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Stau in den Morgenstunden auch auf der Route von Mönchsgarten über die Dörnbergstraße, den Schnellenberger Weg und Am Grasweg. Foto: be
Stau in den Morgenstunden auch auf der Route von Mönchsgarten über die Dörnbergstraße, den Schnellenberger Weg und Am Grasweg. Foto: be

Blechlawine auf Abwegen – Autofahrer nutzen Blümchensaal als Ausweichroute

as Lüneburg. Die Verlagerung des Verkehrs nach der Sperrung der Wandrahmbrücke auf Ausweichrouten war absehbar. Immerhin rollten täglich 28500 Fahrzeuge über die Willy-Brandt-Straße, die seit Sonnabend zwischen der Kreuzung Stresemannstraße/Ebert-Brücke und Wandrahmstraße für die Erneuerung der Brücke gesperrt ist. Einen Straßenzug trifft es besonders hart: Auf der Strecke Schwalbenberg, Blümchensaal, Deutsch-Evern-Weg bilden sich täglich lange Staus. Nicht nur zu Spitzenzeiten, klagen Anwohner.

Von „unhaltbaren Zuständen“ spricht Thomas Müller, einer von mehreren Anwohnern, die sich per E-Mail an die LZ gewandt haben. Seit Beginn der Bauarbeiten an der Wandrahmbrücke haben „sich auf der Strecke Schwalbenberg, Blümchensaal, Deutsch-Evern-Weg in beide Richtungen mehr als zwei Kilometer lange Staus gebildet.“ Die vielen Anwohner der genannten Straßen sowie die der Kurt-Schumacher-Straße, Jakob-Kaiser-Straße, Bülowstraße, Am Kalten Moor und Schierbrunnen seien damit quasi „in Geiselhaft“; weder nach Norden noch nach Süden könnten sie die Wohngebiete mit dem Auto in einer zumutbaren Zeit verlassen. Dabei war die genannte Strecke ausweislich nicht als Umleitung eingeplant. „Hinzu kommt bereits jetzt eine erhebliche Luftverschmutzung durch den nicht abfließenden Verkehr, dem die Anwohner in keinem Fall das ganze Jahr 2016 ausgesetzt bleiben können.“
Aus Sicht von Müller fehlt auch eine klare Ausschilderung, die den Verkehr in Richtung Theodor-Heuss-Straße lenkt. „Die großen, weißen Hinweisschilder werden offenbar nicht entsprechend wahr genommen, das übliche gelbe Schild mit einem U und einem Pfeil geradeaus wäre gegebenenfalls sinnvoller.“ Die Stadt müsse nachbessern, möglicherweise bedürfe es für die kommenden Monate einer Regelung, „die neben dem Linienverkehr nur Anliegerverkehr auf dieser Strecke frei gibt“.

Auf der LZ-Facebookseite kommentieren Nutzer zum Beispiel: „Ich bin Anwohner und kann nur sagen: Katastrophe, man kommt weder aus der Parklücke raus, um zur Arbeit zu fahren, noch kommt man abends nach Hause.“ Ein anderer richtet seine Kritik an die, die die Strecke als Schleichweg nutzen: „Wer zu faul ist, die paar Meter über die Theodor-Heuss-Straße zu fahren, ist selber schuld, wenn er 40 Minuten im Blümchensaal steckt. Mir tun die Anwohner leid!“ Der Tipp von mehreren: Die Ostumgehung nutzen, da fließe der Verkehr. Oder die von der Stadt empfohlene Parallelstraße (Theodor-Heuss-Straße) befahren.

Auch die Stadt hat in den vergangenen Tagen „viele Rückmeldungen zur veränderten Verkehrssituation bekommen“, sagt Pressesprecherin Sarah Cramer von Clausbruch. „Gut nachvollziehen können wir den Ärger der Lüneburger und Verkehrsteilnehmer, die direkt von den Auswirkungen der Veränderungen betroffen sind. Erfahrungen mit vorherigen Umleitungen haben aber gezeigt, dass es einige Tage dauert, bis sich der Verkehr auf eine neue Situation eingestellt hat. Und das vor allem, wenn es sich um eine solch große Maßnahme handelt, wie den Abriss und Neubau der Wandrahmbrücke. Deshalb sind wir dabei, die sich neu ergebenden Verkehrsströme zu beobachten und auszuwerten. Sollten wir nach Ablauf der Eingewöhnungsphase Bedarf für Veränderungen sehen, werden wir zunächst bei den Ampelschaltungen ansetzen. Eine Änderung der Verkehrsführung ist zunächst mal nicht angedacht.“

Mit Blick auf den Straßenzug Am Schwalbenberg, Blümchensaal, Deutsch-Evern-Weg sagt sie: „Es hat sich gezeigt, dass die Route bisher als vermeintliche Abkürzung genutzt wird. Nochmals möchten wir die Autofahrer bitten, die Ostumgehung stärker zu nutzen, gegebenenfalls auch über die Theodor-Heuss-Straße ausweichen, da weder der Straßenzug Blümchensaal für ein solches Verkehrsaufkommen ausgelegt ist, noch die Ampelschaltung für eine solche Umleitung angepasst wurde.“

Besonders anschauen will sich die Stadt auch die Knotenpunkte Vor dem Neuen Tore/Schnellenberger Weg und Am Grasweg, da es sich dort ebenfalls zu Spitzenzeiten stärker staut als sonst.

Das sagt die Polizei
Der viele Verkehr mag ärgerlich für die Anwohner sein, doch ein rechtlich zu beanstandendes Fehlverhalten von Autofahrern erkennt die Polizei nicht. Blümchensaal und Deutsch-Evern-Weg seien öffentliche Straßen. Wer diesen Weg statt der empfohlenen Umleitung der Stadt wähle, könne das tun, heißt es von der Wache. Belastet sei der Straßenzug durch die Berufbildenden Schulen, zu Unterrichtsbeginn und -schluss sei entsprechend viel los. Nun komme noch der Verkehr aufgrund der gesperrten Willy-Brandt-Straße hinzu. Unfälle als Folge des zunehmenden Verkehrs auf anderen Strecken hat die Polizei bislang keine registriert. ca
Zeitplan für Brückenneubau
Warum dauern Abriss und Neubau der Wandrahmbrücke so lange? Das wollen LZ-Leser wissen. Die Stadt begründet das mit den vielen und zeitaufwendigen Arbeiten. Der Zeitplan:
Bis Ostern: Einrichten der Baustelle und Abriss der alten Brücke. Dazu gehört auch das Abtragen der Böschung und beim Abbruch müssen alle Stoffe voneinander getrennt werden.
Bis zirka Anfang Juni: Betonarbeiten für Fundamente und Widerlager, parallel werden die Stahlträger für die Brücke angefertigt und vor Ort vormontiert. Dabei sind immer wieder Phasen nötig, in denen das Material aushärten und trocknen muss.
Bis etwa August: Oberbau, das heißt Einbau der Stahlträger und der Fertigteile aus Stahlbeton. Bis zum 1. Advent Arbeiten wie Abdichtung, Aufbau des Geländers, Einrichten der Gehwegkappen, Anschluss der Versorgungsleitungen.

Mehr dazu:

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