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Das frühere Kalksandsteinwerk in Häcklingen: Die Wiederaufnahme des Sandabbaus könnte jetzt durch schützenswerte Tiere gefährdet werden, die sich zwischenzeitlich auf dem stillgelegten Gelände angesiedelt haben. Foto: t&w
Das frühere Kalksandsteinwerk in Häcklingen: Die Wiederaufnahme des Sandabbaus könnte jetzt durch schützenswerte Tiere gefährdet werden, die sich zwischenzeitlich auf dem stillgelegten Gelände angesiedelt haben. Foto: t&w

Sandabbau Häcklingen: Aus durch Wendehals und Neuntöter?

us Lüneburg. Ist der geplante Sandabbau von drei Millionen Kubikmetern Kies in Häcklingen zulässig oder nicht? Eine Antwort auf diese Frage erhoffen sich Anwohner, Stadt und Landkreis Lüneburg, nicht zuletzt aber auch der Betreiber selbst von einem Gutachten, das Auskunft darüber geben soll, ob sich auf dem Gelände des früheren Kalksandsteinwerks schützenswerte Arten angesiedelt haben. Das ist offenbar der Fall. Doch eine Entscheidung soll damit noch immer nicht möglich sein.

„Es sind einige streng geschützte Arten dabei“, sagt Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Als Untere Naturschutzbehörde hatte er der Sandabbau Häcklingen GmbH – sie ist Eigentümerin und Betreiberin des geplanten Kiesabbaus – auferlegt, den Bestand schützenswerter Arten per Gutachten ermitteln zu lassen. Wie berichtet, waren der Auflage der Behörde entsprechende Hinweise der Bürgerinitiative „Blauer Himmel über Ilmenau e.V.“ vorausgegangen.

Bei einer daraufhin 2015 durchgeführten artenschutzfachlichen Kartierung durch ein Hamburger Gutachterbüro wurden auf der 69 Hektar großen Fläche – sie umfasst sowohl das reine Abbaugebiet als auch das Werksgelände – „besonders bemerkenswerte Lebewesen“ festgestellt, wie es in einer Vorlage für den kommenden Umweltausschuss der Stadt heißt. Laut Gutachten sind auf dem Areal unter anderem die Zauneidechse, der Kammmolch, die Kreuzkröte, bei den Brutvögeln der Wendehals, die Heide- und Feldlerche, der Neuntöter, Schwarzspecht, Baumfalke und Graureiher sowie fünf Arten von Fledermäusen festgestellt worden.

„Die frühere Grube ist für viele seltene Arten hinsichtlich Nahrung und Brutpflege eine wichtige ökologische Nische“, erläutert Stefan Bartscht den Hintergrund für die Ansiedlungen. Inwieweit diese nun durch den geplanten Kiesabbau betroffen sind, ob der Kiesabbau überhaupt oder nur unter Auflagen betrieben werden kann, dies müsse in einem nächsten Schritt ermittelt werden.

„Sollte das Unternehmen seine Pläne weiter verfolgen, muss es darlegen, wie es den Schutz der Tiere sicherstellen will.“ Ein entsprechendes gutachterliches Konzept werde dann von der Unteren Naturschutzbehörde erneut geprüft. Einzuhaltende Fristen gebe es dafür nicht, wann der Antragsteller das Konzept vorlegt, entscheidet er selbst. „Allerdings verfallen artenschutzrechtliche Daten spätestens zwei Jahre nach ihrer Erhebung“, sagt Bartscht, der zugleich deutlich macht, dass aus Sicht seiner Behörde indes kein Zeitdruck bestehe.

An einer zügigen Klärung der Situation ist auch die Stadt nicht interessiert. Sie hatte bereits in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass sie dem Vorhaben ablehnend gegenüber steht. Zugleich setzt sie darauf, das Werksgelände für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften nutzen zu können. Allerdings waren entsprechende Gespräche zwischen Eigentümer und Stadt erst kürzlich abgebrochen worden, als Grund nannte Oberbürgermeister Ulrich Mädge zu hohe finanzielle Forderungen des Unternehmens. Wie zwischenzeitlich zu hören war, soll die Sandabbau Häcklingen GmbH einen siebenstelligen Betrag als Pacht für die Dauer der Nutzung ihrer Fläche verlangt haben.

Ob die Unterkunftspläne der Stadt durch die jetzt nachgewiesenen geschützten Tierarten womöglich selbst obsolet geworden sind, schließt Umweltdezernent Markus Moßmann aber aus: „Die Flüchtlingsunterkünfte sollen ja auf dem versiegelten Bereich des Werksgeländes errichtet werden.“
Der Umweltausschuss tagt am 24. Februar, 16 Uhr, im Magistratszimmer im Rathaus.