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Was ist eigentlich notwendig, um seh- und hörgeschädigten Kindern den Schulalltag zu erleichtern? Die Studenten Sarahfee (v.l.), Melanie, Lennart und Roya erhalten im Hörsaalgang durch die präparierten Taucherbrillen einen Eindruck von möglichen Sehschädigungen. Foto: t&w
Was ist eigentlich notwendig, um seh- und hörgeschädigten Kindern den Schulalltag zu erleichtern? Die Studenten Sarahfee (v.l.), Melanie, Lennart und Roya erhalten im Hörsaalgang durch die präparierten Taucherbrillen einen Eindruck von möglichen Sehschädigungen. Foto: t&w

Konferenzwoche: Visionen von Lüneburg im Jahr 2030 + + + Mit Video

ap Lüneburg. Im Hörsaal ist es mucksmäuschenstill, als Markus Bruggaier in sein Horn bläst. Mit einer spontanen Melodie eröffnet der Hornist der Berliner Staatskapelle die Konferenzwoche an der Leuphana. Im Fokus stehen drei Tage lang die Projekte von rund 1500 Studenten des ersten Semesters. Sie haben sich drei Monate lang in rund 300 Kleingruppen unter dem Motto „Wie wollen wir 2030 leben?“ mit nachhaltigem Handeln beschäftigt. Sie haben — zum Teil gemeinsam mit Bürgern — Visionen für ein nachhaltiges Lüneburg entworfen, sich mit dem Thema Einwanderungsland Europa oder dem digitalen Wandel beschäftigt. Konkrete Inhalte werden am Donnerstag präsentiert.

Im Hörsaalgang, dem „Gallery Walk“, in dem Erstsemester ihre Projekte anschaulich aufbereitet haben, herrscht Gedränge. Viele Studenten, aber auch Interessierte aus Lüneburg und Umgebung sind gekommen, um sich zu informieren. Die Ideen sind vielfältig, sie reichen von Abonnements von Bio-Lebensmitteln über Inklusion von sehbehinderten Kindern bis zu Prototypen nachhaltiger Städte.

Die Organisatoren, also Studenten, Uni-Lehrende und städtische Vertreter, blicken auf drei Monate intensive Arbeit zurück. „Wir fahren jetzt die Ernte ein: Tolle Gäste sind gekommen, um die Arbeit und die Kreativität der Studenten zu würdigen“, erklärt Prof. Dr. Matthias Barth, wissenschaftlicher Leiter des Teams. „Das Jahr 2030 bindet die verschiedenen Themen, das ist ein relativ naher Horizont.“ Bei der Vorstellung an einen Zeitpunkt in 14 Jahren seien die meisten dennoch fantasielos, nur durch Zurückblicken und Vergleichen seien Veränderungen spürbar. „Das ist unser Ziel, wir wollen den Blick der Studenten öffnen, ihnen zeigen, was Veränderung bedeutet“, erklärt er.

Nicht nur das Organisationsteam ist zufrieden nach dem Startschuss, auch die Teilnehmer verteilen Lob. „Es interessiert mich, wie dieses kleine, verschlafene Städtchen mit all seinen alten Bauwerken in 2030 aussehen soll“, sagt Luis. Johanna hat sogar einen ganz klaren Wunsch an die Zukunft: „Ich hoffe auf einen gesellschaftlichen Aufwachmoment, es geht uns allen viel zu gut“, sagt die Studentin. Selma, Mariella, Anne und Kolja entspannen zwischen den zahlreichen Veranstaltungen auf der sogenannten Spielwiese, einer kleinen Grünfläche auf dem Campus, die mit Musik, lustigen Aktionen und regionalem Essen lockt. „Die Konferenzwoche ist das, was man selbst daraus macht. Bei vielen Themen ist die Motivation da, hinzugehen“, erzählen die Studentinnen, die sich an die Stimmung des Kennenlernens der Startwoche erinnert fühlen.

Angetan von der Stimmung sind auch die Gäste, die zu verschiedenen Themen vor und mit den Studenten sprechen. Zum Beispiel Transformationsforscher Prof. Dr. Reinhard Loske, schon 2013 an der Lüneburger Uni zu Gast: „Ich bin immer wieder beeindruckt von dieser Stadt, der Nachhaltigkeitsaspekt ist hier sehr stark angekommen“, sagt er. Markus Bruggaier pflichtet ihm bei, sieht in der Konferenzwoche auch das Anliegen, Studenten das Querdenken beizubringen. „Man sollte in seinem Job nicht alles machen, was von einem erwartet wird. Man kommt nur weiter, wenn man auch mal aneckt“, rät der Musiker, der sich auch mit Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsfragen auseinandersetzt. Amelie Deuflhard lobt vor allem den großen Anteil der Studenten an der Organisation: „Individualisierung wird durch solche Veranstaltungen immer mehr aufgelöst“, sagt die Intendantin der Kulturfabrik Kampnagel. Studenten würden so lernen, zu analysieren, Fragen zu stellen und eigene Antworten zu finden. „In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir alle lernen, Verantwortung zu übernehmen.“

Noch bis Donnerstagabend läuft die Konferenzwoche. Zur Abschlussveranstaltung am Donnerstag ab 13 Uhr im Hörsaal 2 kommt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, um in der „Zukunftsarena“ über die Visionen für Lüneburg 2030 zu diskutieren. Ab 10 Uhr präsentieren studentische Gruppen im Hörsaalgang erste Ergebnisse. Mehr Infos zum Programm auf www.leuphana.de/college/studienstart/konferenzwoche.

Die Landeszeitung war beim Workshop „Mehr Nachbarn, weniger Energie? Zukunftsnachbarschaft aus Papier — Für alle, die kreativ gestalten und konstruktiv träumen wollen“ unter der Leitung von Anna Baumann dabei und hat die Studenten beim Gestalten von Idee beobachtet.