Donnerstag , 29. September 2016
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Echt oder gefälscht? Auch Geldfälscher gehen mit der Zeit und nutzen modernste Technik, um ihre Blüten unters Volk zu bringen. Häufig sind Original und Fälschung auf den ersten Blick nicht mehr zu unterscheiden. Foto: t&w
Echt oder gefälscht? Auch Geldfälscher gehen mit der Zeit und nutzen modernste Technik, um ihre Blüten unters Volk zu bringen. Häufig sind Original und Fälschung auf den ersten Blick nicht mehr zu unterscheiden. Foto: t&w

Nur selten ist Falschgeld auf Anhieb zu erkennen

us Lüneburg. War es Dummheit oder waren die Fälscher einfach nur dreist? „Vermutlich beides“, sagt Norbert Scholz. Als Mitglied des Falschgeldpräventionsteams der Deutschen Bundesbank in Hannover kennt er seine „Pappenheimer“, weiß um deren Fähigkeiten, Geldscheine täuschend echt nachzudrucken. Doch warum sie ausgerechnet einen 25-Euro-Schein in Umlauf brachten, kann auch er sich nicht erklären. „Ihr Ziel ist eigentlich ein anderes: möglichst originalgetreu und bloß nicht auffallen.“ Vor Teilnehmern einer IHK-Veranstaltung in Lüneburg erläuterte der Falschgeld-Experte, wie der Einzelhandel sich vor „Blüten“ schützen kann.

„Nur etwa 15 Prozent des im Umlauf befindlichen Falschgelds wird vom Einzelhandel rechtzeitig erkannt“, berichtet Norbert Scholz. Das Problem: Für Falschgeld, vom Handel angenommen, gibt es keinen Ersatz. Denn die wertlosen Scheine oder Münzen werden nicht nur von den Banken ersatzlos eingezogen, auch der „Kunde“ ist mit der frisch erworbenen Ware meist längst über alle Berge — ein Verlust, auf dem stets der Einzelhandel sitzen bleibt.

4,4 Millionen Euro Schaden entstand im vergangenen Jahr allein in Deutschland durch gefälschte Banknoten, verursacht durch 95500 einzelne Geldscheine, die von der Bundesbank aus dem Verkehr gezogen wurden — 51 Prozent mehr als 2014, das im Vergleich zu 2002 mit damals nur 14000 Stück ebenfalls zu den besonders auffälligen Falschgeldjahren zählt. Den drastischen Anstieg erklärt Scholz mit der Einführung der neuen 5-, 10- und 20-Euro-Scheine im Mai 2013: „Beim Einziehen der alten Serie sind die gefälschten Noten dann vermehrt ins Netz gegangen“.

Ein klassisches „Falschgeldland“, wie Scholz sagt, sei Deutschland im europäischen Vergleich dennoch nicht. Während hier im vergangenen Jahr 12 Blüten pro Jahr und 10000 Einwohner registriert wurden, lag der europaweite Durchschnitt bei 25. Eindeutige Favoriten der Banknotenfälscher sind die 20-Euro-Note mit einem Anteil von 37,2 Prozent und die 50-Euro-Note mit 49,5 Prozent, „hier sind Aufwand und Ertrag besonders hoch und die Gefahr, erwischt zu werden, verhältnismäßig gering.“ Münzen spielen laut Scholz kaum noch eine Rolle, Aufwand und Ertrag fallen dabei anscheinend zu weit auseinander.

„Fälscher suchen am liebsten Orte auf, wo es dunkel und wo viel los ist“, sagt Scholz. Die Gefahr, erwischt zu werden, sei dann deutlich geringer. Effektivster Schutz vor Falschgeld sei daher eine gute Kenntnis der Sicherheitsmerkmale der Geldscheine, auch wenn die Kontrolle im hektischen Alltag oft nur schwer möglich ist. Misstrauen sei angebracht, wenn das Verhältnis zwischen Banknote und Preis stark auseinander fällt. Wer also eine Packung Kaugummi mit einem 50-Euro-Schein bezahlen will, müsse damit rechnen, dass man sich den Schein genauer anschaut.

Wer eine gefälschte Banknote angeboten bekommt und sie als solche erkennt, „darf sie auf keinen Fall wieder an den Betreffenden zurückgeben. Man würde den Schein damit wieder in Umlauf bringen und sich selbst strafbar machen, es drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis“, warnt Scholz. Allerdings sollte man es auch tunlichst unterlassen, die betreffende Person festhalten zu wollen. „Fälscher kennen kein Pardon, scheuen auch vor Waffengewalt nicht zurück.“ In jedem Fall, auch wenn man auf einen Arglosen getroffen ist, müsse die Polizei gerufen werden.

Zwar verfügt der Einzelhandel über Geräte, um falsche Banknoten identifizieren zu können, doch echten Schutz böten auch sie nicht immer. „Fälscher stellen sich im Laufe der Zeit auch auf diese Techniken ein.“ Ein Trick geht so: So habe ein Fälscher beim Bezahlen der Ware zunächst mit einem echten 200-Euro-Schein bezahlt. Nachdem dieser von der Kassiererin als echt identifiziert worden war, forderte der Mann den Schein mit dem Hinweis, dass er wohl doch passendes Kleingeld habe, wieder zurück. Dann aber gab er ihr einen falschen 200-Euro-Schein als den vermeintlich echten wieder zurück. Die Kassiererin prüfte nicht erneut und legte den Schein in die Kasse.

Echt oder gefälscht?
Diese Sicherheitsmerkmale (Auswahl) unterscheiden echte von falschen Banknoten:

Beschaffenheit: Banknotenpapier besteht aus reiner Baumwolle, an manchen Stellen ist der Aufdruck tiefer. Das Papier vieler Fälschungen fühlt sich lappig und glatt an, der Aufdruck ist an keiner Stelle dicker.

Wasserzeichen: Es wird sichtbar, wenn es gegen das Licht gehalten wird. Ein gefälschtes Wasserzeichen erscheint dunkler als das umliegende Papier.
Hologramm: Je nach Banknote erscheint beim Kippen des Scheins die Wertzahl der Banknote und das Euro-Symbol oder ein anderes Zeichen. Gefälschte Hologramme bleiben beim Kippen meist statisch.

Sicherheitsfaden: Gegen das Licht gehalten, erscheint der Faden als dunkler Streifen mit der Aufschrift „EURO“ und der Wertzahl der Note. Bei Fälschungen ist der Faden häufig nicht in das Papier eingebettet und ist oft nur eine gräulich-schwarze Linie ohne Beschriftung.

Zahl mit Farbwechsel (nur ab 50-Euro-Schein aufwärts): Auf der Rückseite verändert sich die Farbe der Wertzahl rechts unten von Purpurrot zu Olivgrün oder Braun. Fälschungen zeigen keinen Farbwechsel.