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Hans-Helmut Stuck gab als Vertreter der Hochwald-Molkerei einen düsteren Ausblick auf das Milchjahr 2016, eine Besserung der Preise ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Abwärtsspirale droht sich fortzusetzen. Foto: t&w
Hans-Helmut Stuck gab als Vertreter der Hochwald-Molkerei einen düsteren Ausblick auf das Milchjahr 2016, eine Besserung der Preise ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Abwärtsspirale droht sich fortzusetzen. Foto: t&w

Sinkender Milchpreis: Molkerei-Vertreter prophezeit Landwirten ein ganz schwieriges Jahr

off Scharnebeck. Der Preis für Milch fällt und fällt — und ein Ende ist nicht in Sicht. „Auch 2016 wird ein ganz, ganz schwieriges Milchjahr“, sagte Hauptredner und Molkerei-Vertreter Hans-Helmut Stuck bei der Mitgliederversammlung der Milcherzeugergemeinschaft Lüneburg. Und enttäuschte damit auch die letzten Hoffnungen im Saal des Veranstaltungszentrums Scharnebeck. Auf 26 Cent pro Liter wird die Hochwald Foods GmbH den Milchpreis bei der nächsten Abrechnung absenken. „Wir werden versuchen, dieses Niveau zumindest zu halten“, versicherte Stuck, „wie lange uns das gelingt, ich weiß es nicht.“

Schon seit Monaten ächzen die Milchbauern auch im Landkreis Lüneburg unter den niedrigen Preisen, im Mai steht laut Stuck die nächste Preisverhandlung mit dem Lebensmitteleinzelhandel an — und ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht. Das Problem: Es wurde zu viel Milch erzeugt. „Und zwar weltweit“, sagte Stuck. Die Lager in China seien voll mit Vollmilchpulver. „Und auch wenn Russland sein Handelsembargo für Milchprodukte aufhebt, wird das nicht zur erhofften Entlastung in Deutschland führen.“ Der Rubel sei schwach und die Kaufkraft der Russen entsprechend niedrig.

Doch damit nicht genug: „Das größte Problem ist aus meiner Sicht der niedrige Ölpreis“, erklärte Stuck. „Dadurch fehlt den Schwellenländern das Geld zum Importieren.“ Und das bekomme auch der Milchmarkt zu spüren. Hinzu kämen die vielen Unruhe- und Konfliktherde in der Welt, „die wiederum die Warenströme verhindern“. Der Binnenmarkt hingegen sei zwar stabil, „aber nicht auf Wachstumskurs“. Stucks Fazit: „Ich sehe für 2016 kein Licht am Ende des Tunnels.“

Lüneburgs Milchbauern bleibt damit offenbar nicht mehr als abzuwarten, zu hoffen und irgendwie durchzuhalten. Wie, darauf hatte auch der Leiter der Milchverwaltung keine Antwort. Er warnte allerdings davor, auf einfache Lösungen zu vertrauen. „Zu sagen, wir Milchbauern in Deutschland produzieren weniger Milch, wird das Problem nicht lösen“, sagte er. Die Niederländer etwa hätten ihre Milchleistung 2015 um 20 Prozent gesteigert, die Iren sogar um 40 Prozent, die Lüneburger indes nur um 5 Prozent. „Wo fangen wir da an, Mengen zu reduzieren?“ Für einfache Auswege „ist die Welt einfach zu kompliziert“, meinte Stuck.

Das Unternehmen Hochwald mit einer seiner acht Produktionsstätten in Lüneburg sieht Stuck indes gut aufgestellt. „Unsere Zukunftsstrategie fußt auf drei Säulen“, erklärte er. Erstens: Die Produktion von Markenartikeln wie Bärenmarke sowie Lünebest und Elinas (beides Lüneburger Produkte) oder auch Bonny, „Marktführer bei Milchprodukten in Saudi-Arabien“. Zweitens: Die Produktion von Spezialprodukten für andere Anbieter wie den Babynahrungshersteller Milupa (Danone). Und drittens: der Export. „Im zweiten Halbjahr 2015 lag unser Export bei rund 50 Prozent“, berichtete Stuck. Ein „maßgeblicher Grund, warum der Milchpreis bei Hochwald über dem Durchschnitt lag und auch weiterhin liegen wird“.

Für die Zukunft versicherte der Molkerei-Vertreter, dass Hochwald auf jeden Fall eigenständig bleiben will. Und zwar mit der zuvor vorgestellten Strategie. Pläne, in den wachsenden Biomarkt einzusteigen, gebe es bisher nicht. „Dafür ist die Nische mit einem Marktanteil von drei bis fünf Prozent noch zu klein“, sagte er, „aber der Markt ist interessant, und wir werden ihn weiterhin intensiv beobachten.“

Verkaufsschlager und beste Milch
Die Zahlen aus dem Hochwald-Werk in Lüneburg präsentierte der stellvertretende Werksleiter, Janes Wentzien. Danach sind die Produktionsmengen von 2013 bis 2016 nahezu verdoppelt worden, Verkaufsschlager ist mit 74 Prozent der griechische Joghurt Elinas. „Elinas ist in Deutschland zudem Marktführer beim griechischen Joghurt“, so Wentzien. Beliefert wurde das Werk 2015 von insgesamt 60 Milchviehbetrieben aus der Region, acht weniger als noch 2013.

Insgesamt elf Betriebe lieferten 2015 durchgehend Milch in bester Qualitätsstufe S, darunter Wolfgang Dittmer (Lüdershausen), Rolf Müller (Gödenstorf), Heinrich Lütgens (Brietlingen), Heinz-Gerhard Pohl (Rullstorf), Peter Luhmann (Mechtersen), Michael Hagemann (Scharnebeck) und Jens Diersen (Amelinghausen). Auch die jeweils zwei Betriebe mit den niedrigsten Zell- und Keimzahlen wurden geehrt: Der SOS-Hof Bockum (64000 Zellzahlen im Schnitt) und Frank Schröder aus Neetze (131000 Zellzahlen) sowie Markus Dittmer aus Barum und Ralf Isernhagen aus Nindorf mit jeweils einer durchschnittlichen Keimzahl von 6000.