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Nach hoher Forderung der Anklägerin fordern die Anwälte vier Jahre Haft für einen, eine Bewährungsstrafe für den zweiten Hasch-Bauern. Foto: phs
Nach hoher Forderung der Anklägerin fordern die Anwälte vier Jahre Haft für einen, eine Bewährungsstrafe für den zweiten Hasch-Bauern. Foto: phs

Drogen-Prozess: Hasch-Bauern lange in Haft

rast Lüneburg. Die Gesellschaft denke aktuell über die Legalisierung weicher Drogen nach, sagte Axel Knaack, Vorsitzender der 3. Großen Hilfsstrafkammer am Landgericht Lüneburg: „Dabei geht es allerdings nicht um die indus­trielle Produktion von Drogen, um so exorbitante Gewinne einzufahren.“ Und das hätten die beiden Angeklagten im Hasch-Bauern-Prozess getan. Die Kammer verurteilte fast genau ein Jahr nach den Festnahmen den 54 Jahre alten Ralph T. wegen gemeinschaftlichen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten, seinen Hamburger Komplizen Florian G. (34) zu sieben Jahren und sechs Monaten. Zudem werden die bei T. sichergestellten 52 935,59 Euro und die bei G. gefundenen 41 879,50 Euro einbehalten, sie unterliegen dem sogenannten Werteverfall.

Mehr dazu lesen Sie am Freitag in der LZ

 

Donnerstag, 25. Februar, 12-55 Uhr.

Verteidiger sind „sehr, sehr, sehr schockiert“

Nach hoher Forderung der Anklägerin fordern die Anwälte vier Jahre Haft für einen, eine Bewährungsstrafe für den zweiten Hasch-Bauern

rast Lüneburg. Die Urteile für die beiden Hasch-Bauern, die von Oktober 2011 an bis zu ihrer Festnahme am 26. Februar in einer Halle an der Goseburg eine Indoor-Plantage betrieben und über den Verkauf von Marihuana etwa 8,2 Millionen erwirtschaftet haben sollen, verkündet das Landgericht Lüneburg am späten Nachmittag. Bereits am Vormittag kamen die Verteidiger zu Wort, die auf das Plädoyer von Oberstaatsanwältin Heike Lalla reagierten. Sie hatte für den 54 Jahre alten Angeklagten aus Buchholz wegen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln elf Jahre und sechs Monate Haft gefordert, für den 34-jährigen Mitangeklagten aus Hamburg sogar zwölfeinhalb Jahre.

Rechtsanwalt Moritz Klay hält die Forderung der Anklägerin für deutlich überzogen, fordert für seinen Mandanten Ralph T. (54) lediglich vier Jahre und die Aufhebung des Haftbefehls. Während die Anklage davon ausgeht, dass T. vor den Lüneburger Deals in einer Mühle in Dassendorf eine Indoor-Plantage betrieben hat, sei dies „nicht sicher feststellbar“. Die Anklage stütze sich ausschließlich auf Aussagen, die T. bei der Polizei und dem Haftrichter machte. Im Prozess selbst hatte er geschwiegen und am vergangenen Montag alle vor dem Hauptverfahren gemachte Aussagen widerrufen. Zuvor hatte T. auch erklärt, dass er nach dem Diebstahl einer kompletten Marihuana-Ernte die Mühle mit einer Waffe, einer Pumpgun, bewacht habe. Auch das ist laut Klay nicht nachweisbar, also entfalle der Vorwurf des Handeltreibens mit einer Waffe, was die Strafe drastisch mildere. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass die Lüneburger Indoor-Plantage bereits ab Oktober 2011, dem Zeitpunkt der Anmietung, betrieben worden sei: „Das Equipment musste aber erst nach und nach eingebaut werden, die Anlage war erst im Mai/Juni 2012 fertig.“ Alles in allem blieben von den ihm vorgeworfenen 25 Taten nur sieben Taten übrig.

Klay verwies auch darauf, dass die Anklage mit „Superlativen“ gearbeitet habe: „Die umfangreiche Ausstattung der Plantage ist aber kein Einzelfall in Deutschland“, es gebe fast 800 Plantagen. Auch habe T. nicht „in Saus und Braus“ gelebt. Das von der Anklägerin als „Villen-ähnliches Haus“ beschriebene Gebäude, das er in Buchholz bewohnte, sei nur ein Mietshaus mit 160 Quadratmetern gewesen – und Buchholz sei schließlich nicht „der Hotspot in Deutschland“. Der Verteidiger wies auch darauf hin, dass Marihuana als „weiche Droge“ gelte und zwei weitere Verfahren gegen seinen Mandanten laufen – eines in Solingen, weil er einst auch dort eine Plantage betrieben haben soll, und eines vom Finanzamt.

Rechtsanwalt Sven Rathjens verteidigt den 34-jährigen Florian G., argumentierte in einigen Punkten ähnlich wie Klay: „Ich war sehr, sehr, sehr schockiert nach dem Plädoyer der Oberstaatsanwältin.“ Für eine Tatbeteiligung von G. in der Dassendorfer Mühle habe es keinen objektiven Beweis gegeben. Sein Mandant sei „völlig unbescholten, er hat keine Vorstrafen“. G. sei glaubwürdig, ihn und seinen Mandanten, den er über die Vermittlung von Autos kennengelernt habe, verbinde eine Freundschaft und die gleiche „Leidenschaft für exotische Autos“. Sein Mandant lebe nicht im Überfluss, er wohne in einer kleinen Hamburger Wohnung und die „Luxusfahrzeuge“, die er sich gekauft und dann weiterverkauft habe, seien Gebrauchtwagen gewesen: „Warum soll er Gebrauchte fahren, wenn er laut Anklage über drei Millionen Euro gemacht haben soll?“ Sein Mandant hatte bereits vor dem Haftrichter zwei Taten gestanden und dies Geständnis im Prozess wiederholt: „Er hat in der Halle an Autos geschraubt“ und sei lediglich in zwei Fällen als „Ernte­helfer“ aktiv gewesen. Die G. belastenden Aussagen von T. seien unglaubwürdig. Rathjens plädierte für seinen Mandanten auf eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Handeltreiben und forderte die Aufhebung des Haftbefehls.

Mehr dazu:

Hasch-Bauern erwarten hohe Haftstrafen +++ mit Video

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18 Kommentare

  1. Armes Deutschland, wo man so gut wie ungestraft Steuern hinterziehen kann, wenn die Summe nur hoch genug ist, so dass das Geld für Kindergärten und ähnliches fehlt. Wo Kinderschänder milder bestraft werden als ein paar Hanfbauern. Wir leben in einer absolut pervertierten Gesellschaft. Legalisiert Cannabis und lasst endlich die an Hexenverfolgung erinnernde Jagd auf Cannabisfreunde.

    • „Wo Kinderschänder milder bestraft werden als ein paar Hanfbauern. “ Da muss man ihnen leider ebenso zustimmen wie bei den Urteilen über Steuerhinterzieher.

      Es herrscht schon eine eigenartige Doppelmoral in unseren Gesetzen und auch unserer Gesellschaft.

  2. Totaler schwachsinn, jemanden in den Knast zu stecken und sein Leben zu zerstören weil er eine Pflanze angepflanzt hat. Wenn sowas bei Cannabis gemacht wird, warum dann nicht auch mit Alkohol oder Zigaretten? Ich kann und will so einen schwachsinn nicht verstehen.

    • Genau. Sind ja „NUR“ Pflanzen, die das Gehirn zersetzen. Mehr nicht. Also in etwa ,wie Erdbeeren,gell!?

      • … Gehirn zersetzen ??? Wo haben Sie denn diesen Schwachsinn aufgeschnappt junge Frau (Quelle bitte!) ???? Bei Alkohol wäre Ihre Aussage im übrigen aber garnicht mal so falsch !!!

      • conny, wer hat dir denn erzählt, das cannabispflanzen das gehirn zersetzen? vielleicht selber zuviel alk gesoffen und dadurch ein gehirnzersetzungsprozess ausgelöst?

      • Cannabis zersetzt das Gehirn? Woher haben Sie sowas? Aus derselben Quelle, in der steht, dass Frauen weniger intelligent sind als Männer?
        In Deutschland konsumieren mehrere Millionen Menschen regelmäßig Cannabis. Fast alle davon ohne gesundheitliche Probleme.

      • @conny.:
        Gehirn zersetzen ? was nimmst Du denn so ein , wer oder was vermittelt Dir dieses – vermeintliche – Wissen ?

        • Ich habe eine sehr gute Bekannte, die keinen Alk trinkt und noch nie getrunken hat, dafür hat sie gekifft was das Zeug hält.
          Mit dem Ergebniss , daß sie mit 40 nicht mehr arbeiten kann , ihre Motorik stark eingeschränkt ist, das Nervensystem teilweise zerstört, das gehirn verlangsamt arbeitet und sie wirkt 24 Stunden wie besoffen.Ihr Leben ist zerstört.
          Für Alk gilt dasgleiche und fürs Tabakrauchen ebenso.

          • Weder Ihre , noch meine persöhnlichen Erfahrungen sind representativ !!! Befassen Sie sich doch bitte mit aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien und nicht nur mit dennen , die Ihre vorgefasste Meinung unterstützen ! Hier eine Leseempfehlung !!!

            Auswirkungen des Cannabiskonsums*
            von Prof.Dr. Dieter Kleiber, Karl-Artur Kovar
            Taschenbuch – 316 Seiten , Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart
            ISBN: 3804715559 (EUR 34,80)
            Dieses Buch bietet eine umfassende Übersicht des Standes der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Cannabiskonsum für den deutschsprachigen Leser. Es entstand im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (Horst Seehofer, CSU).

            *Zitate aus der Kurzzusammenfassung des Buches:

            „Zusammenfassend ist festzuhalten daß die pharmakologischen Wirkungen und psychosozialen Konsequenzen des Cannabiskonsums sich als weniger dramatisch und gefährlich erweisen, als dies überwiegend noch angenommen wird.“
             
            „Was die Auswirkungen von Cannabis auf die psychische Gesundheit anbelangt, muss aufgrund der vorliegenden Ergebnisse die Annahme, dass der Konsum von Cannabis eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit nach sich zieht, zurückgewiesen werden.“
             
            „Bezüglich des Abhängigkeitspotenzials der Droge fassen wir zusammen: Der Konsum von Cannabis führt keineswegs zwangsläufig zu einer psychischen Abhängigkeit, es kann jedoch zu einer Abhängigkeitsentswicklung kommen. Eine solche Abhängigkeit vom Cannabistyp kann jedoch nicht primär aus den pharmakologischen Wirkungen der Droge, sondern vielmehr aus vorab bestehenden psychischen Stimmungen und Problemen erklärt werden. Die Abhängigkeit von Cannabis sollte als Symptom solcher Probleme gesehen werden.“
             
            „Ein wichtiges Argument in der Diskussion um Cannabis ist seine mögliche „Schrittmacherfunktion“ für den Einstieg in den Konsum von illegalen Drogen bzw. den Umstieg auf härtere Substanzen. Diese These muss nach Analyse der vorliegenden Studien zurückgewiesen werden.“
             
            „Die These, Cannabis führe mit einer gewissen Regelmässigkeit zu einem amotivationalen Syndrom, kann nicht belegt werden.“

      • ( Die einen das Gehirn zersetzen ) ich lach mich weck 🙂

      • Die Studie ist doch überhaupt nich representativ !!! Viel zu wenig teilnehmende Probanden , die über einen viel zu kurzen Zeitraum beobachtet wurden . Ausserdenm immer wieder zu behaupten „Cannabis macht das“ und „Cannabis bewirkt das und das“ ist alleine schon völlig unwissenschaftlich !!! Bei Alkohol ist es egal ob ich nun Eierlikör oder Korn trinke . Es kommt nur auf die Dosis an . Das Ergebniss ist am Ende immer das Gleiche . Bei den Cannabispflanzen , gibt Sorten die kein oder nur sehr wenig THC besitzen , dafür aber viel CBD . Für diese Arten von Cannabis wären die genannten Studien schon mal garnicht mehr zutreffend !!! Allso Vorsicht mit den Vergleichen zwischen Cannabis und anderen Drogen . Das Ganze hinkt nämlich gewaltig !!!

  3. @conny sie meinen wohl Alkohol? Bitte erst informieren, anstelle immer alles nur nachzuleben .

    Grüße aus Polen

  4. Was den nur für Haschbauern liebe Redaktion ??? Haschisch ist das Harz der weiblichen Hanfpflanze !!! Um diesen gewinnbringend herstellen zu können , sind riesige Anbauflächen mit Cannabispflanzen vonnöten . Iin Deutschland gibt es KEINE einzige Person die solche Flächen legal oder illegal bewirtschaften und betreiben könnte !!! Mit Journalismus hat das wohl eher weniger zu tun , wenn man dann immer wieder die gleichen Falschinformationen unter die Leute bringt . Also bitte erst vorher informieren und dann erst sowas veröffentlichen . Danke !!!

  5. Zersetzung ? Bestimmt bei denen die es spritzen am schlimmsten, oder ?

  6. In den USA hätten sie viel Geld verdienen können auf legalem Weg. Nur leider liegt Deutschland auch in dieser Angelegenheit mal wieder weit zurück, sehr schade und eine Verschwendung von Steuergeldern ohnegleichen.

    Und nein, eben wegen den vielen Einsatzmöglichkeiten (vor allem im legalen Rahmen, wenn es denn endlich die Gesellschaft und Politik begreift) ist Cannabis nicht NUR eine Pflanze, sondern viel mehr.

    Zeit für die Relegalisierung! Aufklärung ohne Märchen und ein geregelter Verkauf ab 18 Jahren, wie in anderen Ländern auch ist die einzig richtige Lösung. Wenigstens kommt das Thema aktuell fast dauernd in den Medien und nimmt Fahrt auf. Auch wenn Deutschland wahrscheinlich eins der letzten Länder sein wird das zu begreifen.