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Corinna Breuning (l.), Vertriebsleiterin Haarpflegebereich, und Ramona Kotlowski mit Spritzgusskämmen in knalligen Farben. Foto: t&w
Corinna Breuning (l.), Vertriebsleiterin Haarpflegebereich, und Ramona Kotlowski mit Spritzgusskämmen in knalligen Farben. Foto: t&w

New-York Hamburger Gummi-Waaren setzen auf Sanierungskonzept

as Lüneburg. Manfred Klein ist auf vielen Hauptversammlungen zu Gast und nicht bei allen Vorständen und Aufsichtsräten beliebt. Denn der Saarbrücker gilt bisweilen als gefürchteter Aktionärskritiker. Angereist war er auch zur Hauptversammlung der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH) Aktiengesellschaft im Palais am Werder. Im Mittelpunkt standen der Geschäftsbericht 2013 und Perspektiven für die kommenden Jahre. Der Geschäftsbericht wies einmal mehr rote Zahlen auf. Doch Aufsichtsratschef Bernd Günther sieht mit Blick auf die Folgejahre auch „leichte Sonnenstrahlen auf das Unternehmen zukommen“. Klein, der Aktien im „fünfstelligen Bereich“ sein Eigen nennt, machte Mut: „Ich glaube an diese Gesellschaft, und wir Aktionäre brauchen Ihre Arbeitskraft“, meinte er an Vorstandschef Bernd Menzel gerichtet.

Der Bericht weist Umsätze in Höhe von 14,6 Millionen (2012: 14,8 Millionen) aus, unterm Strich steht ein Fehlbetrag von rund 875735 Euro. Damit setzt sich das Minus-Geschäft fort: 2012 waren es 401000 Euro, 2011 ein Fehlbetrag von 804621 Euro. Außerdem hat der kumulierte Verlust der vergangenen Jahre dazu geführt, dass mehr als die Hälfte des Eigenkapitals verbraucht ist. An Dividende für die Aktionäre ist da nicht zu denken. Der für das Geschäftsjahr 2013 eingesetzte Wirtschaftsprüfer erteilte dem Unternehmen einen Versagungsvermerk, unter anderem wegen mangelnder Liquiditätsreserven und widersprüchlicher Aussagen zur Personalentwicklung. Bernd Günther fasst das so zusammen: Der Wirtschaftsprüfer habe nicht an die Kontinuität des Unternehmens geglaubt. Doch am Fortbestand von NYH werde kräftig gearbeitet. „Die Bilanz 2013 ist eine unangenehme Kamelle“, sagt Günther, „entscheidend ist, wie es in den darauffolgenden Jahren läuft.“

Zur Sanierung wurde der NYH eine Beratungsfirma zur Seite gestellt, die ein Fortführungsgutachten erstellen sollte. „Eine Auflage der Sparkasse“, wie Menzel den anwesenden Aktionären berichtet. Denn über das Bankinstitut laufen Kredite, derzeit noch in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Das Gutachten habe grünes Licht für eine Fortführung des Unternehmens gegeben, allerdings mit der Auflage, Einsparungen vorzunehmen. So wurde unter anderem die Mitarbeiterzahl um 31 auf 110 reduziert, die Mitarbeiter mussten auf Urlaubsgeld verzichten, die Aufsichtsratsvergütungen wurden heruntergefahren, die Einführung einer 35-Stunden-Woche in 2015 brachte Einsparungen von 330000 Euro. Alles in allem erzielte man laut Menzel Einsparungen in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

Neben den Sanierungsbemühungen „kämpfe“ man um Umsatz. Im Bereich Haarpflege gebe es viele neue Produkte, die nicht nur an Friseure gehen, sondern auch in großen Drogerieketten wie Budnikowsky und Müller platziert werden. Allerdings gebe es auch große Firmen wie Douglas, die man 2013/14 verloren habe.

Im Bereich Klarinetten-Mundstücke brumme das Geschäft, der Verkauf von Urnen muss noch richtig ins Laufen kommen. Mit der Beratungsgesellschaft und der neuen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeite man daran, die NYH noch besser aufzustellen. Für 2015 und 2016 erwarte das Unternehmen positive Ergebnisse aufgrund der bereits erfolgten Einsparungsmaßnahmen, kündigte Menzel an, der mit Günther ausdrücklich der Stadt und der Sparkasse für die bisherige Unterstützung dankte.

Günther lobt den Sanierungsmarathon und die damit verbundenen Anstrengungen. Scharf kritisierte er „üble ­anonyme Beiträge“ im Internet, mit denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder diskreditiert wurden. Zahlreiche Beiträge seien ehrverletzend, es bestehe der Straftatbestand der üblen Nachrede. „Unsere Anwälte raten, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen“, sagte Günther und verlas eine anwaltliche Stellungnahme.

Alexander von Vietinghoff-Scheel, Rechtsanwalt und Landesgeschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) in Niedersachsen, hatte viele Fragen. Er machte auch deutlich: „Wir sollten uns nicht an Spekulationen beteiligen, das Unternehmen nicht schlechtreden. Eine Insolvenz wäre für uns das Schlechteste.“ Aber im Internet würden Gerüchte kursieren, wo es heiße: Insolvenzverschleppung. Günther konterte: ­“Anonyme Hetze.“ Lob gab es von Vietinghoff-Scheel für neue Ideen und die vertrieblichen Aktivitäten von Menzel, „beim kaufmännischen sollten Sie sich aber Unterstützung holen“. Operativ auf gutem Weg, aber auf der Kapitalseite gebe es noch Nachholbedarf. „Wird es zu einem Kapitalschnitt kommen?“, wollte der Aktionärsvertreter wissen. Günther wies das von sich: „Wir haben Liquditätsknappheit, aber auch gute Ideen.“ Vorstand und Aufsichtsrat erhielten am Ende Entlastung von der Aktionärsversammlung.