsmacher

Die Sonderausstellung „Ländlicher Einzelhandel“ war auch Thema der Mitgliederversammlung des Museumsvereins, die jetzt im Haus am Landtagsplatz stattfand. Dabei bedankte der Vorsitzende Jörg Hillmer sich insbesondere beim langjährigen Vereinsmitglied Axel Beeker, der dem Museum seit 1977 große Teile seiner volkskundlichen Sammlung — etwa 1000 Exponate — übergeben hat.

Die Zahl der Besucher war im vergangenen Jahr leicht rückläufig. 26497 Gäste besuchten das Museum, etwa 1000 weniger als im Vorjahr. Immerhin: Museum und Museumsladen verbuchten gestiegene Eintrittsgelder und Umsätze.

Neben dem Museum Lüneburg ist das Museumsdorf Hösseringen jetzt in Hannover mit dem „Museumsgütesiegel“ ausgezeichnet worden. Insgesamt sind es 17 Museen, die die Qualität ihrer Arbeit unter Beweis haben und dafür unter anderem von Staatssekretärin Andrea Hoops aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur in einer Feierstunde in Hannover ausgezeichnet wurden.
Hoops sagte: „Ich freue mich, dass neben überregional bekannten Häusern mit großen Sammlungen auch kleinere Museen mit spezialisierten oder vor allem regional bedeutsamen Sammlungen ausgezeichnet werden.“

Unter den Ausgezeichneten sind unter anderem auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim sowie das Till-Eulenspiegel-Museum Schöppenstedt.

Seit Beginn der Initiative im Jahr 2006 wurden bisher 101 Gütesiegel verliehen. Das Siegel wird für sieben Jahre vergeben, danach müssen Museen sich um eine Erneuerung bemühen. pet