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Insgesamt vier Vorrangflächen (orange) für Windkraftanlagen sieht das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Lüneburg in der Samtgemeinde Amelinghausen vor. Dort sollen die diskutierten Windparks entstehen. Foto: rcfotostock-Fotolia.com, Karte: geoportal, Montage: ck
Insgesamt vier Vorrangflächen (orange) für Windkraftanlagen sieht das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Lüneburg in der Samtgemeinde Amelinghausen vor. Dort sollen die diskutierten Windparks entstehen. Foto: rcfotostock-Fotolia.com, Karte: geoportal, Montage: ck

Drei Windparks einen Schritt weiter

dth Oldendorf/Betzendorf/Rehlingen. In keiner anderen Samtgemeinde im Landkreis Lüneburg werden derzeit so viele neue Windpark-Areale parallel vorbereitet wie in der Samtgemeinde Amelinghausen. Jüngst haben die vorhabenbezogenen Bebauungspläne für drei von vier Windparks die nächste Hürde genommen in den Gemeinderäten Oldendorf/Luhe, Betzendorf und Rehlingen. In einer ersten Runde hatten Bürger und Behörden die Möglichkeit, Stellung zu den Planungen zu beziehen. Die Eingaben beispielsweise zu Schallschutz, Schattenwurf und Ausgleichsmaßnahmen wurden nun von Fachbüros und Verwaltung ausgewertet und von den Räten die nächsten Schritte beschlossen. Rehlingens Bürgermeister Rainer Mühlhausen (UWR) formulierte es so: „Das andere war Vorgeplänkel. Jetzt wird es ernst.“

Die geplanten Windparks „Ehlbeck“ (Gemeinde Rehlingen), „Wetzen“ (Oldendorf/Luhe) sowie „Tellmer/Diersbüttel“ (Rehlingen und Betzendorf) werden quasi im Gleichschritt durchs Verfahren gebracht. So hielten an zwei Abenden an drei verschiedenen Orten der Bauamtsleiter Michael Göbel sowie die Fachplaner im Kern drei Mal den gleichen Vortrag. Unterschiedlich reagierten aber die Räte auf die Diskussion um mögliche Radaranlagen zur Flugsicherung auf den Windrädern. Die individuellen Unterschiede der Windkraft-Gebiete werden ferner umfangreich in den Stellungnahmen und Abwägungen gewürdigt, 52 Seiten füllen diese für den Windpark Ehlbeck in der Gemeinde Rehlingen, 69 Seiten Fachlektüre sind für den Windpark Wetzen zusammengekommen und 75 Seiten für den Windpark Tellmer/Diersbüttel, dessen Bauleitplanung sich die Gemeinden Betzendorf und Rehlingen teilen.

In allen drei Bebauungsplänen wird eine Höhenbegrenzung von maximal 200 Metern pro Windrad angestrebt, gemessen von der Schnittkante des Fundaments mit der gewachsenen Erdoberfläche bis zur senkrecht nach oben gestellten Flügelspitze des Rotors. Hinzu kommt die natürliche Erhöhung der Landschaft.

Laut Diplom-Ingenieur Matthias Reinold, der die Aufstellung der Bebauungspläne begleitet, werde beim Windpark Wetzen zusätzlich Rücksicht genommen auf einen Flugkorridor für Fledermäuse. Dietrich Kraetzsch­mer von der Planungsgruppe Umwelt räumte zudem ein, das Vorkommen von Fledermäusen nur in Bodennähe untersuchen zu können. Gegebenenfalls müssten beispielsweise im Sommer bei bestimmten Temperaturen und Windgeschwindigkeiten die Anlagen ausgeschaltet werden, um die Fledermäuse in größeren Höhen nicht mit Unterdruck durch den Rotorschlag zu schädigen.

Die Grenzwerte für Schattenwurf und Schallschutz würden übrigens, wie auch bei den anderen Windparks, mit Blick auf die nächste Wohnbebauung eingehalten, hieß es. Laut Reinold würden nach dem Bau die Anlagen noch einmal dahingehend überprüft.

Beim Rat Oldendorf wollte Oliver Zeeck von der Bürgerinitiative BIWOS wissen, ob die Leuchtfeuer der Windräder synchron geschaltet würden. Die roten Blinklichter zur Warnung von Fluggeräten sind manchem Anwohner ein nerviger Anblick. Ob die Signale nicht erst bei Annäherung von Flugzeugen eingeschaltet werden könnten? Dazu der Wetzener Projekt-Planer Heiko Voß: „Dann kriegen wir Radargeräte.“ Nur ein System aus der Rüstungsindustrie sei dafür ausgereift und geeignet. Stattdessen solle die Lichtweite der Signallampen reguliert werden.

In Betzendorf konnte sich zumindest Ratsherr Dominik Wehling (CDU) für den Gedanken von Radaranlagen auf den geplanten Windrädern in Tellmer und Diersbüttel erwärmen. Die Radarstrahlung sei nur gesundheitsschädlich, wenn man direkt davor säße. Vielmehr würden wohl aus Sicht der Investoren die Zusatzkosten dagegen sprechen. Zumal laut Betzendorfs Bürgermeister Carsten Müller (CDU) vier solcher Anlagen pro Windrad nötig wären. In Betzendorf brachte Planer Reinold die Leuchtweitenregelung wieder ins Spiel. Die Leuchten könnten auf bis zu zehn Prozent ihrer Leistung abgedimmt werden.
In Betzendorf meldete sich Zuhörer Henning Soltau kritisch zu Wort, führte an, dass es der Genossenschaft Bürger-Windpark Amelinghausen eG, die sich an den Windparks beteiligen wolle, nur um Rendite gehe. Dazu sagte Bauamtsleiter Michael Göbel, zugleich Betzendorfs Gemeindedirektor: „Irgendeine Genossenschaft ist nicht Gegenstand der Bauleitplanung.“

Wesentlich geräuschloser geht die Planung in der Gemeinde Rehlingen über die Bühne, da die beteiligten Flächeneigentümer des Windparks zumeist auch die nächsten Anwohner sind. Rehlingens Bürgermeister Rainer Mühlhausen freut sich zudem, dass die Erschließungsstraßen des Windparks künftig auch für Radfahrer und Spaziergänger zur Verfügung stünden.

Auch wenn die Windräder manchem Anwohner ein Dorn im Auge sind, gibt es unter dem Begriff Ausgleichsmaßnahmen auch etwas Schönes fürs Auge. Planer Dietrich Kraetzschmer zählte etwa Blühstreifen oder Heideflächen auf, die als Ausgleich bei Wetzen geschaffen werden sollten. Bei Betzendorf hat sich die Untere Naturschutzbehörde einen Steinhaufen für Echsen und Kreuzottern gewünscht. Bei Ehlbeck sollen „wegebegleitende Gehölze“ gepflanzt und ebenfalls Heideflächen entwickelt werden.

Abgesehen von vereinzelten Enthaltungen votierten alle drei Gemeinderäte jeweils einstimmig für die Abwägung der Stellungnahmen und die teils geänderten Planungen. Als nächstes gehen die Bebauungspläne in die öffentliche Auslegung.

Alle Unterlagen sind online einsehbar unter www.amelinghausen.de

Windpark „Ehlbeck“
Geplant ist die Errichtung von sieben Windkraftanlagen. Die Windräder sollen eine Höhe von 199 Metern nicht überschreiten. Betreibergesellschaft ist die Bürgerwindpark Ehlbeck GmbH & Co. KG. Gesellschafter sind die Flächeneigentümer, unterstützt vom Bauernverband Nordostniedersachsen Lüneburg. Zuständigskeitsbereich der Gemeinde Rehlingen.
Windpark „Tellmer/Diersbüttel“
Geplant ist die Errichtung von vier Windkraftanlagen. Die Windräder sollen eine Höhe von 197 Metern nicht überschreiten. Betreibergesellschaft ist die Windpark Tellmer GbR. Gesellschafter sind die Flächeneigentümer, unterstützt von der Landberatung Lüneburg. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan ist zweigeteilt, entfällt im nördlichen Bereich in die Zuständigkeit der Gemeinde Rehlingen mit einer Anlage, der Löwenanteil liegt in der Gemarkung der Gemeinde Betzendorf.
Windpark „Etzen“
Geplant ist die Errichtung von vier Windkraftanlagen. Beitreibergesellschaft ist die Bürgerwindpark Etzen GmbH & Co. KG. Gesellschafter sind die Flächeneigentümer. Zuständigkeitsbereich der Gemeinde Amelinghausen.
Windpark „Wetzen“
Geplant ist die Errichtung von sechs Windkraftanlagen. Die Höhe wird in der Vorhabenbeschreibung mit 199,2 Metern angegeben. Betreibergesellschaft ist die Windpark Butterberg GbR. Gesellschafter sind die Flächeneigentümer, unterstützt von der Lüneburger Landberatung. Zuständigkeitsbereich der Gemeinde Oldendorf/Luhe. Im nördlichen Bereich schließt die Planung der Gemeinde Südergellersen für eine weitere Windkraftanlage an.

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2 Kommentare

  1. Man fragt sich warum es immer mehr Windparks Onshore sein müssen. Die Bundesregierung hat für die Energiewende eine Obergrenze für die Leistung dieser Anlagen festgesetzt. Wiederholt wurde diese Grenze in 2015 um 40% überschritten. Bei entsprechender Wetterlage droht das deutsche Stromnetz dadurch überlastet zu werden und die Anlagen müssen zeitweise stillgelegt werden, bzw. wurde der erzeugte Strom auch schon über Nachbarländer umgeleitet, um diese Überlastung zu verhindern. Das führte vor einigen Jahren sogar zu Diplomatischen Verstimmungen mit Polen.
    Wird in Zeiten entsprechender Wetterlage zu viel Strom von den Windkraftanlagen erzeugt, kann er in Deutschland zum Verbrauch gar nicht in vollem Umfang genutzt werden, weil die Stromnetze überlastet wären, bzw. der Strom wegen fehlendem Netzausbau nicht mal bis nach Bayern transportiert werden kann. Und jetzt kommt der Wahnsinn an dem ganzen System. Die Betreiber erhalten vom Staat dennoch eine durch das EEG garantierte Vergütung für jede Kilowattstunde erzeugtem Strom. Egal ob der Strom gebraucht oder verbraucht wird. Unfassbar! Da wird Geld praktisch in den Wind geschossen und bezahlen dürfen natürlich die Verbraucher über die EEG-Abgabe.
    Besonders fraglich ist zudem, ob die deutsche Windkraftbranche überhaupt noch eine staatliche Förderung benötigt, denn inzwischen geht rund ein drittel der hergestellten Windkraftanlagen in den Export. Dank der garantierten Förderung durch den Staat also ein lohnendes Geschäftsfeld. Einmalig! Die Strompreise könnten für die Verbraucher deutlich niedriger ausfallen wenn es solche unüberlegten Gesetze nicht gäbe. Man arbeitet zwar daran die Förderung zu verringern, aber bis das so weit ist, dürfen wir zumindest für die Windkraftanlagen weiterhin unsere EEG-Abgabe zahlen.

    (Siehe auch Artikel in „Die Welt“ vom 27.01.2016)

    • … und es ist noch schlimmer. Zugesagte Renditen hält der Staat nicht unbedingt ein. Das Risiko für private Anleger ist hoch. Neue Wohnbebauungen können dennoch entstehen, weil Grenzwerte eingehalten werden? Der Grenzwert des Willens ist aber entscheidend. Wer will denn dann noch dort wohnen? Und die Natur? Windkraftfreundliche Studien geben grünes Licht. Tolle Überraschung. Heutige Windräder sind morgen die Dampfmaschinen von damals. Sie funktionieren, aber es gibt besseres.

      Windkraft ist in erster Linie eine Ideologie.