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Der Projektbeireat "Alpha" hat sich konstituiert, allerdings ohne Beteiligung der direkt Betroffenen. Foto: A./t&w
Der Projektbeireat "Alpha" hat sich konstituiert, allerdings ohne Beteiligung der direkt Betroffenen. Foto: A./t&w

Alpha-Variante E: „Deutsch Evern wieder ausgesperrt“

kre Deutsch Evern/Verden. Michael Hansen ist sauer: „Deutsch Evern ist erneut die Tür vor der Nase zugeschlagen worden“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Deutsch Evern 21, die sich gegen den Bau des dritten Bahngleises quer durch ihre Gemeinde wehrt. Das tut sie nach wie vor – „und das ist auch der Grund, warum uns jetzt die Mitarbeit im Projektbeirat verwehrt wird“, vermutet Hansen. Bereits bei der Besetzung des Dialogforums Schiene Nord in Celle waren die Deutsch Everner nicht zugelassen worden, konnten ergo auch am Abschlussdokument nicht mitwirken, mit dem sich die Bürgerinitiativen auf die Alpha-Variante E verständigt hatten.
Der Projektbeirat, so hatten es die Mitglieder des Dialogforums damals in Celle beschlossen, soll darüber wachen, dass die im Abschlussdokument formulierten Bedingungen von der Bahn auch umgesetzt werden. Dass Deutsch Evern diesem Gremium nicht angehören soll, ist für Friedrich-Karl Bodin, Sprecher der Bürgerinitiative Ostheide, kein Widerspruch: „Im Abschlussdokument ist definiert, dass nur Teilnehmer aus dem Kreis des Dialogforums Schiene-Nord im Projektbeirat vertreten sein können.“

Das klang vor wenigen Wochen allerdings noch deutlich anders: „Wir hatten nach der Abschlusssitzung in Celle als Bürgerinitiative eine Einladung bekommen, im Projektbeirat mitzuarbeiten“, berichtet BI-Sprecher Hansen. Allerdings unter Auflagen: Deutsch Evern müsse den Kampf gegen das dritte Gleis aufgeben und die Alpha-Variante E im vollen Umfang akzeptieren.

Das Begleitgremium ist kein Ort, um Alpha E zu diskutieren, egal wie man diese Variante bewertet!
Michael Hansen, Sprecher der BI Deutsch Evern

„Das können wir als eine von der Alpha-Variante E so intensiv betroffene Bürgerinitiative nicht akzeptieren“, sagt Hansen, zeigte sich aber dennoch grundsätzlich bereit, im Projektbeirat konstruktiv mitzuarbeiten – ohne den Kampf gegen das dritte Gleis aufzugeben. Für den Deutsch Everner ist das auch kein Widerspruch: „Das Begleitgremium ist kein Ort, um Alpha E zu diskutieren. egal, wie man diese Variante bewertet!“ Denn sollte das dritte Gleis gebaut werden, ist dieses Gremium dazu da, die Interessen der Bahnanwohner zu vertreten. „Und das ist klar die Aufgabe der Betroffenen selbst, darauf zu achten, dass das Bestmögliche auch tatsächlich umgesetzt wird“, erinnert BI-Sprecher Hansen.

Bereits am Montag hatte sich der Projektbeirat – ohne Deutsch Evern – konstituiert. Am heutigen Freitag werden sich die Mitglieder bei einer Veranstaltung der Bahn vorstellen, die in Verden nach dem Aus für die Y-Trasse die weiteren Pläne zum Ausbau bestehender Bahnstrecken in Niedersachsen vorstellen will. Teilnehmer dieses Treffens sind die Kommunen und Institutionen, die an der Trassenwahl im Dialogforum im vergangenen Jahr beteiligt waren. „Wir wollen uns das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen“, sagt Friedrich-Karl Bodin auf LZ-Anfrage. „Eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung natürlich auch die Gemeinde Deutsch Evern“, sagte gestern Abend eine Sprecherin des Wirtschaftsminsteriums und fügte hinzu: Minister Olaf Lies hat ein großes Interesse an einem offenen Verfahren.“

Voraussichtlich als erstes soll der zweigleisige Ausbau der Strecke von Rotenburg nach Verden angegangen werden. Die 27 Kilometer lange Strecke ist bislang ein Nadelöhr für Güterzüge auf der Fahrt von Hamburg in Richtung Hannover und Ruhrgebiet. Der Ausbau dieser und anderer Strecken soll mehr Platz für den wachsenden Güterzugverkehr aus den norddeutschen Seehäfen ins Hinterland schaffen. Der dafür jahrelang vorgesehene Neubau der Y-Trasse von Hannover in Richtung Bremen und Hamburg war vom Dialogforum im November verworfen worden.

Vorgesehen ist ferner der Ausbau der Strecke Nienburg-Minden sowie der sogenannten Amerika-Linie von Bremen nach Uelzen, über die Züge in Richtung Ost- und Süddeutschland fahren sollen. Und zwischen Lüneburg und Uelzen ist ein drittes Gleis geplant. Die sogenannte Alpha-Variante E. Für die Bahn-Planer ein „ganz wichtiger“ Abschnitt: „Da gibt es eine fünfstellige Anzahl betroffener Bürger und sicher auch hohen Diskussionsbedarf. Dem werden wir uns aber stellen“, sagt Großprojektleiter Matthias Hudaff von der Deutschen Bahn, der sich auch zur Realisierung des Projektes äußert: „Es muss der politische Wille da sein, das mit Nachdruck durchzusetzen. Das politische Commitment zum Ausbau ist wichtig.“

Und Deutsch Evern? Selbstverständlich könne sich auch die dortige BI einbringen, sagt Bodin. Nicht im Projektbeirat, wohl aber in den regionalen Gremien vor Ort.
Was die Politik von denen hält, hatte aber jüngst die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann kundgetan. Sie bezeichnete solche Treffen als „Blabla-Veranstaltungen“.

6 Kommentare

  1. Alle Dialogveranstaltungen ändern nichts daran, daß in Hamburg und anderen Seehäfen großer Gewinn erzielt wird und die Anwohner der „Hinterlandverbindungen“ den ohrenbetäubenden Lärm zu ertragen haben, der vor allem von durchfahrenden Containerzügen ausgeht. Die Gewinne werden dabei privatisiert, die Kosten für den Ausbau der Verkehrswege sozialisiert.

    Schaut man sich die Wege der Container an, kann man dabei Groteskes feststellen: So werden z.b. jährlich ca Tausend Tonnen strahlendes Uranerzkonzentrat in solchen Containern von Namibia per Schiff nach Hamburg gebracht. Dort auf die Schiene verladen und dann per Bahn längs durch Deutschland und längs durch Frankreich zur Atomanlage Narbonne/Malvesi in der Nähe des Mittelmeeres gefahren. Ein Blick auf eine Landkarte, die ich hier leider nicht darstellen kann, macht den Irrsinn deutlich.
    Und derlei Irrsinn müssen Wir als Anlieger keineswegs als quasi naturgegeben erdulden.

    • Holla, Karsten Hilsen, wenn es nach Ihnen geht, sind staatliche Investitionen aus Steuermitteln in technische oder soziale Infrastrukturprojekte wohl nie zu rechtfertigen? Denn immer profitiert nur ein Teil der Bevölkerung, während ein anderer nur bezahlt. Unter 82 Millionen Deutschen sind nur sehr wenige, die z. B. einen Seehafen wie den in Hamburg zu Erwerbszwecken persönlich nutzen, aber es sind auch nur sehr wenige Münchener oder Saarländer darunter, die das neue Klettergerüst auf dem Kindergartenspielplatz in Nahrendorf bei Tosterglope nutzen. Energieversorgungskomplexe für Elektroenergie, Gasversorgung und Fernwärme sowie Tankstellennetze, Rundfunk, Internet, Festnetz-Telefonie, Mobilfunk, Postwesen, Müllentsorgung, Abwasser, Wertstoffverwertung, Trinkwasser, öffentlicher Verkehr mit Binnengewässern, Seeschifffahrt, Eisenbahnen (Nah- und Fernbahn), Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV und Personenfernverkehr Fernbus), Luftverkehr, Flughäfen, Straßen, Navigationsfunksender für Luft- und Seefahrzeuge, Straßen, Radwege, Radwanderwege usw., Finanz-, Banken-, Steuer- und Währungssysteme, Bildungseinrichtungen mit Bibliotheken, Schulen, Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen usw., Kinderbetreuungs-Einrichtungen, Waisenhäusern, Altenheimen, Frauenhäusern, Pflegediensten usw., Gesundheitssysteme mit Versicherungen, Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Kulturelle Einrichtungen mit Ausstellungsräumen, Bibliotheken, Museen usw., Einrichtungen der öffentlichen Sicherheit: Bevölkerungsschutz, Polizei, Verteidigung usw., Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherungen und Sport- und Freizeiteinrichtungen wie Sportanlagen und -plätze, Parks etc. etc. Müsste man nicht alles das vorläufig mal auf Eis legen, bis Ihnen begreiflich gemacht worden ist, wozu es von Ihnen als Steuerzahler finanziert werden soll, obwohl Sie persönlich weder vom Internet, noch vom Service in Frauenhäusern oder vom Wettersatelliten Gebrauch machen werden?

      Und dass bei allem, was da so getrieben wird, auch das eine oder andere falsch laufen kann, Herr Hilsen, wer wollte das bezweifeln? Darin besteht aber der Unterschied z. B. zwischen den Mitgliedern der BI aus Deutsch Evern und Ihnen. Die dort wenden sich einem konkreten Problem mit spezifischen Lösungsmöglichkeiten zu, über welche in Abstimmung mit anderen von konkreten Problemen mit spezifischen Lösungsmöglichkeiten Betroffenen verhandelt werden muss, während Sie einen Post bei der LZ absetzen, die Systemfrage stellen und von Ihrem geheimen Wissen über einen internationalen Umweltskandal raunen. Was soll das revolutionäre Deutsch Evern Ihrer Meinung nach mit all dem nun anfangen, Herr Hilsen?

  2. schon lustig, der hamburger hafen ist mit seinem umsatz um 10% gesunken. dieses heißt, weniger güter wurden transportiert. die bahn hat ebenfalls über 10% nach dem lokführerstreit verloren, aber trotzdem soll eine neue trasse gebaut werden. der schwachsinn hat methode. man braucht nur sehen, wer sich berreichern will und zwar auf kosten des anderen. die politiker , die dieses nicht sehen,oder sehen wollen, sollte man zum mond schießen.

    • Warum -10% weniger Güter im HH Hafen ?! Sie kennen bestimmt die Gründe hierfür..oder Klaus ? Durch das Russland-Embargo werden weniger Güter/Container im Hafen umgeschlagen. Der HH Hafen ist ein Drehkreuz in den Osten. Hier werden Güter von großen Schiffen auf kleinere Schiffe umgeschlagen, die sie dann besser ins „Hinterland“/Kanäle bringen können. Und da spielt das Russland-Embargo eine sehr große Rolle. Aber da stehen bestimmt blinde Politiker und Lobbyisten hinter.