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Jutebeutel statt Plastiktüten: Das Motto, das viele Verbraucher schon beim Einkauf im Supermarkt verfolgen, könnte künftig auch vermehrt bei der Shoppingtour durch die Modegeschäfte der Innenstadt zum Tragen kommen. Foto: t&w
Jutebeutel statt Plastiktüten: Das Motto, das viele Verbraucher schon beim Einkauf im Supermarkt verfolgen, könnte künftig auch vermehrt bei der Shoppingtour durch die Modegeschäfte der Innenstadt zum Tragen kommen. Foto: t&w

Handel kassiert für Plastiktüten

rast/ka Lüneburg. Wer ein Mode- oder Kaufhaus verlässt, sollte die schicke neue Bluse oder die neue Jacke fürs Frühjahr nicht mehr in einer Plastiktüte tragen, sondern in einer umweltfreundlicheren Tüte aus Kunststoff oder Papier. Erreicht werden soll dies dadurch, dass die Verbraucher hier und auch in anderen Warenbereichen für Plastiktaschen künftig zahlen müssen — so wie es seit langem in Supermärkten üblich ist. Nach einer freiwilligen Vereinbarung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) mit dem Bundesumweltministerium sollen Plastiktüten ab dem 1. April Geld kosten, ausgenommen sind extrem dünne Plastiktüten, wie sie zum Beispiel für Obst, Gemüse oder Wurstwaren genommen werden. Kommt die Plastiktüte in Lüneburg aus der Mode?

„Wir hoffen, dass unsere Kunden über kurz oder lang ganz auf Plastiktüten verzichten, denn es wird mehr Plastik verbraucht als für die Umwelt gut ist“, sagt Jens Stemmer, Kaufmännischer Leiter der Karstadt-Filiale Lüneburg. Hier wird bereits ab 1. März eine gestaffelte Gebühr fällig: Je nach Tütengröße sind 5, 10, 20 oder 30 Cent zu zahlen: „Und ab Mai bieten wir als Alternative Mehrwegtragetaschen zum Stückpreis von 1,50 Euro an“, dabei setze das Unternehmen auf Polyethylen mit einem 70-prozentigen Recyclinganteil. Einen Einheitspreis für Plastiktüten im Einzelhandel gibt es aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht.

Während Unternehmen wie KiK, das das Plastik bereits im Oktober 2015 verbannt hatte, schon länger auf Alternativen setzen und Tchibo bereits 20 Cent pro Plastiktüte kassiert, geben andere ihre Überlegungen noch nicht preis. So sagt etwa Peter Breuer, Geschäftsführer von C&A in Lüneburg: „Es wird sich zum 1. April Grundlegendes ändern. Ob wir Geld für die Tüten nehmen oder Tüten mit anderen Zusammensetzungen herausgeben, wissen wir noch nicht.“ Und Katja Hünnekens Sprecherin von P&C hält sich bedeckt: „Selbstverständlich sind wir an diesem Thema dran“, Informationen dazu könne sie aber noch nicht herausgeben. Bei Strauss gibt es noch die kostenlosen Plastiktüten, doch bis auch dort dafür kassiert wird, sei nur eine Frage der Zeit.

Bei Trekking König zieht seit jeher der Umweltgedanke, dort gibts Tüten aus umweltfreundlichem Material. Papiertüten als Alternative sieht Ernst-Joachim Petersen, Chef von Edeka Wist, nicht: „Sie sind in der Herstellung umweltschädlicher als Plastiktüten.“ Plastik war für Dörte Barisch von der Schokoladenmanufaktur noch nie ein Thema: „Das passt einfach nicht zu unseren Produkten, die wir in Papier eintüten.“ Bei Intersport Friedrich gibt es zwar kostenlose Plastiktüten, Inhaber Andreas Friedrich sagt jedoch: „Wir haben allerdings auch Umweltbeutel aus Leinen, denken auch über Alternativen nach. Eine gute Idee wäre es, wenn der Lüneburger Handel ein Tütenmodell für alle Läden hätte.“

Hintergrund

Es gibt eine EU-Richtlinie zum Verbrauch von Plastiktüten, wonach die Mitgliedsstaaten verpflichtet sind, den Verbrauch ab dem Jahr 2020 auf 90 Tüten pro Einwohner und Jahr zu verringern, ab dem Jahr 2026 dann auf 40 Stück. Im EU-Vergleich liegt Deutschland aktuell mit einem Verbrauch von 71 Plastiktüten pro Kopf und Jahr deutlich unter dem Durchschnittsverbrauch von 198 Stück und erfüllt die Vorgabe für 2020 schon heute.

Im europäischen Vergleich gehen die Deutschen damit weniger verschwenderisch mit der Plastiktüte um als viele andere Staaten, allerdings gibt es deutlich bessere Daten: Irland beispielsweise kommt auf 18 Stück, dort ist eine Abgabe in Höhe von 44 Cent pro vertriebener Plastiktüte eingeführt worden.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) droht dem Handel derweil mit strengeren Vorgaben, um den Verbrauch von Plastiktüten spürbar zu senken. „Eine Selbstverpflichtung um jeden Preis wird es mit mir nicht geben. Eine ordnungsrechtliche Regelung halte ich mir deswegen nach wie vor offen.“ Um die angestrebte Freiwilligkeit zu erreichen, müssten genügend Händler mitmachen. „Das sehe ich noch nicht“, sagt die Ministerin.

Zunächst sollen, so sieht es die Vereinbarung vor, vom 1. April an 60 Prozent der Tüten etwas kosten, innerhalb von zwei Jahren sollen dann mindestens 80 Prozent der Tüten kostenpflichtig sein. Wie viel die Kunden zahlen müssen, legen die Händler aus wettbewerbsrechtlichen Gründen jeweils einzeln fest.

Papier als Alternative fürs Plastik wird allerdings auch von Umweltschützern kritisiert, die Produktion von Papiertüten sei extrem ressourcen- und energieaufwändig, auch Chemikalien kämen zum Einsatz. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist eine Papiertüte im Vergleich zu einer rohölbasierten Plastiktüte erst dann ökologisch interessant, wenn diese drei bis vier Mal wiederbenutzt wird.

2 Kommentare

  1. Wird Zeit, dass das nun endlich mal thematisiert wird. Als ob wir keine anderen Probleme haben.

    • Als ob wir keine anderen Probleme haben.
      die oceane sind voll mit unseren problemen. besonders mit plastik.