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Im September lag einer der beiden Biber im Gehege des Biosphaeriums tot am Grund des Teiches, laut toxikologischer Analyse besteht der akute Verdacht, dass das Tier mit einem nicht frei verkäuflichen Betäubungsmittel vergiftet wurde. Foto: dth
Im September lag einer der beiden Biber im Gehege des Biosphaeriums tot am Grund des Teiches, laut toxikologischer Analyse besteht der akute Verdacht, dass das Tier mit einem nicht frei verkäuflichen Betäubungsmittel vergiftet wurde. Foto: dth

Erneut stirbt Biber in Bleckeder Anlage

off Bleckede. Giftmord. Der Verdacht erreicht Andrea Schmidt vor wenigen Wochen — und ist für die Geschäftsführerin des Biosphaeriums Bleckede ein Schock. Anfang September hatten sie und ihr Team einen der beiden Biber der Anlage tot am Grund des Teiches gefunden, den Kadaver zur Untersuchung zu einem Spezialistenteam nach Berlin gebracht. Die Suche nach der Todesursache dauert Wochen, bis die toxikologische Analyse schließlich ergibt: „akuter Vergiftungsverdacht“ — durch ein Medikament, das in der Humanmedizin bis in die 1970er-Jahre als Schlafmittel diente und heute zum Einschläfern von Tieren genutzt wird.

Bei der Polizei stellt Schmidt Anzeige gegen Unbekannt, informiert Behörden, Gesellschafter und Besucher über den Vorfall. An die große Glocke hängt sie den Verdacht wegen der laufenden Ermittlungen nicht. Erst am Donnerstagabend präsentiert sie bei der Bleckeder Stadtratssitzung im Rahmen ihres jährlichen Geschäftsberichts erstmals öffentlich die Fakten zum Tod des Bibers. Der Vorfall bleibt an diesem Abend unkommentiert. Für Andrea Schmidt und ihr Team hat er sich trotzdem noch nicht erledigt.

War es wirklich ein gezielter Anschlag? Was steckt dahinter? Wie ist der Attentäter an das Narkosemittel gekommen? Und wie groß ist die Gefahr für das verbliebene Biber-Weibchen? Stundenlang hat sich Andrea Schmidt den Kopf über die Fragen zerbrochen — und am Ende nur eine „annähernd plausible“ Erklärung für den Anschlag gefunden. „Jemand will das Biosphaerium in Misskredit bringen.“ Vor allem im Vorfeld der Elbschloss-Erweiterung 2011 hatte es um die geplante Biberanlage heftige Diskussionen geben. „Doch warum sollte jemand dann erst jetzt so etwas unternehmen?“, sagt Schmidt. Der Vorfall bleibt ihr ein Rätsel.

Eine Frage bereitet der Geschäftsführerin der Biosphaerium Elbtalaue GmbH — einer hundertprozentigen Gesellschaft der Stadt — allerdings besonders Kopfzerbrechen. Hat der Täter schon einmal zugeschlagen? Nachdem der erste Biber nachweislich krank in der Anlage angekommen und schon nach 14 Tagen eines natürlichen Todes gestorben war, gab es 2013 einen zweiten Todesfall. „Auch damals lag das Tier plötzlich tot in der Anlage“, erzählt Schmidt. Und auch damals wurde der Kadaver untersucht. „Man konnte aufgrund des Zustandes des Tieres allerdings keine toxikologische Untersuchung mehr machen.“ Damit blieb die Todesursache ungeklärt.

Als Schmidt nun den akuten Vergiftungsverdacht erhielt, „war ich zwar geschockt, aber auch ein wenig erleichtert, dass wir endlich eine Erklärung für den Tod des Bibers hatten“, sagt sie. Schon nach dem ersten Vorfall 2013 hätten Tierärzte, Zoologen und Biberexperten die Anlage begutachtet und nach einer Erklärung gesucht. Allerdings „vergeblich“.

Die Polizei hat den Fall inzwischen an die Staatsanwaltschaft Lüneburg weitergegeben, dort sind die Ermittlungen vor kurzem eingestellt worden. „Was aber nicht heißt, dass wir den Fall bei neuen Hinweisen nicht wieder neu aufrollen werden“, sagt Polizeisprecherin Antje Freudenberg. Verfolgt habe man vor allem die Spur des Narkosemittels, das jemand zum Beispiel in einem Apfel auf die Biberanlage hätte werfen können — das seit den 1970er-Jahren in Deutschland allerdings nicht mehr frei verkäuflich sei. Doch alle Nachfragen bei Apothekern und Tierärzten seien ergebnislos geblieben, sodass „man am Ende keine neuen Ermittlungsansätze mehr gesehen hat“.

Bleibt Andrea Schmidt und ihrem Team nur die Hoffnung, dass so etwas nicht wieder passiert. „Weitere Vorfälle dieser Art lassen sich auch durch zusätzliche Maßnahmen nicht verhindern“, sagt sie. Das Biber-Weibchen bleibt vorerst weiter allein im Gehege. „Doch die Planungen für die Neubesetzung des Geheges durch zwei neue Biber laufen.“