Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sobald die Temperaturen auf mindestens acht Grad geklettert sind, beginnt auch im Kreis Lüneburg mit der Krötenwanderung das große Kriechen. Fotos: sonja haase
Sobald die Temperaturen auf mindestens acht Grad geklettert sind, beginnt auch im Kreis Lüneburg mit der Krötenwanderung das große Kriechen. Fotos: sonja haase

Krötenwanderung beginnt — Kreis will Amphibien besser schützen

Als vermeintlicher Wetterfrosch ist der Laubfrosch die wohl bekannteste heimische Amphibienart.
Als vermeintlicher Wetterfrosch ist der Laubfrosch die wohl bekannteste heimische Amphibienart.

emi Lüneburg. Die ersten vorwitzigen Tiere waren bereits unterwegs, inzwischen haben sie sich wegen der Kälte wieder verkrochen. Doch wenn es regnet und die Temperaturen nachts auf mindestens acht Grad klettern, beginnt auch im Kreis Lüneburg wieder das große Kriechen – die „Krötenwanderung“ steht bevor. Der Begriff ist allerdings irreführend, denn tatsächlich erwachen um diese Zeit nicht nur Kröten, sondern auch Frösche und Molche aus ihrer Winterstarre und wandern zu ihren angestammten Laichgewässern. Dabei kommen Jahr für Jahr zahllose Amphibien unter die Räder.

Um das Massensterben auf den Straßen zu verhindern, werden dieser Tage an neu­ralgischen Punkten wieder sogenannte Krötenzäune aufgestellt. Wie man die Tiere noch besser schützen könnte, darüber tauschten sich jetzt Helfer bei der zweiten „Kreiskrötenkonferenz“ aus (siehe Infobox unten)

Um der Damenwelt zu imponieren, färben sich die Moorfrosch-Männchen zur Laichzeit blau.
Um der Damenwelt zu imponieren, färben sich die Moorfrosch-Männchen zur Laichzeit blau.

Wer wann zu den Laichgewässern aufbricht, werde vor allem von einem Zusammenspiel aus Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflusst. „Ideal ist es, wenn es leicht regnet und die Temperatur um die acht Grad beträgt“, sagt Burkhard Jäkel. Grundsätzlich gelte: Je später der Zeitpunkt im Frühjahr, desto höher der Wanderdruck. Soll heißen: Mit jedem Tag steigt derzeit die Wahrscheinlichkeit, dass die Massenwanderung beginnt – auch bei nicht ganz optimalen Wetterbedingungen. „Es kann sein, dass innerhalb von drei Tagen 80 bis 90 Prozent aller Tiere an den Krötenzäunen ankommen“, sagt Jäkel. „Im vergangenen Jahr hat sich das dagegen über drei Wochen hingekleckert.“

Für die Helfer, die die in den Eimern gelandeten Amphibien einsammeln und über die Straße tragen, aber auch für Autofahrer, ist das eine unberechenbare Angelegenheit. Burkhard Jäkel bittet alle Verkehrsteilnehmer darum, langsam zu fahren: „Gerade dort, wo Schilder stehen, muss man mit Tieren rechnen.“

Wo besonders viele Amphibien wandern, erfahren Interessierte auf einer Karte im Geoportal des Landkreises Lüneburg unter geo.lklg.net. Im Menü unter „Inhalte“ den Bereich „Zuschaltbare Themen“ anklicken und dann unter „Naturschutz“ den Bereich „Artenschutz/Amphibienzäune“ auswählen. Auf der Karte ist auch verzeichnet, wo Krötenzäune im Kreis Lüneburg aufgestellt sind oder aufgestellt werden.

Helfer gesucht

Knapp 20 Amphibienfreunde waren jetzt der Einladung zu dem zweiten Arbeitskreis gefolgt, den Burkhard Jäkel vom Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg mit einem Augenzwinkern „Kreiskrötenkonferenz“ getauft hat. Bei diesem Treffen sollen sich Helfer kennenlernen und austauschen. Im Gespräch wurde schnell deutlich: Die Ehrenamtlichen stehen vor großen Herausforderungen. Nachwuchs fehlt, die Helfer werden immer älter, viele beklagen mangelnde Anerkennung und fühlen sich allein gelassen.

An vielen Stellen in Stadt und Landkreis werden händeringend neue Unterstützer gesucht, die Amphibien einsammeln und über die Straße tragen. Gefragt sind Helfer vor allem am Ochtmisser Kirchsteig, am Bockelsberg, in Deutsch Evern, Kolkhagen und Melbeck. Interessierte, die sich engagieren möchten oder bisher unbekannte Wanderbewegungen beobachtet haben, können sich bei Manfred Gaulien (Tel.: 04131 / 26 13 73 oder manfred.gaulien@landkreis.lueneburg.de) oder bei der Nabu-Kreisgruppe Lüneburg (Tel.: 04131 / 40 25 44 oder info@nabu-lueneburg.de) melden.

Im Sommer ist eine weitere „Kreiskrötenkonferenz“ geplant. Dann soll über eine Machbarkeitsstudie für feste Kröten-Leitsysteme nachgedacht werden. Denn einig sind sich die Teilnehmer, dass Schutzzäune nur eine Übergangslösung darstellen können.