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Torsten Broder, Vorsitzender der Lüneburger Jägerschaft, gibt den toten Fuchs ab bei Dr. Julia Pfeiffer, neue Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Lüneburg. Foto: t&w
Torsten Broder, Vorsitzender der Lüneburger Jägerschaft, gibt den toten Fuchs ab bei Dr. Julia Pfeiffer, neue Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Lüneburg. Foto: t&w

Staupe: Virus macht sich breit

dth Brietlingen/Lüneburg. Frisch aus dem Garten geholt und verpackt in eine transparente Plastiktüte liegt der Fuchs mit zusammengekniffenen Augen. Er ist tot. Als Ursache für das vorzeitige Ableben des Tieres hat Torsten Broder den auch für Hunde gefährlichen Staupe-Virus im Verdacht. Es wäre nicht der erste Fall in den vergangenen Wochen im Landkreis Lüneburg. Umso eindringlicher warnen jetzt Broder sowie Dr. Julia Pfeiffer, neue Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Lüneburg, Hundehalter davor, die Schutzimpfungen ihrer Schützlinge zu vernachlässigen. Pfeiffer: „Das Staupe-Virus ist zwar für den Menschen ungefährlich, aber für Hunde hochansteckend.“ Mit oft tödlichem Ausgang, wie möglicherweise beim verpackten Fuchs.

as Tier hatte sich zuletzt über mehrere Tage auf einem großen Wohngrundstück in Brietlingen herumgetrieben. „Der Fuchs hat auch Ausfallerscheinungen gehabt und plötzlich liegt er tot im Garten“, sagt Broder. In so einem Fall sei es ratsam, einen Jäger zu rufen, der das Tier sicher verpackt zur Untersuchung beim Kreisveterinäramt abgibt. Ob der Brietlinger Fuchs tatsächlich am Staupevirus gestorben ist, wird sich noch zeigen. Der Verdacht liegt aber nahe, zumal bereits vor vier Wochen bei einem verendeten Fuchs bei Dahlenburg sowie in vier weiteren Fällen in Amt Neuhaus, im Raum Scharnebeck und Lüneburg das Staupevirus nachgewiesen wurde.
Bei der Staupe handelt es sich um eine weltweit bei Hunden und anderen Fleischfressern auftretende Erkrankung, die in ihrem Erscheinungsbild den Symptomen der Tollwutinfektion ähnelt. Da sich Waschbären, Füchse und andere Haarraubwildarten auch in der Nähe von Dörfern und Städten aufhalten, ist eine Übertragung auf Hunde möglich. Auch Wölfe können sich mit dem Staupevirus anstecken.

„Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion“, sagt Dr. Julia Pfeiffer, Fachtierärztin für Öffentliches Veterinärwesen beim Kreis. Laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) ist der Erreger schon fünf Tage nach der Infektion in Augen- und Nasensekret, im Speichel und Urin nachzuweisen. Die Virusausscheidung kann über Wochen andauern. Die Sterbewahrscheinlichkeit liegt laut LAVES je nach Verlaufsform und Schwere des Krankheitsverlaufes zwischen 30 und 80 Prozent.

Jägerschaftsvorsitzender Broder sagt: „Die Staupe stellt nicht nur eine Gefahr für Jagdhunde dar. Jeder Hundebesitzer weiß, dass sein Hund auch mal beim Spaziergang Kot, beispielsweise vom Marder oder Fuchs, aufnehmen kann, und dann wäre auch eine Infektion möglich.“ Besonders Welpen reagierten empfindlich auf das Virus. Zuletzt vor etwas mehr als fünf Jahren gab es im Landkreis Lüneburg mit 18 bestätigten Staupefällen einen größeren Ausbruch, einen sogenannten Staupezug. Broder: „Damals haben wir bei Amelinghausen festgestellt, dass die Fuchsbesetze sichtbar zusammengebrochen waren. Jetzt vermuten wir, dass sich der Virus nördlich von Scharnebeck ausbreitet.“ Die Jäger würden ihre Hunde grundsätzlich impfen. Hingegen scheint eher bei privaten Hundehaltern eine Impf-Faulheit vorzuherrschen.

Dr. Pfeiffer vom Kreis-Veterinäramt sagt: „Schätzungsweise nur zirka 50 Prozent der Hunde werden regelmäßig geimpft.“ Dr. Uwe Tiedemann, aus Lüneburg, Präsident der Bundestierärztekammer, sagt auf LZ-Nachfrage: „Die Impfungen für Hunde sind auf jeden Fall ratsam. In den Kombi-Impfungen ist die Staupe oft mit abgedeckt. Bei Jungtieren sollte die Impfung in der achten, zwölften und 16. Lebenswoche erfolgen, dann wieder nach 15 Monaten und dann alle drei Jahre. Das ist in der Regel ein sicherer Impfschutz.“ Eine sogenannte Kombi-Impfung koste je nach Ausführung und Tier in etwa zwischen 30 bis 50 Euro. Für die Prävention wäre das wohl angesagt, damit Bello nicht wie mancher Fuchs in einer Plastiktüte beim Veterinäramt landet.

Verlauf und Fallzahlen

Erste Symptome einer Staupe-Infektion treten etwa eine Woche nach der Infektion auf, wie beispielsweise Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und hohes Fieber. Hinzu kommt erst wässrig klarer, dann eitriger Augenausfluss, der hochgradig ansteckend ist, heißt es beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Im weiteren Verlauf kann sich die Krankheit in verschiedenen Formen ausprägen beispielsweise mit Durchfall und Erbrechen sowie Lungenentzündung bis hin zur Gehirnschädigung.

Im Jahr 2015 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H) 189 Wildtiere eingesandt, die entweder tot aufgefunden oder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten erlegt worden waren, sowie acht Proben von Hunden zur Ermittlung der Todesursache. Das Wildtierspektrum umfasste nach Angabe des LAVES Dachse, Füchse, Marder, Waschbären und Marderhunde sowie verschiedene andere Tierarten, wobei die Füchse die größte Gruppe bildeten.

Von den insgesamt 95 eingesandten Füchsen wurden 33 Tiere (fast 35 Prozent) positiv auf Staupe getestet. Bezogen auf alle eingesandten Tierarten wurde, wie schon im Vorjahr, bei rund 25 Prozent der Tierkörper das Staupe-Virus nachgewiesen.