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An der Ecke Kreisstraße 53/Adendorfer Straße sieht die Gemeinde Scharnebeck das künftige Einkaufszentrum des Ortes. Foto: be
An der Ecke Kreisstraße 53/Adendorfer Straße sieht die Gemeinde Scharnebeck das künftige Einkaufszentrum des Ortes. Foto: be

Scharnebeck tritt bei Plänen für Einkaufszentrum auf der Stelle

pet Scharnebeck. „Still ruht der See“, antwortet Scharnebecks Bürgermeister Dr. Dieter Heidelmann, wenn er nach dem Stand der Planungen für das neue Einkaufszentrum am Schiffshebewerk gefragt wird. Und er lächelt gequält dabei. Mit Elan waren Gemeinde und Samtgemeinde das Projekt angegangen, hatten anfangs sogar schon für dieses Jahr auf die Eröffnung gehofft, dann für 2016 auf den ersten Spatenstich — aber der Baubeginn liegt in ungewisser Ferne.

Im Sommer 2013 hatte Investor Jürgen Sallier seine Pläne im Bauausschuss der Gemeinde Scharnebeck vorgestellt. Die sehen an der Ecke Kreisstraße 53/Adendorfer Straße die Ansiedlung eines Edeka-Marktes einschließlich Backshop mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern, eines Budnikowsky-Drogeriemarkts mit 600 Quadratmetern und eine Vergrößerung des bestehenden Aldi-Marktes auf 1200 Quadratmeter vor. Dazu Wohnbebauung und ein „Sondergebiet Fremdenverkehr“ mit kleinen Shop-Flächen, die im Zusammenhang mit Tourismus stehen.

Die Problematik, die sich bald zeigte, war: Das Projekt widerspricht den geltenden Regeln des Landesraumordnungsprogramms und des Regionalen Raumordnungsprogramms. Danach soll die Gesamtverkaufsfläche bei Einzelhandelsobjekten in der Regel in Grundzentren wie Scharnebeck 2000 Quadratmeter nicht überschreiten. Die Gesamtverkaufsfläche des Projekts am Schiffshebewerk würde aber bei 3300 Quadratmetern liegen.

In begründeten Fällen, so Dieter Heidelmann, könne davon aber abgewichen werden. Warum das in Scharnebeck der Fall ist, begründet die Samtgemeinde im Zuge des „Zielabweichungsverfahrens“. Dort heißt es unter anderem: „Das Vorhaben dient im Wesentlichen allein der Sicherung der Nahversorgung der Samtgemeinde.“ Heidelmann: „Mit dem bisherigen Angebot können wir unsere Funktion als Grundzentrum nicht erfüllen.“

Der bisherige Edeka-Markt nahe der Samtgemeindeverwaltung mit 810 Quadratmetern sei zu klein, nicht erweiterungsfähig, nicht mehr zeitgemäß und verfüge über zu wenige Parkplätze. Die Gemeinde fürchte „die Aufgabe und damit den vollständigen Verlust der bestehenden Einzelhandelseinrichtungen innerhalb der Gemeinde“. Sowohl Alternativstandorte im Ortszentrum als auch in Randbereichen seien geprüft worden, hätten sich aber ausnahmslos als nicht geeignet erwiesen.

Die Gefahr eines Leerstands im Bereich des bisherigen Edeka-Markts, wenn denn die Planungen für die neuen Märkte verwirklicht sind, sieht Bürgermeister Heidelmann nicht, das jetzige Einkaufszentrum könne sich zum Dienstleistungszentrum entwickeln. Mit dem Investor sei ein Nachnutzungskonzept erstellt worden, um dort weiter eine Grundversorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Artikeln des täglichen Bedarfs anzubieten. „Vielleicht kann da ein Biomarkt einziehen“, so Heidelmann.

Gegen das Scharnebecker Projekt hatte sich kürzlich auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge ausgesprochen. Die Maßnahme, so Mädge, würde die Lüneburger Nahversorgung massiv beeinträchtigen. Ein Einwand, den Amtskollege Heidelmann überhaupt nicht nachvollziehen kann.
Die Aussagen Mädges hätten ihn „geärgert“ und seien keine „sachbezogene Argumentation“. Bürgermeister Mädge sollte auch die Interessen der Randgemeinden berücksichtigen, „von denen Lüneburg ja schließlich auch lebt“.

Seit Oktober liegt dem Landkreis Lüneburg, der darüber befinden muss, der von der Samtgemeinde gestellte Antrag auf ein „Zielabweichungsverfahren“ vor. Der sei zurzeit in der Bearbeitung, erklärte auf Nachfrage Kreissprecherin Elena Bartels. Wann darüber entschieden werde, sei noch nicht abzusehen.

Bürgermeister Dr. Dieter Heidelmann ist zuversichtlich, was die danstehende Entscheidung angeht. Doch bis dahin wird der See weiter „still ruhen“.

One comment

  1. wie man hier sehen kann, sind vorschriften oft nur makulatur. der an der quelle sitzt,bestimmt die regeln, sonst niemand. und der OB von lüneburg vertritt natürlich nur die lüneburger interessen. manchmal hilft ja auch eine kleine erpressung. man trifft sich ja bekanntlich öfters im leben.